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Apostolisches Schreiben
Maximum illud
von Papst Benedikt XV.
an die Patriarchen, Primasse,
Erzbischöfe und Bischöfe
über die Ausbreitung des katholischen Glaubens auf dem Erdkreis

30. November 1919

 

Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen!

1. Jener große und überaus heilige Dienst, den unser Herr Jesus Christus den Jüngern unmittelbar vor seiner Rückkehr zum Vater mit den Worten übertragen hat: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung [1], sollte mit dem Tod der Apostel nicht aufhören. Er sollte bei ihren Nachfolgern fortdauern bis ans Ende der Zeiten, so lange es nämlich Menschen auf Erden geben wird, welche durch die Wahrheit befreit werden sollen [2]. Von dem Augenblick an, als sie aufbrachen und überall das Wort Gottes verkündeten [3], so dass ihre Botschaft in die ganze Welt hinausging und ihre Kunde bis zu den Enden der Erde reichte [4], war die Kirche sich des göttlichen Auftrags bewusst und hat im Verlauf der Jahrhunderte nie aufgehört, die Boten und Ausspender der von Gott überlieferten Lehre und des dem Menschengeschlecht durch Christus bereiteten ewigen Heiles in alle Weltteile auszusenden.

Selbst in den ersten dreihundert Jahren, als zur Unterdrückung der neu entstandenen Kirche eine höllische Verfolgung nach der andern wütete und alles vom Blut der Christen durchtränkt war, ist doch die Stimme der Künder des Evangeliums weit in die Gebiete des römischen Reiches hinaus gedrungen. Nachdem aber der Kirche öffentlich Friede und Freiheit gewährt worden war, machte sie auf der ganzen Erde viel größere Fortschritte im Apostolat, besonders dank des segensreichen Wirkens vortrefflicher Männer mit heiligmäßigem Leben. Unter diesen hat Gregor der Erleuchter Armenien mit dem christlichen Namen verbunden; Viktorinus gewann die Steiermark, Frumentius Äthiopien und Patrick die Irländer für Christus; Augustinus die Angelsachsen, Kolumba und Palladius die Schotten. Dann ließ Klemens Willibrord, der erste Bischof von Utrecht, das Licht des Evangeliums über Holland aufleuchten; Bonifatius und Ansgar führten die Völker Deutschlands, Cyrill und Method die slawischen Völker zum katholischen Glauben. Von da an öffnete sich den apostolischen Sendboten noch ein viel weiteres Feld, indem Wilhelm von Ruysbroek die Fackel des Glaubens zu den Mongolen trug und der selige Papst Gregor X. die ersten Glaubensboten nach China entsandte. Diesen folgten nachmals die Schüler des heiligen Franz von Assisi und begründeten dort die erhebliche Gemeinde von Gläubigen, welche nicht lange danach der Ausbruch eines Verfolgungssturmes zerstreute.  

Als Amerika entdeckt war, nahm sich eine Schar apostolischer Männer, unter denen Bartholomäus de las Casas, diese Zierde und Leuchte des Dominikanerordens, besonders zu erwähnen ist, der armen Eingeborenen an, sowohl um sie vor ungerechter Unterjochung der Menschen zu schützen, als auch um sie aus der harten Sklaverei der bösen Geister zu befreien. Inzwischen starb Franz Xaver, der es würdig ist, geradezu mit den Aposteln verglichen zu werden, auf seinem Weg in das chinesische Reich nach bewundernswerten Anstrengungen für den Ruhm Christi und das Heil der Seelen in Ostindien und in Japan: es war, als würde er durch seinen Tod für eine neue Verkündigung des Evangeliums in jenen unermesslichen Gebieten die Tür öffnen, in welchen künftig so viele namhafte, der Glaubensverbreitung kundige Mitglieder der religiösen Orden und Missionsgesellschaften im großen Wandel der Verhältnisse und Zeiten sich dem Apostolat widmen sollten. Zuletzt empfingen das jüngst entdeckte Festland Australien, ebenso wie die inneren Landstriche Afrikas, durch den Mut und die Ausdauer der neueren Entdecker erforscht, die Sendboten des christlichen Glaubens. Und es ist im weiten Stillen Ozean fast keine, wenn auch noch so entfernte Insel, wohin nicht unsere Missionare mit ihrer Tüchtigkeit tatkräftig vorgedrungen wären. Viele von ihnen sind, indem sie das Heil ihrer Brüder suchten, nach dem Vorbild der Apostel selbst zur Höhe der Heiligkeit gelangt sind, und es gibt nicht wenige, die das Apostolat mit dem Ruhm des Martyriums krönten und ihren Glauben durch das Vergießen ihres Blutes bekräftigten. 

2. Wenn wir nun aber die vielen und großen Anstrengungen, die bei der Ausbreitung des Glaubens von den Unsrigen übernommen worden sind, den großen dafür eingesetzten Eifer, die vielen Beispiele unüberwindlichen Heldenmutes betrachten, dann dürfen wir uns sehr wundern, dass es trotzdem noch immer ungeheuer viele Menschen gibt, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes [5]; beträgt doch nach neuerdings angestellter Berechnung die Zahl der Heiden nahezu eine Milliarde.

