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ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.
BEI DEM KONZERT, DAS KARDINAL
DOMENICO BARTOLUCCI AUSGERICHTET HAT

Innenhof des Apostolischen Palasts, Castel Gandolfo
Mittwoch, 31. August 2011

 

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im Bischofs- und im Priesteramt,
liebe Freunde!

Heute abend sind wir in die Kirchenmusik eingetaucht, jene Musik, die in ganz besonderer Weise aus dem Glauben entsteht und den Glauben auszudrücken und zu vermitteln vermag. Gedankt sei den hervorragenden ausführenden Künstlern: den beiden Sopranistinnen, dem Bariton, Maestro Baiocchi, dem »Rossini Chamber Choir« aus Pesaro und dem Philharmonischen Orchester der Marken sowie den Organisatoren und den Behörden, die das Ereignis möglich gemacht haben. Sie haben uns inmitten der Alltagsaktivitäten einen Moment der Betrachtung und des Gebets geschenkt, der uns die Harmonien des Himmels erahnen ließ. Besonderer und herzlicher Dank gilt dem Urheber der Stücke, die wir gehört haben, Maestro Kardinal Domenico Bartolucci. Danke Eminenz, daß Sie mir dieses Konzert geschenkt und zu diesem Anlaß das mir gewidmete Stück »Benedictus« als Gebet und Dank an den Herrn für meinen Dienst komponiert haben.

Maestro Kardinal Bartolucci braucht man nicht vorzustellen. Ich möchte nur auf drei Aspekte seines Lebens hinweisen, die ihn – außer seinem stolzen florentinischen Geist – offensichtlich kennzeichnen, nämlich: der Glaube, das Priestertum und die Musik. Lieber Kardinal Bartolucci, der Glaube ist das Licht, das Ihrem Leben immer die Richtung gegeben und es geleitet hat, das Ihr Herz geöffnet hat, um großmütig auf den Ruf des Herrn zu antworten; und aus diesem Glauben ist auch Ihre Weise des Komponierens entstanden. Sie haben gewiß eine solide musikalische Ausbildung am Florentiner Dom, am Konservatorium von Florenz, am Päpstlichen Institut für Geistliche Musik von großartigen Lehrmeistern erhalten, zu denen Vito Frazzi, Raffaele Casimiri und Ildebrando Pizzetti zählten. Aber die Musik ist für Sie eine bevorzugte Sprache, um den Glauben der Kirche zu vermitteln und jedem, der Ihre Werke hört, auf dem Weg des Glaubens zu helfen; Sie haben Ihr Priestertum auch durch die Musik ausgeübt. Ihre Weise des Komponierens fügt sich ein in die Reihe der großen Schöpfer geistlicher Musik, besonders der Sixtinischen Kapelle, deren Leiter Sie viele Jahre waren: sie besteht darin, den kostbaren Schatz des Gregorianischen Chorals zur Geltung zu bringen und zugleich weise die Polyphonie zu verwenden, getreu der Tradition, aber auch offen für neue Klangwirkungen.

Lieber Maestro, heute abend haben Sie uns durch Ihre Musik mit dem der christlichen Tradition teuersten Gebet unsere Seele Maria zuwenden lassen, aber Sie haben uns auch an den Anfang unseres Glaubensweges zurückkehren lassen, zur Liturgie der Taufe, zu dem Augenblick, in dem wir Christen geworden sind: eine Einladung, stets von dem einzigen Wasser zu trinken, das den Durst löscht, dem lebendigen Gott, und uns jeden Tag darum zu bemühen, das Böse zu verwerfen und unseren Glauben zu erneuern, indem wir immer wieder sagen »Credo«, »Ich glaube«!

»Christus circumdedit me«, Christus hat mich umfangen und umfängt mich: Diese Motette faßt Ihr Leben, Ihren Dienst und Ihre Musik zusammen, lieber Herr Kardinal. Nun danke ich noch einmal Ihnen, den beiden Sopranistinnen, dem Bariton, dem Dirigenten und allen Chor- und Orchestermitgliedern und erteile Ihnen gerne meinen Apostolischen Segen. Danke.

 



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