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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN HERRN NEVILLE MELVIN GERTZE,
NEUER BOTSCHAFTER VON NAMIBIA BEIM HL. STUHL*


Freitag, 29. Mai 2009

 

Exzellenz,

ich freue mich, Sie im Vatikan begrüßen zu dürfen und von Ihnen das Beglaubigungsschreiben in Empfang zu nehmen, mit dem Sie als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Namibia beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden. Ich danke Ihnen für den freundlichen Gruß, den mir Staatspräsident Hifikepunye Pohamba durch Sie übermitteln ließ. Bitte versichern Sie ihn meiner Dankbarkeit und meiner besten Wünsche. Ich grüße auch die Regierungsmitglieder, die zivilen Autoritäten und alle Bürger Ihres Landes.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den einzelnen Ländern dienen dazu, einen Rahmen zu schaffen, in dem gemeinsame Interessen verfolgt und gewahrt werden. Das gibt beiden Parteien auch die Gelegenheit, auf nationaler und internationaler Ebene gemeinsame Werte zu fördern. Ich bin zufrieden mit den vielen positiven Resultaten, die der Heilige Stuhl und Namibia schon in der relativ kurzen Zeit ihrer Zusammenarbeit erreichen konnten.

Herr Botschafter, wie Sie wohl wissen, verfügt Afrika über ein breites Spektrum politischer, sozialer und wirtschaftlicher Realitäten. Einige dieser Initiativen sind von Erfolg gekrönt, andere wiederum haben die Erwartungen der Völker, denen sie dienen sollten, nicht erfüllt. Namibia gehört erst seit relativ kurzer Zeit zur Familie der unabhängigen Staaten. Die Bürger Ihres Landes und deren gewählte Regierungsvertreter haben sich vom Beispiel anderer Länder inspirieren lassen und im Laufe der Zeit die Notwendigkeit erkannt, die Bodenschätze des Landes im Bereich Bergbau und Landwirtschaft zu schützen, deren zweckmäßigen Abbau und den Gewinn zu kontrollieren und für das Gemeinwohl zu nutzen. Den Uranabbau und die Diamantenbearbeitung einer verantwortlichen Kontrolle zu unterstellen, sind positive Initiativen. In der Tat sind Transparenz, ehrliche Geschäftspraktiken und gute Regierung wesentlich für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Fortschritt. Es freut mich feststellen zu können, daß in der Verfassung Ihres Landes ein klares Bewußtsein der ökologischen Verantwortung des Staates enthalten ist. Während sie weiter für eine gerechte Verteilung des Reichtums und somit auch für bessere Entwicklungsmöglichkeiten Benachteiligter kämpfen, rufe ich die Nation auf, den Weg zur Stärkung des Gemeinwohls nicht zu verlassen, die demokratischen Institutionen und Praktiken zu konsolidieren und nach Gerechtigkeit für alle zu streben.

Herr Botschafter, der Heilige Stuhl ist zuversichtlich, daß Ihr Land zu positiven Entwicklungen in Afrika und in der internationalen Gemeinschaft beitragen kann. Aufgrund seiner Geschichte der friedlichen Unabhängigkeit und Integration, seiner Einheit in der Verschiedenheit und dem verantwortungsvollen Umgang mit Bodenschätzen kann Namibia der Entwicklung anderer Völker zum Vorbild gereichen. Es ist auch wichtig, daß sich Namibia bei internationalen Begegnungen Gehör verschafft. Nur so können die derzeitigen Bedürfnisse und Erwartungen der Völker Ihres Kontinents objektiv und aus einer afrikanischen Perspektive zum Ausdruck gebracht werden, und nicht auf eine Weise, die allein die Interessen anderer vertritt.

Die katholische Kirche ist froh darüber, ihre Sendung in einem Klima der Religionsfreiheit ausüben zu können. Welchen Beitrag die Kirche zum zivilen Leben leistet, sieht man nicht nur an dem, was einzelne Christen oder Institutionen vollbracht haben, sondern auch an der Wirkung ihrer Botschaft. Indem die Kirche das Evangelium verkündet und zu einer von Glaube, Hoffnung und Liebe getragenen Haltung anregt, lädt sie die Menschen zu einem Leben ein, das im Zeichen der Werte steht. Einem Leben, das von jener geistlichen und moralischen Stärke getragen wird, die aus dem Glauben kommt und in Integrität, dem verantwortlichen Gebrauch der Freiheit, Respekt und Toleranz anderen gegenüber Ausdruck findet. Menschen, die von diesen oder ähnlichen moralischen und geistlichen Perspektiven inspiriert sind, tragen positiv zum Wohl der Gesellschaft in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Dimension bei. Das gilt besonders für Personen in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Führungspositionen.

Der Evangelisierungsauftrag der Kirche schließt ein großzügiges Engagement für Initiativen mit ein, mit denen Bedürftigen geholfen werden soll. Wie Sie, Herr Botschafter, in Ihrer Grußadresse gesagt haben, konnte die Kirche in Ihrer Heimat im Lauf der Jahre eine Vielzahl von Gemeinschaften und Institutionen guten Willens ins Leben rufen, die sich nicht nur der Pastoral widmen, sondern auch der Erziehung und Berufsausbildung sowie der Betreuung von Menschen, die sich in Schwierigkeiten befinden. Durch Schulen und spezialisierte Ausbildungszentren, Krankenhäuser und wohltätige Einrichtungen praktiziert die Kirche jene Nächstenliebe, die im obersten Gebot so unmißverständlich gefordert wird. Ich bete darum, daß die katholischen Institutionen des Landes ihre Erfahrung auch weiterhin in den Dienst der Förderung und Entwicklung des namibischen Volkes stellen und dessen gegenwärtige und zukünftige Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren.

Ich weiß, daß es eine der Prioritäten des Regierungsprogramms ist, größeres Augenmerk auf die Volksgesundheit zu legen, vor allem auf die Betreuung der vielen HIV/Aids-Infizierten. In diesem Bereich bietet die Kirche gerne auch weiter ihre Hilfe an. Sie ist überzeugt davon, daß der Ausbreitung dieser Krankheit nur durch eine Strategie vorgebeugt werden kann, die auf Erziehung zu individueller Verantwortung und einer moralischen Sicht der Sexualität basiert, mit besonderem Augenmerk auf der ehelichen Treue. Gerne bietet die Kirche hier ihre Mitarbeit an. Vor allem im Bereich der Erziehung, wo junge Menschen zu aktiven und verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft herangebildet werden.

Herr Botschafter, ich habe hier einige Gedanken zur gegenwärtigen Situation Ihres Landes geäußert und mich dabei von der Liebe zu Ihrem Volk und der zuversichtlichen Hoffnung für die Zukunft Namibias inspirieren lassen. Für Ihren Auftrag wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Bitte zögern Sie nicht, sich an die Dikasterien der Römischen Kurie zu wenden, die Ihnen jederzeit gerne zur Seite stehen. Der allmächtige Gott schenke Ihnen, Ihrer Familie und der von Ihnen repräsentierten Nation reichen und anhaltenden Segen, Wohlergehen und Frieden!


*L'Osservatore Romano n. 27 p. 10.

 

© Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana



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