3. Voll Erbarmen mit dem beweinenswerten Los einer so ungeheuren Menge von Seelen, haben Wir gemäß der Heiligkeit Unserer apostolischen Aufgabe nichts Wichtigeres zu tun, als dass Wir diesen die Wohltaten der göttlichen Erlösung zuwenden. Daher sehen Wir wahrlich mit Freude und Dankbarkeit, dass in der katholischen Welt sehr vielfach die vom Geiste Gottes angeregten Bestrebungen der Guten zur Förderung und Ausgestaltung der auswärtigen Missionen sich mehren. Diese Bestrebungen zu begünstigen und immerfort anzuregen, gehört zu Unserem Amte und zu Unserem höchsten Verlangen. Daher richten Wir, ehrwürdige Brüder, nach vielen Gebeten um die Erleuchtung und die Hilfe des Herrn   dieses Sendschreiben an Euch und rufen Euch, Euren Klerus und Euer Volk damit auf, indem Wir angeben, wie Ihr euch für diese Sache von höchster Wichtigkeit nützlich machen könnt.

4. Zuerst richtet sich Unser Wort an jene, welche als Bischöfe oder als apostolische Vikare oder Präfekten dem kirchlichen Missionswerk vorstehen; auf ihnen lastet die ganze Sorge für die Ausbreitung des Glaubens in erster Linie; auf sie insbesondere setzt die Kirche die Hoffnung auf Ausdehnung. Wir wissen freilich wohl, welcher apostolische Feuereifer sie durchglüht, und haben zuverlässige Kenntnis davon, welche großen Schwierigkeiten sie überwinden und welche Gefahren sie wagen mussten, zumeist in den vergangenen Jahren, nicht nur, um ihr Gebiet und ihre Stationen nicht zu verlassen, sondern auch um das Reich Gottes noch zu erweitern. Im Hinblick auf ihre Ergebenheit und Verehrung gegen diesen Apostolischen Stuhl eröffnen Wir ihnen wie ein Vater seinen Söhnen vertrauensvoll Unser Herz. Sie mögen daher vor allem bedenken, dass sie, wie man zu sagen pflegt, jeder gleichsam die Seele seiner Mission sein sollen. Deshalb sollen sie ihren Priestern und den weiteren ihnen zu Diensten stehenden Mitarbeitern mit Wort und Tat zum guten Beispiel dienen und sie mit Mut und Antrieb beseelen, stets nach dem Besseren zu streben.

Alle nämlich, welche irgendwie in diesem Weinberg des Herrn arbeiten, müssen es erfahren und klar erkennen, dass der Mission ein Vater vorsteht, wachsam und fleißig, voll Nächstenliebe, der mit allen Personen und allen Angelegenheiten mit größter Teilnahme sich befasst, der sich über das Glück der ihm Anvertrauten freut, über ihr Unglück mittrauert, löbliche Versuche und Anfänge fördert und unterstützt, der endlich alles bei seinen Untergebenen wie sein Eigenes mitträgt. Das Los einer Mission hängt gewissermaßen von der Weise ab, wie sie geleitet wird. Es kann ihnen daher sehr zum Verderben ausschlagen, wenn ein unfähiger oder weniger geeigneter Leiter an ihre Spitze gesetzt wird. Ein jeder, der sein Vaterland und seine teuren Angehörigen um der Verbreitung des christlichen Namens willen verlässt, vertraut sich zumeist einer langen, des Öfteren gefährlichen Reise an, entschlossen und bereit, das Härteste auf sich zu nehmen, nur um für Christus recht viele Seelen zu gewinnen. Hat er nun einen sorgsamen Vorgesetzten, der ihm in allen Fällen mit Klugheit und Liebe zur Seite steht, dann wird ohne Zweifel sein Bemühen fruchtbar sein. Im andern Falle aber ist sehr zu fürchten, dass er sich nach und nach in Mühen und Widrigkeiten erschöpft, zuletzt den Mut verliert und sich untätiger Verdrossenheit hingibt.

5. Außerdem muss, wer einer Mission vorsteht, in erster Linie dafür sorgen, dass er dieselbe stets vorwärtsbringe und voll entfalte. Denn da die ganze Gegend, die sein Missionsbezirk umfasst, soweit sie nach Länge und Breite sich ausdehnt, seiner Sorge anvertraut ist, so muss er wahrlich das ewige Heil aller insgesamt erstreben, die in demselben Gebiet wohnen. Daher steht es ihm nicht zu, wenn er aus der ungeheuren Menge einige tausend Heiden zum Glauben geführt hat, dabei ruhig einzuhalten. Gewiss, er soll für diejenigen, welche er für Christus schon hervorgebracht hat, sorgen; er soll sie schützen und fördern und nicht zulassen, dass jemand von ihnen auf Abwege komme und verloren gehe. Aber er soll nicht glauben, dass er handle, wie es seine Pflicht ist, wenn er nicht auch sich nach Kräften und ohne Unterbrechung bemüht, die übrigen, deren Zahl vielleicht nur allzu sehr überwiegt, der christlichen Wahrheit und des christlichen Lebens teilhaft zu machen. Daher wird es das Vordringen der Predigt des Evangeliums zum Ohre aller einzelnen beschleunigen und begünstigen, wenn in der Folge andere Stationen und Sitze der Missionare gegründet werden, die ebenso viele Zentren für neue Vikariate und Präfekturen werden sollen, in welche, wenn die Zeit gekommen ist, der Missionsbezirk geteilt werden kann. An dieser Stelle wollen Wir den Apostolischen Vikaren das verdiente Lob spenden. So viele von ihnen verschaffen in der beschriebenen Art dem Reiche Gottes immer neuen Zuwachs und pflegen zu diesem Zweck neue Mitarbeiter aus andern Ordensfamilien oder Ordensgesellschaften aufs freudigste aufzunehmen, wenn sie keine eigenen haben.  

