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ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN FRAU DELIA CÁRDENAS CHRISTIE,
NEUE BOTSCHAFTERIN VON PANAMA BEIM HL. STUHL*


Freitag, 30. Oktober 2009

 

Frau Botschafterin!

1. Ich freue mich, Sie zu diesem feierlichen Akt zu empfangen, bei dem Ihre Exzellenz das Schreiben vorlegt, mit dem Sie als außerordentliche und bevollmächtigte Botschafterin der Republik Panama beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden.

Ich danke Ihnen für die liebenswürdigen Worte, die Sie an mich gerichtet haben, sowie auch für den ehrerbietigen Gruß von seiten des Präsidenten der Republik, Seiner Exzellenz Herrn Ricardo Mantinelli Berrocal. Ich bitte Sie, die Güte zu haben, ihm meine besten Wünsche für die Erfüllung seines Amtes zu übermitteln, während ich mit Hochschätzung an die Höflichkeit und Freundlichkeit denke, die er bei unserer Begegnung in Castel Gandolfo an den Tag gelegt hat.

Ihre Exzellenz kommt in Vertretung einer Nation, die reibungslose und fruchtbare bilaterale Beziehungen zum Heiligen Stuhl unterhält. Der Besuch des Herrn Präsidenten von Panama, den ich eben erwähnt habe, ist ein ausdrucksvoller Beweis für das bestehende gute Einvernehmen, das bereits bei dem am 1. Juli 2005 unterzeichneten Abkommen deutlich wurde, dessen baldige Ratifizierung zu erhoffen ist, so daß eine Kirchenprovinz zur pastoralen Betreuung der Sicherheitskräfte Panamas errichtet werden kann.

Im Rahmen der jeweiligen Zuständigkeiten und des gegenseitigen Respekts kann sich die Arbeit der Kirche, die aufgrund ihrer Sendung nicht mit der des Staates zu verwechseln ist, mit keinem politischen Programm identifizieren; sie bewegt sich in einem Bereich religiöser und spiritueller Natur, dem es um die Förderung der Würde des Menschen und um den Schutz seiner Grundrechte geht. Diese Unterscheidung beinhaltet jedoch weder Gleichgültigkeit noch gegenseitige Unkenntnis, denn Kirche und Staat wirken, wenn auch in verschiedener Begründung, beide für das gemeinsame Wohl der gleichen Bürger im Dienst an deren persönlicher und gesellschaftlicher Berufung (vgl. Gaudium et spes, 76). Ebenso trachten die diplomatischen Ämter danach, die große Sache des Menschen zu fördern und die Eintracht unter den Völkern wachsen zu lassen, und aus diesem Grund legt der Heilige Stuhl großes Augenmerk und hohe Wertschätzung auf die Aufgabe, deren Erfüllung Ihre Exzellenz heute übernimmt.

2. Die Identität Ihres Landes, das sich im Laufe von Jahrhunderten als ein Mosaik von Ethnien, Völkern und Kulturen herausgebildet hat, ist vor der ganzen Menschheitsfamilie ein beredtes Zeichen dafür, daß ein friedliches Zusammenleben zwischen Personen verschiedener Herkunft in einem Klima von Gemeinschaft und Zusammenarbeit möglich ist. Diese menschliche Vielfalt muß als ein bereicherndes Element und als eine Quelle angesehen werden, aus der täglich immer mehr geschöpft werden muß, da wir uns dessen bewußt sind, daß der Mensch das erste zu schützende und zu nutzende Kapital ist (vgl. Caritas in veritate, 25). Aus dieser Sicht ermuntere ich alle Ihre Landsleute dazu, für eine größere soziale, wirtschaftliche und kulturelle Gleichheit zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft zu arbeiten, so daß durch Verzicht auf egoistische Interessen, durch Stärkung der Solidarität und versöhnliche Abstimmung der Wünsche – nach den Worten Pauls VI. – »der Skandal schreiender Ungerechtigkeit gebannt wird« (Populorum progressio, 9).

3. Die Botschaft des Evangeliums hat bei der Ausprägung der Identität Panamas eine grundlegende und konstruktive Rolle entfaltet und gehört zum geistigen Erbe und kulturellen Reichtum dieser Nation. Ein leuchtendes Zeugnis dafür ist die Bulle Pastoralis officii debitum, mit der Papst Leo X. am 9. September 1513 die kanonische Errichtung der Diözese Santa María La Antigua, der ersten Diözese auf dem Festland des amerikanischen Kontinents, vornahm. Um des 500. Jahrestages dieses bedeutsamen Ereignisses zu gedenken, bereitet die Kirche im Land verschiedene Initiativen vor, die zeigen sollen, wie tief in Ihrer Heimat die kirchliche Gemeinschaft verwurzelt ist, die nichts anderes als das Wohl des Volkes im Blick hat, zu dem sie gehört und dem sie mit edlen Zielen und Hochherzigkeit gedient hat und weiter dient. Ich bitte Gott darum, daß dieses Jubiläum das christliche Leben aller geliebten Söhne und Töchter dieser Nation stärke, so daß in ihr nach wie vor der Glaube die inspirierende Quelle bleibt, um sich auf positive Weise den Herausforderungen zu stellen, mit denen sich diese Republik zur Zeit auseinandersetzen muß.

