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ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.
AN DIE MITGLIEDER DES "CIRCOLO SAN PIETRO"

Saal der Päpste
Freitag, 24. Februar 2012

 

Liebe Mitglieder des »Circolo San Pietro«!

Ich freue mich, euch zu dieser Begegnung zu empfangen, die in zeitlicher Nähe zum Fest Kathedra Petri stattfindet. Dieser Umstand bietet euch die Gelegenheit, die besondere Treue zum Apostolischen Stuhl zu bezeugen, der euren wohlverdienten »Circolo« von jeher auszeichnet. Ich begrüße euch alle ganz herzlich. Ich begrüße den Generalpräsidenten, Herzog Leopoldo Torlonia, und danke ihm für die von Zuneigung erfüllten ehrerbietigen Worte, die er als Ausdruck der Empfindungen von euch allen an mich gerichtet hat. Darüber hinaus begrüße ich auch euren geistlichen Assistenten.

Wir haben gerade den Weg der Fastenzeit begonnen, und – woran ich in meiner kürzlich veröffentlichten Botschaft (vgl. O.R. dt., Nr. 7, 17.2.2012, S. 10) erinnert habe – diese Zeit des Kirchenjahres lädt uns ein, »über das Herz des christlichen Lebens nachzudenken: die Nächstenliebe«. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Gnade, »um mit Hilfe von Gottes Wort und den Sakramenten unseren persönlichen wie gemeinschaftlichen Glaubensweg zu erneuern. Es ist ein Weg, der vom Gebet und vom miteinander Teilen geprägt ist, von Stille und Fasten, in der Erwartung, die österliche Freude zu erleben.« Der Hebräerbrief ermahnt uns mit den folgenden Worten: »Laßt uns aufeinander achten und uns zur Liebe und zu guten Taten anspornen« (10,24).

Liebe Freunde, heute wie gestern berührt das Zeugnis der Nächstenliebe das Herz der Menschen in besonderer Weise; die Neuevangelisierung erfordert vor allem in einer kosmopolitischen Stadt wie Rom eine geistige Weite und eine kluge Verfügbarkeit gegenüber allen. In diesen Aspekt fügt sich gut das Netz der Hilfsleistungen ein, die ihr tagtäglich allen Bedürftigen zukommen laßt. Gerne erinnere ich an euren großherzigen Einsatz in den Armenküchen, den Obdachlosenheimen, im »Haus der Familie«, im multifunktionalen Zentrum, wie auch an das stille, aber um so bedeutsamere Zeugnis, das ihr zu Unterstützung der Kranken und ihrer Angehörigen im »Hospice Fondazione Roma« gebt, ohne dabei euer missionarisches Wirken in Laos und die Fernadoptionen zu vergessen.

Die Authentizität unserer Treue zum Evangelium bewahrheitet sich auch, wie wir wissen, auf der Grundlage der Aufmerksamkeit und konkreten Fürsorge, die wir dem Nächsten entgegenbringen, vor allem den Schwächsten und den Ausgegrenzten. Zur Aufmerksamkeit für den anderen gehört es, sein Wohl und das Gute für ihn zu wünschen, und dies in jeder Hinsicht: leiblich, moralisch und geistlich. Auch wenn der zeitgenössischen Kultur der Sinn für Gut und Böse abhanden gekommen zu sein scheint, muß mit Nachdruck daran erinnert werden, daß das Gute existiert und siegt. Verantwortung gegenüber dem Nächsten bedeutet also, dessen Wohl anzustreben und dafür zu wirken, in dem Wunsch, daß er sich der Logik des Guten öffnen möge; sich um seine Brüder und Schwestern zu kümmern bedeutet, die Augen für ihre Bedürfnisse zu öffnen und die Verhärtung des Herzens zu überwinden, die blind macht für die Leiden anderer. So wird der Dienst der Nächstenliebe zu einer bevorzugten Form der Evangelisierung – im Licht der Lehre Jesu, daß er alles, was wir einem unserer Brüder getan haben, vor allem den geringen und vergessenen, so betrachtet, als hätten wir es ihm selbst getan (vgl. Mt 25,40). Wir müssen unser Herz mit dem Herzen Jesu in Einklang bringen, damit die liebevolle Unterstützung, die wir den anderen anbieten, Ausdruck findet in der Anteilnahme und dem bewußten Teilen ihrer Leiden und Hoffnungen, und wir so einerseits die auf dem Antlitz Christi erstrahlende, unendliche Barmherzigkeit Gottes gegenüber jedem Menschen sichtbar machen und andererseits unseren Glauben an ihn. Die Begegnung mit dem anderen und das Öffnen des Herzens für seine Bedürfnisse können heilbringend und seligmachend sein.

Liebe Mitglieder des »Circolo San Pietro«, wie jedes Jahr seid ihr heute gekommen, um mir den »Peterspfennig« für das karitative Wirken des Papstes zu übergeben, den ihr in den römischen Pfarreien gesammelt habt. Er ist eine konkrete, dem Nachfolger Petri geschenkte Hilfe, damit er auf die zahllosen Anfragen antworten kann, die ihn aus allen Teilen der Welt erreichen, insbesondere aus den ärmsten Ländern. Ich danke euch von Herzen für alle eure Aktivitäten, die ihr mit Großherzigkeit und Opferbereitschaft durchführt und die eurem Glauben und der jeden Tag gepflegten Beziehung mit dem Herrn entspringen. Glaube, Liebe und Zeugnis sind weiterhin die Leitlinien eures Apostolats. Und wie sollte man dann nicht an eure Anwesenheit bei den Liturgiefeiern in der Petersbasilika erinnern? Diese gereicht euch um so mehr zur Ehre, als ihr damit eure beständige Hingabe und ehrerbietige Treue zum Ausdruck bringt, die euch mit dem Sitz des Apostels Petrus verbinden. Der Herr vergelte es euch und erfülle euren »Circolo« mit reichem Segen; er helfe jedem von euch die eigene Berufung in Familie, Arbeit und in eurer Vereinigung zu verwirklichen.

Liebe Freunde, während ich erneut meine Wertschätzung für den Dienst zum Ausdruck bringe, den ihr der Kirche leistet, vertraue ich euch zusammen mit euren Familien der mütterlichen Hilfe der Jungfrau Maria »Salus Populi Romani« und euren Schutzpatronen an. Meinerseits versichere ich euch meines Gebetsgedenkens für euch, für alle, die euch bei euren verschiedenen Initiativen unterstützen und denen ihr in eurem täglichen Apostolat begegnet. Von Herzen erteile ich euch allen einen besonderen Apostolischen Segen.

  



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