6. Jedoch, wie sehr müsste man hingegen demjenigen die Billigung versagen, der den Teil vom Ackerfeld des Herrn, der ihm zur Bebauung zugewiesen wurde, wie seinen eigenen Besitz betrachtete, den er von fremden Händen gar nicht berühren lassen wollte. Welche Strenge des göttlichen Gerichts hätte dieser zu erwarten? Dies gilt zumal für den Fall - der, wie Wir erwähnt haben, öfters vorkommt -, dass eine nicht gerade große Zahl von Christen von einer Menge Heiden umgeben ist und er zu deren Unterricht die Hilfe anderer nicht herbeirufen und annehmen wollte, obwohl er mit eigenen Lehrkräften nicht auskommt. Wahrlich, der Vorstand einer christlichen Mission, dem nichts Anderes am Herzen liegt als Gottes Ehre und das Heil der Seelen, sucht zu seinem heiligen Dienst von allen Seiten Helfer zusammen und legt keinen Wert darauf, wer sie seien, ob sie seinem Orden oder einem andern angehören, seiner oder fremder Nationalität sind ... wenn nur auf alle Weise Christus verkündigt wird [6]. Und nicht nur Helfer, sondern auch Helferinnen, nämlich Ordensschwestern, zieht er für die Schulen, die Waisenhäuser, die Spitäler, die Herbergen und die sonstigen Anstalten christlicher Liebestätigkeit herbei, welchen, wie er weiß, nach dem Willen der göttlichen Vorsehung eine unglaubliche Kraft innewohnt, den Glauben weiter auszubreiten.

7. Des Weiteren schließt sich ein guter Missionspräfekt nicht innerhalb seines Gebietes ab, als ob er alles, was draußen geschieht, für wildfremd betrachtete, sondern er wird dem Drang der Liebe Christi folgen, indem er an allem großes Interesse nimmt, was für dessen Ehre irgend Bedeutung besitzt, und mit den Mitbrüdern der Nachbarschaft Freundschaft und Austausch zu unterhalten suchen. Denn es gibt oft viele gemeinsame Geschäfte, die auf dieselbe Gegend Bezug haben und sich, wie es klar ist, nur gemeinsam erledigen lassen. Außerdem wird es der Religion großen Nutzen bringen, wenn möglichst viele Missionsvorsteher zu festgesetzten Zeiten sich gemeinsam versammeln, um ihre Absichten miteinander zu besprechen und sich durch gegenseitigen Zuspruch zu stärken.  

8. Eine Hauptsorge endlich für alle Missionsleiter muss es sein, dass sie aus dem Volke selbst, unter dem sie weilen, Diener des Heiligtums erziehen und schulen. Darin besteht in höchster Weise die Hoffnung neuer Kirchen. Denn der einheimische Priester, der durch seine Abstammung, seine Geistesanlage, sein Fühlen und Streben mit seinen Landsleuten in Verbindung steht, besitzt eine wunderbare Kraft, den Glauben in ihren Geist eindringen zu lassen. Er weiß ja besser als jeder andere, auf welche Weise sie von irgendetwas überzeugt werden können. So geschieht es oft, dass sie leicht dahin Zutritt erhalten, wohin der von auswärts gekommene Priester seinen Fuß nicht setzen darf.

9. Jedoch ist es notwendig, die einheimische Geistlichkeit gut auszubilden und einzuüben. Es genügt dazu keineswegs eine bloß stückweise und unentwickelte Schulung, etwa so, dass jemand gerade geeignet ist, den priesterlichen Dienst zu übernehmen, sondern die Ausbildung muss eine vollkommene und in allen Teilen abgeschlossene sein, so wie sie den Priestern in traditionell katholischen Ländern gegeben zu werden pflegt. Denn die einheimische Geistlichkeit ist nicht nur soweit auszurüsten, dass sie die von auswärts gekommenen Missionare durch Verrichtung einfacherer Dienste unterstützt, sondern so, dass sie selbst der Verwaltung des göttlichen Dienstamtes gewachsen ist und dereinst die Leitung ihres Volkes richtig übernehmen kann. Denn wie die Kirche Gottes eine allgemeine ist und bei keinem Volk oder Stamm etwas Fremdes, so gehört es sich, dass aus jedem Volke Diener des Heiligtums erstehen, welchen sich die Landsleute als Lehrern des göttlichen Gesetzes und Führern zum Heilswege anschließen. Wo daher einheimische Geistliche in genügender Zahl und von guter Ausbildung und ihres heiligen Berufes würdiger Haltung vorhanden sind, da kann man mit Recht das Werk des Missionars glücklich vollendet und die Kirche vortrefflich begründet nennen. Wenn dann vielleicht auch ein Verfolgungssturm ausbricht, um sie zu erschüttern, so braucht man nicht zu fürchten, dass sie mit diesem Fundament und Wurzelwerk die feindlichen Angriffe nicht aushalten werde.