In diesem Zusammenhang ist die Anerkennung der zahlreichen Aktivitäten zur menschlichen und sozialen Förderung angebracht, die die Diözesen, die Pfarreien, die Ordensgemeinschaften, die Laienvereinigungen und die apostolischen Bewegungen in Panama durchführen und dadurch entscheidend dazu beitragen, der Gegenwart eine Dynamik zu verleihen und das Verlangen nach einer verheißungsvollen Zukunft für ihre Heimat zu beleben. Besondere Bedeutung kommt der Präsenz der Kirche im Erziehungsbereich und bei der Hilfe für die Armen, Kranken, Gefangenen und Emigranten zu; dasselbe gilt für die Verteidigung grundlegender Aspekte, wie den Einsatz für soziale Gerechtigkeit, den Kampf gegen die Korruption, den tätigen Einsatz für den Frieden, die Unverletzlichkeit des Rechts auf das menschliche Leben vom Augenblick seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod sowie auch für den Schutz der auf die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gegründeten Familie. Das sind die unersetzlichen Elemente, um ein gesundes soziales Gefüge herzustellen und eine Gesellschaft aufzubauen, die stark ist aufgrund der Zuverlässigkeit der moralischen Werte, die sie tragen, adeln und ihr Würde verleihen.

In diesem Zusammenhang kann ich nicht umhin, das Engagement anzuerkennen, das die panamaischen Obrigkeiten wiederholt an den Tag gelegt haben, nämlich die demokratischen Institutionen und ein auf starke ethische Beständigkeiten gegründetes öffentliches Leben zu festigen. Diesbezüglich darf man nicht mit Kräften sparen, um ein effizientes und unabhängiges Rechtssystem zu stärken, und muß in allen Bereichen mit Ehrlichkeit und Transparenz in der Führung der Gemeinschaft handeln und mit Fachkenntnis und Sorgfalt an die Lösung der Probleme herangehen, die die Bürger betreffen. Das wird die Entwicklung einer gerechten und brüderlichen Gesellschaft begünstigen, in der sich keine Gruppe der Bevölkerung vergessen oder der Gewalt und Ausgrenzung ausgesetzt sieht.

4. Der heutige Anlaß lädt uns alle ein – die Institutionen und die für das Schicksal der Völker Verantwortlichen –, ernsthaft über die Ereignisse und Vorgänge nachzudenken, die sich auf internationaler und lokaler Ebene zeigen. Erwähnenswert ist die wertvolle Rolle, die Panama für die politische Stabilität des zentralamerikanischen Raumes in Zeiten entfaltet, in denen uns die gegenwärtige Konjunktur vor Augen führt, daß ein dauerhafter und harmonischer Fortschritt der menschlichen Gemeinschaft nicht einzig und allein von der wirtschaftlichen Entwicklung oder den technischen Erfindungen abhängt. Diese Aspekte müssen notwendigerweise durch jene anderen, das heißt die ethischen und geistlichen Dimensionen ergänzt werden, da eine Gesellschaft vor allem dann vorankommt, wenn es in ihr genügend innerlich aufrechte Menschen von untadeligem Verhalten und mit dem festen Willen gibt, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, und die zudem die jungen Generationen einen echten Humanismus lehren, der in der Familie und in der Schule gepflegt wird, so daß die Lebenskraft der Nation Frucht des ganzheitlichen Wachstums der Person und aller Personen ist (vgl. Caritas in veritate, 61; 70).

5. Frau Botschafterin, vor Abschluß unserer Begegnung erneuere ich meinen Willkommensgruß an Sie, Exzellenz, und an Ihre Lieben, und ich wünsche Ihnen gleichzeitig eine fruchtbare Arbeit, zusammen mit dem Personal dieser diplomatischen Vertretung, zum Wohl Ihres Landes, das dem Herzen des Papstes so nahe ist.

Mit dieser Gesinnung lege ich in die Hände der allerseligsten Jungfrau Maria, Unserer Lieben Frau von La Antigua, die Hoffnungen und Herausforderungen des geliebten panamaischen Volkes, für das ich vom Herrn reichen Segen erbitte.


*L'Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache n. n. 48 p. 10.

 

© Copyright 2009 - Libreria Editrice Vaticana

 



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