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ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.
BEI DEM KONZERT, DAS DIE REGIERUNG DES FÜRSTENTUMS ASTURIEN AUSGERICHTET HAT

Aula Paolo VI
Samstag, 26. November 2011


Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
sehr geehrte Obrigkeiten
und liebe Freunde!

Von Herzen danke ich der Regierung der autonomen Gemeinschaft »Fürstentum Asturien« und der Stiftung Maria Cristina Masaveu Peterson mit ihrem Präsidenten Herrn Fernando Masaveu für das wunderbare Konzert, das sie uns geschenkt haben. Getragen von der Musik hat es uns eine innere Reise durch die Folklore, die Gefühle und das Herz Spaniens ermöglicht. Besonderer Dank gilt dem Asturischen Sinfonieorchester unter der Leitung von Maximiano Valdés für die wundervolle Aufführung, die uns etwas von dem tiefen und reichen Wesen der spanischen und insbesondere der Asturischen Bevölkerung vermittelt hat. Ebenso danke ich all jenen, die es möglich gemacht haben, diesen Augenblick zu genießen, wie auch dem Erzbischof von Oviedo und allen, die bei diesem bedeutsamen Anlaß zugegen sind.

Am heutigen Abend wurde sozusagen »ein Stück Spanien« in diesen Saal versetzt. Wir hatten die Gelegenheit, nicht nur Musik einiger der berühmtesten Komponisten dieses Landes – wie Manuel de Falla oder Isaac Albeniz – zu hören, sondern auch Kompositionen des Deutschen Richard Strauss und des Russen Nikolai Rimski-Korsakow, die fasziniert waren von dem, was im Begleitheft des Konzertes »more hispano« genannt wird, das heißt der spanischen Lebensart, wie auch der spanischen Art, Musik zu komponieren und zu interpretieren. Gerade dieses Element verbindet die so unterschiedlichen Musikstücke, die wir gehört haben; sie haben ein wesentliches Merkmal: die Fähigkeit, Empfindungen, Gefühle, ja ich würde fast sagen das Gewebe des alltäglichen Lebens musikalisch mitzuteilen.

Und dies vor allem deshalb, weil derjenige, der »more hispano« komponiert, fast selbstverständlich dazu neigt, folkloristische und volksliedhafte Elemente, die aus dem täglichen Leben stammen, mit dem, was wir »ernste Musik« nennen, in harmonischen Einklang zu bringen. Eine Reihe von Gefühlen wurde uns an diesem Abend vermittelt: »alegría de vivir«, die Lebensfreude, die Atmosphäre des Festes, die in Kompositionen wie den drei Tänzen aus »El sombrero de tres picos« von de Falla durchscheinen, oder der Kampf gegen das Böse, der in der berühmten »Danza ritual del fuego« desselben Komponisten beschrieben wird; das muntere Leben in den Stadtvierteln wie in »Lavapiés« aus »Iberia« von Albéniz; das Drama eines Lebens, das keinen Frieden findet, wie das von Don Juan, dem es nicht gelingt, echte Liebe zu leben, und dem am Ende die Leere seines Lebens bewußt wird: das Meisterwerk von Strauss hat den Übergang von der Euphorie, die das Stück beseelt, zur Traurigkeit über die Leere, die im wehmütigen Finale zum Ausdruck kommt, in vollkommener Weise wiedergegeben.

Aber es gibt ein weiteres Element, das in den Kompositionen »more hispano« beständig zum Tragen kommt, und das ist das religiöse Element, von dem das spanische Volk tief durchdrungen ist. Das hat Rimski-Korsakow sehr gut verstanden: In seinem wunderschönen »Capriccio espagnol« schließt er bei der Verwendung folkloristischer Gesänge und Tänze auch verschiedene Themen volkstümlicher religiöser Melodien ein, so zum Beispiel im ersten Teil des Stücks, wo eine alte Asturianische Anrufung zu erkennen ist, mit der der Schutz der Jungfrau Maria und des hl. Petrus erbeten wird, oder im zweiten Satz, in dem ein Zigeunerlied an die Muttergottes auftaucht. Das sind die Wunder, die die Musik bewirken kann, diese universale Sprache, die es uns erlaubt, alle Grenzen zu überschreiten und in die Welt des anderen, einer Nation, einer Kultur einzutreten, und sie ermöglicht uns auch, Herz und Geist dem ganz Anderen zuzuwenden, das heißt uns zur Welt Gottes zu erheben.

Ich danke nochmals der Regierung Asturiens, der Stiftung, den Musikern des Sinfonieorchesters der autonomen Gemeinschaft »Fürstentum Asturien«, dem Dirigenten Maximiano Valdés, den Organisatoren, allen, die aus Asturien gekommen sind, sowie Ihnen allen. Möge Sie die Jungfrau Maria – »die in der schönsten Höhe der Sonne erstrahlt und Mutter ist und Königin«, wie es in der Hymne an die himmlische Schutzherrin jener Region heißt – mit ihrer mütterlichen Zärtlichkeit stets behüten! Allen wünsche ich einen guten Weg durch die Adventszeit und erteile Ihnen von Herzen meinen Segen.

 



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