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PAPST FRANZISKUS

GENERALAUDIENZ

Audienzhalle
Mittwoch, 30. Januar 2019

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Apostolische Reise nach Panama

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute möchte ich mit euch über die Apostolische Reise nach Panama sprechen, die ich in den vergangenen Tagen durchgeführt habe. Ich lade euch ein, zusammen mit mir dem Herrn für diese Gnade zu danken, die er der Kirche und dem Volk jenes geliebten Landes gewährt hat. Ich danke dem Herrn Staatspräsidenten von Panama und den anderen Autoritäten, den Bischöfen; und ich danke allen ehrenamtlichen Helfern – es waren viele – für ihre herzliche und familiäre Aufnahme. Dasselbe haben wir bei den Menschen gesehen, die überall herbeigeströmt sind, um uns mit großem Glauben und Begeisterung zu begrüßen.

Eines hat mich sehr beeindruckt: Die Menschen haben die Kinder auf dem Arm in die Höhe gehoben. Wenn das Papamobil vorüberfuhr, kamen alle mit den Kindern. Sie hoben sie in die Höhe, als wollten sie sagen: »Das ist mein Stolz, das ist meine Zukunft!« Und sie zeigten die Kinder. Aber es waren viele! Und die Väter oder Mütter waren stolz auf jenes Kind. Ich habe gedacht: Wie viel Würde liegt in dieser Geste, und wie vielsagend ist sie für den demographischen Winter, den wir in Europa erleben! Der Stolz jener Familie sind die Kinder. Die Sicherheit für die Zukunft sind die Kinder. Der demographische Winter, ohne Kinder, ist hart!

Der Grund für diese Reise war der Weltjugendtag, aber dennoch haben sich an die Begegnungen mit den Jugendlichen weitere Begegnungen mit den Wirklichkeiten des Landes geknüpft: mit den Autoritäten, den Bischöfen, den jugendlichen Straftätern, den geweihten Personen und einem Sozialzentrum. Alles war gleichsam »angesteckt « und »vermengt« mit der freudigen Gegenwart der Jugendlichen: ein Fest für sie und ein Fest für Panama und auch für ganz Zentralamerika, das von vielen Dramen geprägt ist und Hoffnung und Frieden braucht, und auch Gerechtigkeit.

Diesem Weltjugendtag ging die Begegnung der Jugendlichen der indigenen Völker und der afroamerikanischen Jugendlichen voraus. Eine schöne Geste: Sie hatten eine fünftätige Begegnung, die indigenen Jugendlichen und die Jugendlichen afrikanischer Abstammung. Es gibt viele in jener Region. Sie haben die Tür zum Weltjugendtag geöffnet. Und das ist eine wichtige Initiative, die das vielfältige Gesicht der Kirche in Lateinamerika noch besser zum Vorschein gebracht hat: Lateinamerika ist das Land der Mestizen. Dann, mit der Ankunft der Gruppen aus aller Welt, hat sich die große Symphonie der Gesichter und der Sprachen gebildet, die typisch ist für dieses Ereignis. All die Flaggen gemeinsam vorbeiziehen zu sehen, sie in den Händen der mit Freude erfüllten Jugendlichen tanzen zu sehen ist ein prophetisches Zeichen, ein Zeichen, das gegen den Strom der traurigen heutigen Tendenz zu konfliktreichen Nationalismen geht, die Mauern errichten und sich der Universalität, der Begegnung zwischen den Völkern verschließen. Es ist ein Zeichen, dass die jungen Christen in der Welt Sauerteig des Friedens sind.

Dieser Weltjugendtag hatte eine starke marianische Prägung, denn sein Thema waren die Worte, die die Jungfrau Maria zum Engel gesprochen hat: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk 1,38). Es war beeindruckend, diese Worte aus dem Mund der Vertreter der Jugendlichen der fünf Kontinente zu hören und vor allem, sie auf ihren Gesichtern durchscheinen zu sehen. Solange es neue Generationen geben wird, die in der Lage sind, zum Herrn zu sagen: »Siehe, da bin ich«, wird es Zukunft geben in der Welt.