10. Der Apostolische Stuhl ist bei den Missionsleitern stets dafür eingetreten, dass sie diese wichtige Amtspflicht der sachlichen Bedeutung entsprechend achteten und sorgsam erfüllten. Zeugen für seine Bestrebung auf diesem Gebiet sind die alten und neuen Kollegien Roms für die Heranbildung von Geistlichen auswärtiger Völker, zumal des orientalischen Ritus. Nach diesem Eintreten der Päpste ist zu beklagen, dass es Länder gibt, in welche seit mehreren Jahrhunderten der katholische Glaube gedrungen ist und dennoch eine eingeborene Geistlichkeit außer solchen von geringerer Bedeutung nicht zu finden ist; ebenso dass es manche Völker gibt, die frühzeitig vom Licht des Evangeliums erleuchtet worden sind und aus der Barbarei auf eine solche Stufe der Zivilisation sich erhoben haben, dass sie hervorragende Männer auf allen den mannigfachen Gebieten der bürgerlichen Berufe besitzen, aber trotz des vielhundertjährigen heilsamen Einflusses der Kraft des Evangeliums und der Kirche doch bisher weder Bischöfe zu ihrer Leitung noch Priester, deren geordnete Lebensführung auf die Bürger Einfluss nimmt, hervorbringen konnten. Es ist also klar, dass die bis heute an einigen Orten angewandte Erziehungsweise der für den Missionsdienst bestimmten Geistlichkeit unzulänglich und fehlerhaft ist. Um diesen Nachteil zu beseitigen, geben wir dem Rat der Kongregation der Propaganda Fide den Auftrag, festzustellen, was für die verschiedenen Gegenden geeignet ist, und dafür zu sorgen, dass Seminare, welche für einzelne Gegenden und für mehrere Diözesen zugleich dienlich sind, gegründet oder die bereits gegründeten recht geleitet werden, ganz besonders aber sollte man darauf bedacht sein, wie in den Vikariaten und den sonstigen Missionsstätten eine neue Geistlichkeit heranwachsen könne.

11. Nun wenden Wir uns an Euch, hochgeschätzte Söhne, wie viele Ihr auch seid, Arbeiter im Weinberg des Herrn, in deren Hände zunächst mit der Ausbreitung der christlichen Weisheit das Heil so vieler Seelen gelegt ist. Immer soll euch die Erhabenheit und Größe des Amtes, dem Eure Mühe gewidmet ist, leitend vor Augen stehen. Euer Ziel ist ein göttliches, ganz weit von der Armseligkeit menschlicher Rücksichten entferntes, nämlich denen, die im Schatten des Todes sitzen [7], Licht zu bringen und den Weg zum Himmel denen zu öffnen, die ins Verderben zu stürzen drohen. Macht Euch daher bewusst, dass einem jeden von Euch das Wort vom Herrn gesprochen ist: Vergiss dein Volk und dein Vaterhaus [8]; erinnert Euch, dass Ihr nicht ein Menschenreich zu verbreiten habt, sondern das Christi, und nicht der Heimat, die hier unten ist, sondern dem Vaterland, das droben ist, Bürger zuzuführen. Es würde wirklich zu bedauern sein, wenn es Missionare gäbe, die ihre Würde so sehr vergessen, dass sie mehr an die irdische Heimat als an die himmlische dächten und mehr, als billig ist, danach strebten, die Macht hier auf der Erde zu erweitern und seinen Ruhm vor allem auszudehnen.

Das wäre eine h ässliche Fehlform des Apostolates, die im Verkünder des Evangeliums alle Empfindungen der Liebe zu den Seelen zerstören würde und sein Ansehen im Volke selbst herabdrückte. Denn mögen Menschen noch so barbarisch und grausam sein, sie erkennen doch gut genug, was der Missionar für sich will, was er bei ihnen sucht, und mit sehr scharfem Gespür durchschauen sie es, wenn er etwas Anderes als ihr geistiges Heil erstrebt. Lasst ihn aber in gewissem Maße weltlichen Plänen dienen und sich nicht als einen allseits apostolischen Mann zeigen, sondern als den Vorkämpfer für die Angelegenheiten seines Vaterlandes, sofort wird bei der Volksmenge all sein Wirken in Verdacht kommen. Dieser Verdacht kann die Menge leicht zu der Meinung führen, die christliche Religion sei die eigene Angelegenheit eines bestimmten auswärtigen Volkes, und den Schein erwecken, wer diese Religion annehme, unterwerfe sich dem Schutz und der Herrschaft des auswärtigen Staates und gebe das eigene Bürgerrecht auf.  

12. Große Betrübnis haben Uns jene Nachrichten über die Missionsangelegenheiten bereitet, die man gerade in den letzten Jahren unter das Volk zu bringen begonnen hat und in welchen nicht so sehr der Eifer für die Verbreitung des Reiches Gottes als der für die Vermehrung der Größe des eigenen Staates zutage tritt. Wir wundern uns, dass man sich gar nicht darum kümmert, wie sehr dies die Seelen der Heiden von der heiligen Religion ab bring t. Nicht so macht es der katholische Missionar, der dieses Namens würdig ist, sondern er ist sich stets bewusst, dass er keineswegs für sein eigenes Heimatvolk waltet, sondern Gesandter an Christi statt [9] ist. Er richtet sein Benehmen so ein, dass jeder ohne allen Zweifel erkennt, dass er ein Diener jener Religion ist, welche, da sie alle Menschen umfasst, die Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten, keinem Volke fremd ist und wo es nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Barbaren, Skyten, Sklaven und Freie gibt, sondern Christus alles und in allen ist [10].

Vor einem anderen Fehler muss sich weiterhin der Missionar mit größter Sorgfalt hüten, nämlich dass er nicht andere Gewinne machen wolle als solche der Seelen. Doch darüber bedarf es nicht weiterer Worte. Denn wenn jemanden die Gewinnsucht antreibt, wie kann er dann einzig nach der göttlichen Ehre streben, wie er soll, und wie wird er, um sie zu fördern, in der Führung anderer zum Heile all das Seine, selbst sein Leben einzusetzen bereit sein? Dazu kommt, dass ihm deshalb viel an Ansehen bei den Ungläubigen verloren geht, am meisten dann, wenn, was sehr leicht eintritt, der Erwerbsgeist bereits zum Laster des Geizes hinabgesunken ist. Es gibt weder für die Menschen etwas Verächtlicheres noch etwas des Reiches Gottes Unwürdigeres als diesen Schmutz.  

