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GRUSSADRESSE VON PAPST BENEDIKT XVI.
AN DIE BEAMTEN DES SICHERHEITSINSPEKTORATS
AM VATIKAN

Sala Clementina
Freitag, 13. Januar 2012

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Verantwortliche und Sicherheitsbeamte!

Ich freue mich sehr, Sie heute vormittag anläßlich des Austausches von guten Wünschen für das neue Jahr 2012 zu empfangen. Mein Gruß gilt auch Ihren Familien und den Kollegen, die nicht an dieser Begegnung teilnehmen konnten, weil sie im Dienst auf dem Petersplatz und in den an den Apostolischen Stuhl angrenzenden Gebieten tätig sind. Einen besonderen Gruß richte ich an Herrn Generalinspektor Dr. Raffaele Aiello, dem ich für die freundlichen Worte danke, die er in Ihrem Namen sowie im Namen der Vertreter der Zentralstrukturen und Außenstellen des Innenministeriums,  mit denen Sie zusammenarbeiten, an mich gerichtet hat. Mein Gruß richtet sich an Herrn Präfekten Salvatore Festa und insbesondere an Sie, die Verantwortlichen und Sicherheitsbeamten, die Sie Ihren wertvollen Dienst »vor Ort« versehen. Allen gilt mein persönlicher Dank sowie der Dank meiner Mitarbeiter für die wertvolle und schwierige Arbeit, die Sie durchführen. Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, vor allem in einem von Touristen und Pilgern aus allen Teilen der Welt so stark besuchten Gebiet, ist keine einfache Aufgabe. Denn der Sitz Petri ist der Mittelpunkt der Christenheit, und die Katholiken der Welt möchten wenigstens einmal im Leben kommen und an den Gräbern der Apostel beten. Die Anwesenheit sowohl des Heiligen Stuhls als auch der großen Zahl von Menschen aus aller Welt, die den Mittelpunkt der katholischen Kirche besuchen, ist für die Stadt Rom und für ganz Italien natürlich kein Problem, sondern ein Reichtum, auf den sie stolz sein können! Wenn Sie die Gläubigen beobachten, die sich mit Freude, mit innerer Bewegtheit und mit zutiefst christlichem Sinn zur Petersbasilika begeben, dann wünsche ich, daß auch Ihr Glaube gestärkt wird, Ihr Geist daraus Nutzen zieht und es Ihnen hilft, dem Leben in einer Haltung zu begegnen, die wahren Christen und reifen Bürgern würdig ist.

Auch das soeben vergangene Jahr war leider von Episoden der Gewalt und der Intoleranz geprägt. Oft waren in verschiedenen Teilen der Welt gerade die Christen Objekt von Repressalien und Anschlägen: Sie haben ihre Zugehörigkeit zu Christus und zur Kirche auch mit dem Leben bezahlt. In der Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar dieses Jahres habe ich die Bedeutung der Erziehung der jungen Generationen zur Gerechtigkeit und zum Frieden hervorgehoben.

Diese beiden Begriffe werden in unserer Welt oft gebraucht, aber oft in mißverständlicher Weise. Die Gerechtigkeit ist nicht eine bloße menschliche Vereinbarung; wenn im Namen einer angeblichen Gerechtigkeit die Kriterien der Nützlichkeit, des Profits und des Besitzes vorherrschen, kann man den Wert und die Würde der menschlichen Person auch mit Füßen treten (vgl. Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2012, 4; in O.R. dt., Nr. 51/52 vom 23.12.2011, S. 13). Die Gerechtigkeit ist in Wirklichkeit eine Tugend, die den menschlichen Willen ausrichtet, damit sie dem anderen gibt, was ihm aufgrund seines Seins und seines Wirkens zukommt (vgl. Enzyklika Caritas in veritate, 6). Ebenso besteht der Friede nicht einfach darin, daß kein Krieg ist, und er ist nicht nur das Ergebnis der menschlichen Anstrengung, ihn zu verhindern.

Er ist vor allem ein Geschenk Gottes, das mit Glauben erbeten werden muß und das in Jesus Christus den Weg findet, es zu erlangen. Der wahre Friede ist außerdem etwas, das täglich aufgebaut werden muß mit dem Beitrag des Mitgefühls, der Solidarität, der Brüderlichkeit und der Mitarbeit eines jeden Menschen (vgl. Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2012, 5; in O.R. dt., Nr. Nr. 51/52 vom 23.12.2011, S. 13). Er ist tief verbunden mit der – von der Wahrheit in der Liebe beseelten – Gerechtigkeit, die zu verwirklichen die Menschen in der Lage sind, von dem Umfeld ausgehend, in dem sie gewöhnlich leben: die Familie, die Arbeit, die freundschaftlichen Beziehungen.

Liebe Freunde, seien Sie als Sicherheitskräfte Ihrerseits stets wahre Förderer der Gerechtigkeit und aufrichtige Baumeister des Friedens. Wir bitten Maria, Königin des Friedens, daß sie durch ihre mütterliche Fürsprache unsere Vorhaben und unsere Tätigkeiten stützen möge. Ihr vertrauen wir das ganze Jahr 2012 an, auf daß es von allen im Zeichen der gegenseitigen Achtung und des Gemeinwohls gelebt werde, in dem Wunsch, daß kein Akt der Gewalt im Namen Gottes, des höchsten Garanten der Gerechtigkeit und des Friedens, verübt werde. Mit diesen Empfindungen spreche ich Ihnen erneut meinen Dank aus.

Ich rufe auf einen jeden von Ihnen und auf Ihre Arbeit die Fülle der himmlischen Gnaden herab und erteile gern einen besonderen Apostolischen Segen, in den ich von Herzen Ihre Familienangehörigen und die Ihnen nahestehenden Personen einschließe. Ein frohes neues Jahr für alle! Danke. Verzeiht meine schwache Stimme.

 

   



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