Zu den Etappen des Weltjugendtags gehört immer der Kreuzweg. Mit Maria hinter Jesus hergehen, der das Kreuz trägt, ist die Schule des christlichen Lebens: Dort lernt man die geduldige, stille, konkrete Liebe. Ich sage euch etwas im Vertrauen: Ich bete sehr gerne den Kreuzweg, weil es bedeutet, mit Maria Jesus nachzufolgen. Und um das in jedem Augenblick tun zu können, trage ich immer einen Kreuzweg im Taschenformat bei mir, den mir eine sehr apostolische Person in Buenos Aires geschenkt hat. Und wenn ich Zeit habe, nehme ich den Kreuzweg und folge ihm. Betet auch ihr den Kreuzweg, denn es bedeutet, Jesus mit Maria auf dem Weg des Kreuzes nachzufolgen, wo er das Leben für uns, für unsere Erlösung hingegeben hat. Im Kreuzweg lernt man geduldige, stille und konkrete Liebe. In Panama haben die Jugendlichen mit Jesus und Maria die Last der Lebensumstände vieler leidender Brüder und Schwestern in Mittelamerika und in der ganzen Welt getragen. Darunter sind viele junge Opfer verschiedener Formen der Sklaverei und der Armut. Und in diesem Sinne waren sehr bedeutsame Augenblicke die Bußliturgie, die ich in einer Besserungsanstalt für Jugendliche gefeiert habe, und der Besuch im Sozialzentrum »Casa Hogar del Buen Samaritano«, das Menschen aufnimmt, die mit HIV/Aids infiziert sind.

Höhepunkt des Weltjugendtages und der Reise waren die Gebetsvigil und die Messe mit den Jugendlichen. In der Gebetsvigil – auf jenem Feld voller Jugendlicher, die die Vigil gefeiert, dort geschlafen und um acht Uhr an der Messe teilgenommen haben –, in der Gebetsvigil ist der lebendige Dialog mit allen Jungen und Mädchen erneuert worden, die begeistert waren und auch fähig, still zu sein und zuzuhören. Sie gingen von der Begeisterung über zum Hören und zum stillen Gebet. Ihnen habe ich Maria vor Augen gestellt als jene, die in ihrer Kleinheit mehr »Einfluss« auf die Weltgeschichte genommen hat als jeder andere: Wir haben sie die »Influencerin Gottes« genannt. In ihrem »fiat« haben sich die schönen und starken Zeugnisse einiger Jugendlicher widergespiegelt. Am Sonntagmorgen, in der großen Eucharistiefeier zum Abschluss, hat der auferstandene Christus in der Kraft des Heiligen Geistes erneut zu den Jugendlichen der Welt gesprochen und sie aufgerufen, das Evangelium im Heute zu leben, denn die Jugendlichen sind nicht das Morgen; nein, sie sind das »Heute« für das

»Morgen«. Sie sind nicht eine »Zwischenzeit«, sondern sie sind das Heute, das Jetzt der Kirche und der Welt. Und ich habe an die Verantwortung der Erwachsenen appelliert, dass es den Jugendlichen nicht an Unterweisung, Arbeit, Gemeinschaft und Familie mangeln möge. Das ist der Schlüssel in diesem Augenblick in der Welt, denn an diesen Dingen mangelt es. Unterweisung, also Bildung. Arbeit: Wie viele junge Menschen haben keine. Gemeinschaft: Sie müssen sich aufgenommen fühlen, in der Familie, in der Gesellschaft.

Die Begegnung mit allen Bischöfen von Zentralamerika war für mich ein Augenblick besonderen Trostes. Gemeinsam haben wir uns unterweisen lassen vom Zeugnis des heiligen Bischofs Óscar Romero, um das »Fühlen mit der Kirche« – das war sein Bischofsmotto – immer besser zu lernen, in der Nähe zu den Jugendlichen, den Armen, den Priestern, zum heiligen gläubigen Gottesvolk.

Und einen starken symbolischen Wert hatte die Weihe des Altars der restaurierten Kathedrale »Santa María La Antigua« in Panama-Stadt. Sie war sieben Jahre wegen Restaurierung geschlossen. Ein Zeichen neu entdeckter Schönheit, zur Ehre Gottes und für den Glauben und zum Fest seines Volkes. Das Chrisam, das den Altar weiht, ist dasselbe wie das, welches die Getauften, die Gefirmten, die Priester und die Bischöfe salbt. Möge die Familie der Kirche in Panama und in der ganzen Welt aus dem Heiligen Geist immer neue Fruchtbarkeit schöpfen, damit die Pilgerreise der jungen missionarischen Jünger Jesu Christi fortgesetzt wird und sich in der Welt verbreitet.

* * *

Mit Freude heiße ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache willkommen. Besonders grüße ich die vielen Jugendlichen bei dieser Audienz. Der Herr ruft uns, das Evangelium im Heute zu leben. Die Jungfrau Maria helfe uns, unser „Ja zu sagen, um Gott und seine Hoffnung zu unseren Mitmenschen zu bringen. Schönen Aufenthalt in Rom. Von Herzen segne ich euch alle.

 

 



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