Der gute Verbreiter des Evangeliums wird daher hierin eifrigst dem Völkerapostel nachfolgen, der nicht allein jene Ermahnung an Timotheus gab. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen [11], da er ja das Lob der Genügsamkeit so hochschätzte, dass er bei aller Inanspruchnahme durch die Sorgen seines mühevollen Amtes dennoch durch eigene mühsame Handarbeit sich seinen Unterhalt verschaffte.

13. Dem Missionar muss, bevor er an das Apostolat herantritt, eine sorgfältige Ausbildung zuteilwerden, wiewohl vielleicht jemand sagen möchte, es sei das Wissen von so vielen Dingen für den nicht nötig, der bei Völkern, die aller Zivilisation fernstehen, Christus verkündigen soll. Denn wenn es auch außer Frage steht, dass zur heilbringenden Bekehrung der Seelen die Ausrüstung mit Tugenden mehr vermag als die mit Wissenschaft, so wird doch derjenige, der nicht mit Wissenschaft als seinem Schutzgeleit versehen ist, oft finden, dass ihm viele Hilfe für die Fruchtbarkeit seines heiligen Dienstes abgeht. Denn oft wird er keinen Vorrat an Büchern haben und keinen Verkehr mit Gelehrten, die er befragen könnte, während er doch denjenigen, die Fragen an ihn stellen, antworten soll, was immer sie gegen den Glauben einwenden, und auch die schwierigsten Fragen lösen soll. Je mehr Bildung ferner er verrät, desto größer wird seine Achtung beim Volke werden, zumal wenn er unter einer Bevölkerung weilt, bei welchen die wissenschaftlichen Studien Ehre und Wertschätzung genießen. Es wäre eine allzu große Unehre, wenn die Boten der Wahrheit auf diesem Gebiet von den Dienern des Irrtums übertroffen würden. Wenn daher der geistliche Nachwuchs, welchen Gott beruft, für die apostolischen Unternehmungszüge ordnungsgemäß herangebildet wird, muss er in allen kirchlichen und weltlichen Fächern, welche für Missionare nötig sind, unterrichtet werden. Das soll, wie es billig ist, Unserem Willen entsprechend im Päpstlichen Kolleg Urbaniana zur Verbreitung des christlichen Glaubens geschehen. Wir verordnen, dass in demselben künftig ein besonderer Lehrstuhl für Missionswissenschaft errichtet werde.

14. Zu den Dingen, welche der Missionar verstehen und kennen muss, ist selbstverständlich an erster Stelle die Sprache des Volkes, dessen Heil er sich widmen wird, zu zählen. Denn er darf sich nicht mit einer oberflächlichen Kenntnis dieser Sprache begnügen, sondern er muss sie so beherrschen, dass er leicht und richtig sprechen kann. Denn allen, sowohl den Unwissenden als den Gelehrten, ist er gleichermaßen Schuldner, und er weiß wohl, wie leicht jemand durch gefällige Sprache die Gemüter der Menge zum Wohlwollen an sich ziehen kann. Auch soll der eifrige Missionar insbesondere die Auslegung der christlichen Lehre nicht den Katecheten überlassen, sondern dieses Gebiet als sein eigenes, ja sogar als einen vorzuziehenden Teil seines Amtes für sich behalten. Denn er ist aus keinem andern Grunde von Gott gesendet, als um das Evangelium zu verkünden.  

Es wird bisweilen auch vorkommen, dass er als Bote und Sprecher der heiligen Religion den Angesehenen im Volke seine Aufwartung machen muss, oder dass er in die Versammlungen der Gelehrten eingeladen wird. Wie wird er bei solchen Anlässen seine Würde wahren, wenn er aus Mangel an Sprachkenntnis seinen Gedanken Ausdruck zu geben sich verhindert sieht? Wir haben das neulich selbst berücksichtigt, als Wir in der Sorge für die Vertiefung und die Verbreitung des katholischen Glaubens bei den Orientalen ein besonderes Studienheim in der Stadt Rom errichteten, wo diejenigen, welche dem Apostolat in jenen Gegenden sich widmen wollen, zu guten Kennern der Sprachen und Sitten des Orients herangebildet und auch mit den sonstigen Hilfsmitteln wohl vertraut gemacht werden sollen. Da Uns diese Einrichtung sehr nützlich scheint, nehmen Wir diese Gelegenheit wahr, um alle Leiter religiöser Orden, denen orientalischen Missionen anvertraut sind, zu ermahnen, dass sie ihre für Missionen bestimmten Alumnen auf diesem Gebiet mit aller Sorgfalt ausbilden lassen.  

Doch wer sich für das Apostolat richtig vorbereitet, muss sich vor allem eines erschaffen, was von der größten Bedeutung ist, nämlich die schon oben erwähnte Heiligung des Lebens. Denn ein Gottesmann muss sein, wer Gott verkündet; die Sünde muss hassen, wer die Sünde zu hassen befiehlt. Besonders bei den Ungläubigen, die sich mehr vom Sinneseindruck als von Überlegungen leiten lassen, wird weit größeren Gewinn haben, wer den Glauben durch sein Beispiel predigt als nur mit Worten. Deshalb mag der Missionar mit allen Vorzügen des Geistes und Herzens ausgestattet sein, in allen Wissenschaften gebildet, in allen Vorzügen menschlicher Gesittung gereift: wenn alles dies nicht mit Reinheit der Sitten verbunden ist, wird es zum Heil der Völker wenig oder gar nichts wirken, ja ihm und den andern den größten Schaden zufügen.

