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PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
Sonntag, 2. Juli 2017

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In der heutigen Liturgie hören wir die letzten Worte der missionarischen Rede im zehnten Kapitel des Matthäusevangeliums (vgl. 10,37-42), mit der Jesus die zwölf Apostel in dem Augenblick unterweist, da er sie zum ersten Mal in die Dörfer Galiläas und Judäas in Mission aussendet. In diesem Schlussteil unterstreicht Jesus zwei für das Leben des missionarischen Jüngers wesentliche Aspekte: erstens, dass sein Band mit Jesus stärker ist als jedes andere Band; zweitens, dass der Missionar nicht sich selbst bringt, sondern Jesus und durch ihn die Liebe des Vaters im Himmel. Diese beiden Aspekte sind miteinander verbunden, denn je mehr Jesus im Mittelpunkt des Herzens und des Lebens des Jüngers steht, umso mehr lässt dieser Jünger seine Gegenwart »durchscheinen «. Diese beiden Dinge gehören zusammen.

»Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig…« (V. 37), sagt Jesus. Die Zuneigung eines Vaters, die Zärtlichkeit einer Mutter, die innige Freundschaft unter Geschwistern: all dies darf, obgleich es sehr gut und berechtigt ist, nicht Christus vorangestellt werden. Nicht weil er wollte, dass wir herzlos und undankbar sind, nein, im Gegenteil, sondern weil die Jüngerschaft eine vorrangige Beziehung zum Meister erfordert. Jeder Jünger, sei er Laie, Priester oder ein Bischof: die vorrangige Beziehung. Vielleicht lautet die erste Frage, die wir einem Christen stellen müssen: »Nun, triffst du dich mit Jesus? Betest du zu Jesus?« Die Beziehung. Man könnte gleichsam das Buch Genesis paraphrasieren: Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an Jesus Christus binden, und die beiden werden eins sein (vgl. Gen 2,24).

Wer sich von diesem Bund der Liebe und des Lebens mit Jesus, dem Herrn, anziehen lässt, wird zu einem seiner Vertreter, zu einem seiner »Botschafter«, vor allem durch die Weise, wie er ist und lebt. Was so weit geht, dass Jesus selbst, als er die Jünger in Mission aussendet, zu ihnen sagt: »Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat« (Mt 10,40). Es ist notwendig, dass die Leute wahrnehmen können, dass für jenen Jünger Jesus wirklich »der Herr« ist, dass er wirklich der Mittelpunkt seines Lebens, die Gesamtheit seines Lebens ist. Es ist nicht wichtig, ob er dann wie jeder Mensch seine Grenzen und auch Fehler hat – solange er die Demut aufbringt, sie anzuerkennen. Das Wichtige ist, dass er kein gespaltenes Herz hat – und das ist gefährlich. Ich bin Christ, ich bin ein Jünger Jesu, ich bin Priester, ich bin Bischof, aber ich habe ein gespaltenes Herz. Nein, das geht nicht. Er darf kein gespaltenes Herz haben, sondern ein einfaches, vereintes Herz; er darf die Füße nicht in zwei Paar Schuhen haben, sondern muss ehrlich mit sich selbst und mit den anderen sein. Die Doppelzüngigkeit ist nicht christlich. Aus diesem Grund bittet Jesus den Vater, dass die Jünger nicht dem Geist der Welt verfallen mögen. Entweder du bist mit Jesus, mit dem Geist Jesu, oder du bist mit dem Geist der Welt.

Und hier lehrt uns unsere Erfahrung als Priester etwas sehr Schönes, etwas sehr Wichtiges: es ist gerade diese Aufnahme durch das heilige und treue Volk Gottes, es ist gerade jener mit zuneigungsvollem Glauben gereichte »Becher frisches Wasser« (V. 42), von dem der Herr heute im Evangelium spricht, der dir hilft, ein guter Priester zu sein! Es ist da auch in der Mission eine Gegenseitigkeit gegeben: Wenn du alles für Jesus verlässt, erkennen die Leute in dir den Herrn, doch gleichzeitig helfen sie dir, jeden Tag zu ihm umzukehren, dich zu erneuern und von den Kompromissen zu reinigen und die Versuchungen zu überwinden. Je näher ein Priester dem Volk Gottes steht, desto näher wird er sich Jesus fühlen, und je näher ein Priester Jesus steht, desto näher wird er sich dem Volk Gottes fühlen.

Die Jungfrau Maria hat an sich erfahren, was es bedeutet, Jesus zu lieben und dabei von sich selbst abzusehen und so den Familienbanden einen neuen Sinn zu geben, angefangen beim Glauben an Ihn. Mit ihrer mütterlichen Fürsprache helfe sie uns, freie und frohe Missionare des Evangeliums zu sein.


Nach dem Angelusgebet:

Liebe Brüder und Schwestern, am 5. Juli wird das Fest der Unabhängigkeit Venezuelas begangen. Ich versichere diese geliebte Nation meines Gebets und bringe den Familien meine Nähe zum Ausdruck, die ihre Kinder bei den Demonstrationen verloren haben. Ich rufe dazu auf, der Gewalt ein Ende zu setzen und eine friedliche und demokratische Lösung für die Krise zu finden.

Unsere Liebe Frau von Coromoto lege für Venezuela Fürbitte ein! Und wir alle wollen für Venezuela zu Unserer Lieben Frau von Coromoto beten: »Gegrüßt seist du, Maria…« Ich richte meinen Gruß an euch alle, an die Römer und die Pilger, ich grüße besonders die irischen Gläubigen aus Belfast sowie die Jugendlichen aus Schattdorf (Schweiz), die vor kurzem das Sakrament der Firmung empfangen haben.

Ich grüße die verschiedenen Pfarrgruppen und die unterschiedlichen Vereinigungen sowie die Teilnehmer an der Motorrad-Wallfahrt aus Cardito (Neapel). Allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

 



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