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PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
Sonntag, 19. August 2018

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Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Der Abschnitt aus dem Evangelium des heutigen Sonntags (vgl. Joh 6,51-58) führt uns in den zweiten Teil der Rede ein, die Jesus in der Synagoge von Kafarnaum hielt, nachdem er eine große Menschenmenge mit fünf Broten und zwei Fischen gespeist hatte: die Brotvermehrung. Er bezeichnet sich selbst als »das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist« (V. 51), das Brot, das ewiges Leben schenkt, und fügt hinzu: »Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt« (V. 51). Dieser Abschnitt ist entscheidend: In der Tat provoziert er die Reaktion der Zuhörer, die miteinander zu streiten beginnen: »Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?« (V. 52). Während das Zeichen des miteinander geteilten Brotes zu seiner wahren Bedeutung führt – der Selbsthingabe bis hin zum Opfer – kommt es zu Unverständnis, kommt es sogar zur Ablehnung dessen, den man noch kurz zuvor im Triumph tragen wollte. Erinnern wir uns, dass Jesus sich verstecken musste, weil sie ihn zum König machen wollten.

Weiter sagt Jesus: »Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch« (V. 53). Hier erscheint zusammen mit dem Fleisch auch das Blut. Fleisch und Blut bringen im biblischen Sprachgebrauch die konkrete Menschheit zum Ausdruck. Die Menschen und auch die Jünger verstehen, dass Jesus sie einlädt, mit ihm in Gemeinschaft zu treten, ihn, seine Menschheit zu »essen«, um mit ihm das Geschenk des Lebens für die Welt zu teilen. Von wegen Triumphe und Illusionen des Erfolgs! Es ist das Opfer Jesu, der sich selbst für uns hingibt. Dieses Brot des Lebens, das Sakrament des Leibes und des Blutes Christi, wird uns am Tisch der Eucharistie unentgeltlich geschenkt. Am Altar finden wir das, was uns geistlich heute und für die Ewigkeit speist und tränkt. Immer wenn wir an der heiligen Messe teilnehmen, nehmen wir gewissermaßen den Himmel auf der Erde vorweg,

denn von der eucharistischen Speise, dem Leib und dem Blut Jesu, lernen wir, was das ewige Leben ist. Es heißt, für den Herrn zu leben: »So wird jeder, der mich isst, durch mich leben« (V. 57), sagt der Herr. Die Eucharistie formt uns, weil wir nicht nur für uns selbst, sondern für den Herrn und für die Brüder und Schwestern leben. Das Glück und die Ewigkeit des Lebens hängen von unserer Fähigkeit ab, die Liebe, die dem Evangelium entspricht und die wir in der Eucharistie empfangen, fruchtbar zu machen. Wie damals sagt Jesus auch heute erneut zu einem jeden von uns: »Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch« (V. 53).

Brüder und Schwestern, es handelt sich nicht um eine materielle Speise, sondern um ein lebendiges und Leben spendendes Brot, das Gottes Leben vermittelt. Wenn wir die Kommunion empfangen, empfangen wir das Leben Gottes. Um dieses Leben zu haben, ist es notwendig, sich vom Evangelium und von der Liebe zu den Brüdern und Schwestern zu nähren. Angesichts der Einladung Jesu, uns an seinem Leib und Blut zu nähren, könnten wir das Bedürfnis verspüren, zu streiten und Widerstand zu leisten, wie es die Zuhörer, von denen im heutigen Evangelium die Rede ist, getan haben.

Dies geschieht, wenn wir uns schwertun, unser Dasein nach dem Dasein Jesu auszurichten, nach seinen Maßstäben und nicht nach den Maßstäben der Welt zu handeln. Wenn wir uns an dieser Speise nähren, können wir in völlige Harmonie mit Christus, mit seinen Empfindungen, mit seinem Verhalten treten. Das ist sehr wichtig: zur Messe zu gehen und die Kommunion zu empfangen, denn die Kommunion empfangen bedeutet, den lebendigen Christus zu empfangen, der uns in unserem Innern verwandelt und uns für den Himmel bereitmacht. Möge die Jungfrau Maria unseren Vorsatz stützen, in Gemeinschaft mit Jesus Christus zu sein, indem wir uns an seiner Eucharistie nähren, um unsererseits zum gebrochenen Brot für unsere Brüder und Schwestern zu werden.


Nach dem Angelusgebet:

Liebe Brüder und Schwestern!

Liebe Brüder und Schwestern, in den letzten Tagen wurden die Einwohner von Kerala (Indien) von extrem starken Regenfällen heimgesucht, die Überschwemmungen und Erdrutsche verursacht und zu schweren Verlusten von Menschenleben, zahlreichen Vermissten und Vertriebenen sowie umfangreichen Schäden in der Landwirtschaft und an den Häusern geführt haben. Diesen Brüdern und Schwestern darf es nicht an unserer Solidarität und an der konkreten Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft mangeln.

Ich bin der Kirche in Kerala nahe, die an vorderster Front steht, um der Bevölkerung Hilfe zu leisten. Auch wir alle stehen der Kirche in Kerala nahe und beten gemeinsam für alle, die ums Leben gekommen sind, sowie für all die Menschen, die unter dieser großen Naturkatastrophe leiden. Lasst uns gemeinsam in Stille beten: »Gegrüßet seist du, Maria…«

Herzlich grüße ich euch alle, die Pilger aus Italien und aus verschiedenen anderen Ländern. Insbesondere begrüße ich die Jugendlichen aus der Ukraine und ermutige sie, zu Trägern des Friedens und der Versöhnung zu werden. Ich begrüße die neuen Seminaristen zusammen mit den Oberen des »North American College« in Rom, ebenso wie auch die Jugendlichen und die jungen Erwachsenen aus dem Bistum Verona. Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

 



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