15. Daher sei er von vorbildlicher Demut, gehorsam, keusch, hervorragend fromm, dem frommen Gebet und der ständigen Einigung mit Gott hingegeben, eifrig vor ihm die Sache der Seelen vertretend. Je inniger er mit Gott verbunden ist, desto mehr wird er göttlicher Gnade und Hilfe teilhaft werden. Er höre auf die Mahnung des Apostels: Bekleidet Euch also, als E rwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld [12]. Mit Hilfe dieser Tugenden gewinnt die Wahrheit eine offene und breite Türe zu den Herzen der Menschen, und die Hindernisse aller Art weichen zurück. Denn es gibt keinen so hartnäckigen Willen, dass er diesen leicht widerstände. 

Es wird also der Missionar, der nach dem Vorbild Jesu, unseres Herrn, von Liebe glüht, da er auch die Verworfensten unter den Heiden zu den Kindern Gottes zählt, als solche, die um denselben Preis des göttlichen Blutes erkauft sind, weder über ihren Mangel an Gesittung sich erregen, noch durch ihre Sittenverderbnis sich abschrecken lassen, er verachtet sie nicht und verwirft sie nicht, er behandelt sie nicht herb und hart, vielmehr bemüht er sich, mit allen Erweisen christlicher Güte sie anzuziehen, um sie einst zur Gemeinschaft Christi, des guten Hirten, hinzuführen. Dabei wird er das Wort der Heiligen Schrift zu überdenken pflegen: Herr, du Freund des Lebens, in allem ist dein unvergänglicher Geist. Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr. … Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Schonung; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst [13]. Wo ist die Schwierigkeit, die Mühsal oder Gefahr, die einen solchen Gesandten Jesu Christi von seinem Walten zurückhielte? Nirgendwo, in der Tat. Denn wer sich diesem erhabenen Beruf gewidmet hat, der wird voll Dank gegen Gott alle Widrigkeiten und Härten, die ihm aufgeladen werden, Mühen, Schmach, Not und Hunger, selbst den grausamsten Tod hochherzig hinnehmen, wenn er auch nur eine Seele aus dem Abgrund der Hölle errettet. 

16. So gestimmt und begeistert trete der Missionar nach dem Vorbild Christi und der Apostel an die Ausübung seines Amtes vertrauensvoll heran. Den Grund seiner Zuversicht aber wird er ganz in Gott legen. Ganz Gotteswerk ist, wie Wir gesagt haben, die Verbreitung der christlichen Weisheit, da es Gottes Same allein ist, der in die Herzen einzudringen vermag, um den Geist mit dem Licht der Wahrheit zu erleuchten, den Willen mit den Funken der Tugenden zu entzünden und dem Menschen die geeigneten Kräfte zu geben, dass er das, was er als wahr und gut erkannt hat, befolge und übe. Wenn daher dem Diener bei seiner Bemühung Gott nicht beisteht, wird er umsonst sich anstrengen. Nichts desto weniger aber möge er fortfahren, für das Begonnene tatkräftig zu wirken, vertrauend allerdings auf die Gnade Gottes, die dem, der um sie betet, nie mangeln wird. - An dieser Stelle dürfen Wir nicht von den Frauen schweigen, welche schon seit den Erstlingszeiten des Christentums kostbare Arbeit und Teilnahme für die Künder des Evangeliums beizusteuern pflegten. Mit vorzüglichem Lobe verdienen hier jene gottgeweihten Jungfrauen erwähnt zu werden, welche so zahlreich in den Missionsbezirken weilen und der Erziehung der Kinder und den mannigfaltigen Einrichtungen der Frömmigkeit und Wohltätigkeit sich widmen. Wir wünschen, dass dieses Lob ihrer Verdienste ihre Begeisterung und Freude zum guten Wirken für die heilige Kirche mehre. Dessen mögen sie aber sicher sein, dass ihre Mühen umso gesegneter sein werden, je mehr sie nach ihrer geistigen Vollkommenheit streben.

17. Nun möchten Wir das Wort an alle überall richten, welche durch die große Gnade des barmherzigen Gottes des wahren Glaubens teilhaft sind und die unzähligen Wohltaten, die daraus entspringen, empfangen. Vor allem müssen sie beachten, welch heilige Pflicht sie haben, die heilige Sache der Heidenmission zu unterstützen. Denn Gott hat einem jeden seinen Nächsten anempfohlen [14]. Dies Gebot verpflichtet umso mehr, je größere Not den Nächsten drückt. Aber welche Klasse von Menschen wahrlich bedarf der brüderlichen Hilfe dringender als die der Ungläubigen, welche, ohne Kenntnis von Gott, von blinden, zügellosen Begierden gefesselt in der allerschlimmsten Sklaverei unter der Herrschaft des Teufels geknechtet sind? Daher erfüllen alle, welche zur Erleuchtung dieser nach ihren Kräften beisteuern, insbesondere durch Unterstützung des Missionswerkes, in einer höchst wichtigen Angelegenheit ihre Pflicht und bringen Gott in der wohlgefälligsten Weise für die Wohltat des Glaubens ihren Dank dar.

