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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN HERRN MUKHTAR B. TILEUBERDI,
NEUER BOTSCHAFTER DER REPUBLIK KASACHSTAN
BEIM HL. STUHL

Donnerstag, 17. Dezember 2009

 

Exzellenz!

Ich freue mich, Sie im Vatikan willkommen zu heißen und das Beglaubigungsschreiben entgegenzunehmen, durch das Sie als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Kasachstan beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie bitten, Seiner Exzellenz, Präsident Nursultan Nasarbajew, der mich kürzlich hier im Vatikan besucht hat, meine Grüße und dem ganzen Volk der Republik meine guten Wünsche zu übermitteln. Bitte versichern Sie den Präsidenten meines Gebets um sein Wohlergehen und das aller Bürger der Nation und überbringen Sie ihm meinen Dank für die guten Wünsche, die Sie soeben seinerseits übermittelt haben.

Wie Sie sich erinnern werden, hat mein verehrter Vorgänger, der verstorbene Papst Johannes Paul II., im September 2001 Kasachstan besucht. In einer Zeit weltweiter Ungewißheit und Trauer legte er damals Zeugnis dafür ab, daß die Kirche, in Treue zur Lehre Christi, Frieden und Verständigung zwischen den Völkern unterstützt und danach strebt, wahren menschlichen Fortschritt zu fördern.

Der Heilige Stuhl ermutigt die Nationen, die menschliche Person in ihrer Ganzheit zu achten und sowohl die geistlichen als auch die materiellen Bedürfnisse aller anzuerkennen. Der Mensch ist Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft und allen sozialen Lebens (vgl. Caritas in veritate, 25). So arbeitet die Kirche als Sauerteig in jeder Gesellschaft, um die Würde des Menschen hervorzuheben, ihm die notwendige Kraft zu geben, zu einer klareren Erkenntnis seiner selbst zu gelangen, und neue Kräfte zu sammeln im Dienst wahrer menschlicher Entwicklung.

Herr Botschafter, obgleich die Christen in Kasachstan nur einen kleinen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen, können sie ihre Wurzeln in diesem Land über Jahrhunderte zurückverfolgen. Sie sind daher ein wichtiger Teil der reichen Vielfalt von Religionen und Traditionen, aus denen sich Ihre Nation zusammensetzt. Der Umstand, daß diese verschiedenen Gruppen in Ihrem Land Seite an Seite miteinander leben, bietet zusammen mit der Tatsache, daß Ihr Land eine geographische Verbindung zwischen Europa und Asien sowie zwischen Ländern mit jeweils einem großen christlichen beziehungsweise muslimischen Bevölkerungsanteil darstellt, eine wertvolle Gelegenheit zur Förderung des Austauschs und der Brüderlichkeit. Die Entwicklungszusammenarbeit bietet auch eine wunderbare Gelegenheit zur Begegnung zwischen Kulturen und Völkern (vgl. ebd., 59). Damit diese Begegnung wirklich stattfinden kann, müssen die Staaten sich beständig dazu verpflichten, die menschlichen Grundrechte zu achten, nicht zuletzt das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Die Religionen können einen großen Beitrag zur Entwicklung leisten, besonders dann, wenn Gott im öffentlichen Bereich mit spezifischem Bezug auf die kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und insbesondere politischen Aspekte Platz findet (vgl. ebd, 56).

Der Heilige Stuhl seinerseits unterstützt zusammen mit der katholischen Gemeinschaft in Kasachstan jene Initiativen, die Frieden und echte Freundschaft zwischen den Völkern fördern, auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung der legitimen Unterschiede, vor allem aber auf der Grundlage des Einsatzes für das Gemeinwohl. Das 1998 zwischen dem Heiligen Stuhl und Kasachstan unterzeichnete Abkommen, das erste seiner Art in Ihrer Region, ist eine Vereinbarung, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt gründet. Die im Abkommen verankerte juridische Gewährleistung der Rechte und Pflichten soll ein Mittel sein, die Zusammenarbeit und den guten Willen zu stärken. Ich kann Ihnen versichern, daß die katholische Gemeinschaft in Ihrem Land den Wunsch hat, zum Wohl aller zur Festigung guter Beziehungen und gegenseitiger Verständigung zwischen der christlichen und der islamischen Welt beizutragen. Mögen die Zusammenarbeit und der gute Wille Tag für Tag reich gesegnet sein!

Exzellenz, Kasachstan übernimmt am 1. Januar 2010 den Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, und gern bringe ich Ihnen meine guten Wünsche für die Amtsperiode Ihres Landes zum Ausdruck. Die internationale Gemeinschaft hat kürzlich des 20. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer gedacht. In diesem Licht ist der Vorsitz Ihrer Nation in der OSZE ein beredtes Zeugnis dafür, wie sehr die Welt sich entwickelt hat und gereift ist. Die Feier dieses Jahrestages ist auch ein Ansporn, die demokratischen Errungenschaften zu stärken, im Hinblick auf eine stabile Zukunft der Region sowie der ganzen Welt. Der Heilige Stuhl setzt sich dafür ein, die politischen Freiheiten, die vor 20 Jahren in Europa erlangt wurden, zu festigen. Ihr äußerer Ausdruck kann nur dann gedeihen, wenn das göttliche Geschenk der inneren Freiheit geachtet und gefördert wird.

Herr Botschafter, ich entbiete Ihnen meine besten Wünsche für das Gelingen Ihrer Mission und versichere Ihnen, daß die verschiedenen Abteilungen der Römischen Kurie bereit sind, Hilfe und Unterstützung bei der Erfüllung Ihrer Pflichten zu geben. Die Kirche hat den Wunsch, die harmonischen Beziehungen, die zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Kasachstan bestehen, weiterzuentwickeln und zu vertiefen. Auf Sie, Exzellenz, Ihre Familie und das ganze Volk der Republik rufe ich von Herzen reichen göttlichen Segen herab.

 

© Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana

     



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