18. Das Hilfswerk nun, welches man den Missionen leisten kann und um welches die Missionare selbst unaufhörlich bitten, ist dreifacher Art. Das erste kann jedermann leisten: es ist das Gebet zum gnädigen Gott. Wiederholt haben Wir es schon gesagt, dass die von den Missionaren übernommene Mühe eitel und vergeblich sein werde, wenn nicht Gottes Gnade sie befruchtet. Paulus bezeugt es mit den Worten: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen [15]. Um diese Gnade zu erlangen gibt es nur einen Weg, den Weg des demütigen Gebets in Beharrlichkeit. Denn in jeder Angelegenheit, für welche auch immer sie beten werden, wird ihnen Erhörung von meinem Vater zuteil, spricht der Herr [16]. Wenn diese Gebete schon in anderen Angelegenheiten ihre Wirkung nicht verfehlen können, dann erst recht nicht in dieser wichtigsten und Gott angenehmsten aller Angelegenheiten. Wie damals, als die Israeliten mit Amalek kämpften, Moses währenddessen auf hohem Bergesgipfel ihnen mit erhobenen Händen die göttliche Hilfe erflehte [17], so müssen alle Christgläubigen den Verbreitern des Glaubens, die sich mühsam im Weinberg des Herrn abplagen, die Hilfe heiligen Gebetes zuwenden. Zur richtigen Erfüllung dieser Pflicht ist eigens das sog. Gebetsapostolat gegründet worden. Wir empfehlen dasselbe hiermit allen Guten und wünschen, dass niemand sich von der Beteiligung an ihm fernhalte und dass alle ohne Ausnahme am apostolischen Werk, wenn nicht durch die Tat, so doch durch ihren Eifer Anteil nehmen.  

19. An zweiter Stelle muss dem Mangel an Missionaren abgeholfen werden. War dieser schon früher kein geringer, so ist er mit Abschluss des Krieges aufs höchste gestiegen, so dass viele Teile vom Ackerfeld des Herrn ohne Arbeiter sind. Hierfür, ehrwürdige Brüder, möchten Wir Eure Bemühung erbitten. Ihr werdet ein Eurer Liebe zur Religion in erster Linie würdiges Werk vollführen, wenn Ihr bei Eurer Geistlichkeit und im Diözesanseminar die Samenkörner des Apostolates, welche vielleicht der eine oder andere in sich erkennen lässt, eifrig pflegt. Und es soll Euch nicht der Schein des Rechten täuschen oder irgendwelche menschliche Berechnung beeinflussen, als ob Ihr das, was Ihr den auswärtigen Missionen überlasset, dem Besten der eigenen Diözese entzöget. An Stelle des einen Priesters, den Ihr nach auswärts entlasst, wird Euch Gott in der Heimat mehrere tüchtige Priester erwecken. Die Vorsteher der Orden und religiösen Einrichtungen, welche die auswärtigen Missionen betreiben, bitten und beschwören Wir, dass sie für dieses Werk nur die auserlesensten ihrer Sodalen bestimmen, diejenigen nämlich, welche sowohl durch die Reinheit ihres Vorlebens als durch den glühenden Drang ihrer Frömmigkeit und durch Seeleneifer besonders hervorragen. Wenn sie dann erkennen, dass ihre Missionare bei einem Volke mit Glück geweilt haben, indem sie es von dem unreinen Aberglauben zur christlichen Weisheit herüberführten, und dass sie die Kirche dort fest genug begründet haben, dann sollen sie dieselben als auserwählte Streiter Christi zu einem anderen Volk versetzen, um auch dieses der Macht des Teufels zu entreißen. Und was von ihnen schon für Christus gewonnen ist, das sollen sie gerne andern überlassen, damit diese es durch ihre Pflege weiter fördern. Auf diese Weise werden sie die reichste Seelenernte machen und zugleich ihren Gemeinschaften die Segnungen der göttlichen Güte erwerben.

20. Endlich bedarf es zur Erhaltung der Missionen nicht geringer Geldmittel, zumal da ihre Bedürfnisse infolge des Krieges ins Unermessliche gestiegen sind, indem so viele Schulen, Krankenhäuser, Unterkunftsanstalten, Gabenverteilungshallen aufgehoben und unterdrückt worden sind. Hier rufen Wir alle Gutgesinnten auf, dass sie sich nach Kräften freigebig zeigen. Denn wie kann in dem, der Güter dieser Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht und das Herz vor ihm verschließt, die Liebe Gottes bleiben? [18] So der Apostel Johannes, indem er von jenen spricht, die an äußeren Gütern Mangel leiden. Um wie viel gewissenhafter muss das Gesetz der Liebe in dieser Angelegenheit beobachtet werden, wo es sich nicht nur darum handelt, dass dem Hunger und der Dürftigkeit und sonstigem Elend einer ungezählten Menge abgeholfen werde, sondern auch, und zwar in erster Linie, dass eine so ungeheure Zahl von Seelen der übermütigen Tyrannei des Satans entrissen und für die Freiheit der Kinder Gottes erobert werde?

Daher wünschen wir besonders, dass die zum Nutzen der Missionen geschaffenen Einrichtungen durch die Freigebigkeit der Katholiken unterstützt werden. Da ist zuerst das Werk der Glaubensverbreitung, welches von Unseren Vorgängern schon mehrfach empfohlen wurde. Wir wünschen, dass für eine künftige größere Ergiebigkeit an besten Früchten desselben der Rat von der Verbreitung des christlichen Namens recht eifrig bemüht sei. Denn von dort müssen zum größten Teil die Mittel kommen, aus denen die bereits begründeten Missionen und die noch zu begründenden unterhalten werden sollen. Wir vertrauen darauf, dass der katholische Erdkreis es nicht zulassen wird, dass, während andere zur Verbreitung des Irrtums Geld in Hülle und Fülle aufbringen, die Verbreiter der Wahrheit auf unserer Seite mit der Not kämpfen müssen.  

Das zweite Werk, welches Wir auch nachdrücklich allen empfehlen, ist das Werk von der heiligen Kindheit (der Kindheit-Jesu-Verein), dessen Aufgabe es ist, zu wachen, dass den sterbenden Heidenkindern die heilige Taufe gespendet wird. Es ist umso mehr empfehlenswert, weil auch unsere Kinder daran teilnehmen können und so früh erkennen, wie viel die Gabe des Glaubens wert ist, und dazu beitragen lernen, dass er auch andern zuteilwerde.  

Nicht unerwähnt aber wollen wir auch das sogenannte Werk des heiligen Petrus lassen, durch das für die Erziehung und den Unterricht einer eingeborenen Geistlichkeit in den Missionen gesorgt wird. Dabei möchten wir an die Beobachtung der Vorschrift Unseres Vorgängers seligen Angedenkens Leos XIII. erinnern, dass am Dreikönigsfest in allen Gotteshäusern des Erdkreises Almosen „für den Loskauf der Gefangenen aus Afrika“ gesammelt werden mögen und das Ergebnis der Sammlung in Geld an den Rat der Glaubensverbreitung eingeschickt werde.

21. Damit aber Unsere Wünsche sicherer und reichlicher in Erfüllung gehen, ehrwürdige Brüder, müsst Ihr im Allgemeinen durch Belehrung den Sinn Eurer Geistlichkeit in besonderer Weise auf die Missionen hinlenken. Gewöhnlich neigen die Menschen stark dazu, den apostolischen Männern zu Hilfe zu kommen; bedient euch dieser menschlichen Empfindung weise, dass sie den Missionen recht viel Nutzen bringe. Haltet euch vor Augen, dass Wir wünschen, es möge in allen Diözesen der katholischen Welt der sogenannte Missionsverein der Geistlichen begründet werden, der dem Rat der Glaubensverbreitung unterstellt sein soll. Wir haben diesem Rat bereits jede Vollmacht für die Angelegenheit gegeben. Der Verein ist neulich in Italien entstanden und hat sich in kurzer Zeit über andere Länder verbreitet. Da er durch Unsere Förderung aufblüht, wurde er auch von Uns mit der Vergünstigung päpstlicher Ablässe ausgezeichnet. Er verdiente das. Denn durch diese Organisation wird die Tätigkeit der Geistlichen sehr gut geordnet, sowohl um den Christen die Sorge für das Heil so vieler Heiden einzuflößen als auch um die mannigfachen Werke zu befördern, welche der Apostolische Stuhl zum Segen der Missionen schon gutgeheißen hat.

22. Dies, ehrwürdige Brüder, haben Wir Euch über die Verbreitung des katholischen Glaubens auf dem ganzen Erdenrund zu schreiben gehabt. Nun hegen wir gute Hoffnung: wenn jeder seine Pflicht tut, wie es sein soll – die Missionare draußen, die Christgläubigen in der Heimat –, dann werden die Missionen von den so schweren Wunden und Schädigungen des Krieges sich rasch erholen und wieder aufblühen. Wie fühlen Wir uns hier, gleich als ob Uns wie einst den Petrus jenes Wort des Herrn ermunterte: Fahr hinaus, wo es tief ist [19], von der Glut väterlicher Liebe gedrängt, die zahllosen Menschen der Gegenwart zur Vereinigung mit ihm zu führen. Denn immer nährt sich und lebt die Kirche vom Geiste Gottes; und so vieler apostolischer Männer Bemühungen, die zu ihrer Ausbreitung gearbeitet haben und noch arbeiten, können nicht ohne Erfolg bleiben. Von ihrem Beispiel angeregt, werden auch künftig recht viele erstehen, welche unter der frommen und freigebigen Teilnahme der Gutgesinnten Christus eine frohe Schar von Seelen gewinnen.

23. Möge die große Gottesmutter, die Königin der Apostel, den gemeinsamen Bitten ihre Huld verleihen, indem sie den Kündern des Evangeliums Ausgießung des Heiligen Geistes erflehe; als Unterpfand dafür und zur Bezeigung Unseres Wohlwollens erteilen Wir Euch, ehrwürdige Brüder, Eurer Geistlichkeit und Eurem Volke in aller Liebe den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, am 30. November 1919, im sechsten Jahre Unseres Pontifikates.

Benedikt XV. PP.

 


[1] Mk 16,15

[2] Vgl. Joh 8,32

[3] Vgl. Mk 16,20

[4] Ps 18,5

[5] Lk 1,79

[6] Vgl. Phil 1,18

[7] Vgl. Lk 1,79

[8] Ps 45,11

[9] 2 Kor 5,20

[10] Kol 3,11

[11] 1 Tim 6,8

[12] Kol 3,12

[13] Weish 12,1.2.18

[14] Vgl. Sir 17,14

[15] 1 Kor 3,6

[16] Vgl. Mt 18,19

[17] Vgl. Ex 17,10 ff

[18] Vgl. 1 Joh 3,17

[19] Lk 5,4

 



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