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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

Der Friede ist ein Geschenk Gottes

 Donnerstag, 4. April 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 15/16, 12. April 2013

 

Vatikanstadt. Der Friede kann nicht gekauft oder verkauft werden: Er ist ein Geschenk Gottes. Und wir müssen um ihn bitten. Daran erinnerte Papst Franziskus am Donnerstag Vormittag, 4. April, als er über das »Staunen« der Emmaus-Jünger angesichts der Wunder Jesu sprach. Der Anlass hierzu war der Kommentar der Bibelstelle aus dem Lukasevangelium (24,35–48), die heute früh im Verlauf der üblichen Morgenmesse in der Kapelle des Gästehauses »Domus Sanctae Marthae« in Gegenwart von Vatikanangestellten, darunter ca. fünfzig Verantwortliche und Angestellte der Vatikandruckerei, verlesen wurde.

»Die Jünger waren Zeugen der Heilung des Lahmen und jetzt sehen sie Jesus«, sagte der Papst, »sie sind ein bisschen außer sich, aber nicht etwa, weil sie geisteskrank gewesen wären: sie sind außer sich vor lauter Staunen.« Aber was ist das für ein Staunen? Der Papst sagte: »Es ist etwas, das dafür sorgt, dass wir ein wenig außer uns sind vor lauter Freude: eine große, eine übergroße Freude. Das ist kein bloßer Enthusiasmus: auch die Fußballfans im Stadion sind begeistert, wenn ihre Mannschaft gewinnt, nicht wahr? Nein, es ist kein Enthusiasmus, es ist etwas sehr viel Tieferes: es ist das Staunen, das uns überkommt, wenn wir Jesus begegnen.«

»Dieses Staunen«, so der Papst, »ist der Anfang des normalen Zustands eines Christen«. Gewiss, so hob er hervor, wir können keineswegs immer im Zustand des Staunens leben, aber dieser ist der Ausgangspunkt, der »Spuren in der Seele hinterlässt, und geistlichen Trost spendet«. Ja, der Seinszustand des Christen sollte der des geistlichen Trostes sein, trotz aller Probleme, Schmerzen und Krankheiten. »Die letzte Stufe der Tröstung«, so der Papst, »ist der Frieden: man fängt mit dem Staunen an, und die zweite Stimme dieses Staunens, dieses Trostes ist der Friede.« Selbst in den allerschmerzlichsten Prüfungen verliert der Christ nie »den Frieden und die Gegenwart Jesu«, und mit »ein wenig Mut können wir zum Herrn sagen: ›Herr, gewähre mir diese Gnade, die ein Merkmal der Begegnung mit Dir ist: den geistlichen Trost‹«. Vor allem aber, so betonte er, dürfen wir »nie den Frieden verlieren«. Wir schauen zum Herrn auf, der »am Kreuz so sehr gelitten hat, aber er hat doch den Frieden nicht verloren.

Dieser Friede ist der unsere: er kann weder verkauft noch erkauft werden«. Er ist ein Geschenk Gottes, um das wir bitten müssen. Der Friede ist so etwas wie »die letzte Stufe dieses geistlichen Trostes, der mit dem freudigen Staunen beginnt«. Deshalb dürfen wir uns nicht »durch unsere oder anderer Leute Phantasien täuschen lassen, die uns dazu bringen, zu glauben, dass diese Phantasien

Wirklichkeit wären«. Tatsächlich ist es christlicher, »zu glauben, dass die Wirklichkeit so schön gar nicht sein könne«. Der Papst schloss mit der Bitte um die Gnade des geistlichen Trostes und des Friedens, der »mit diesem freudigen Staunen in der Begegnung mit Jesus Christus beginnt «. Der Heilige Vater zelebrierte unter anderem zusammen mit den Salesianern Don Sergio Pellini, Generaldirektor der Vatikandruckerei und des Osservatore Romano, und Don Marek Kaczmarczyk, dem Kaufmännischen Direktor. Anwesend waren auch der Technische Direktor Domenico Nguyen Duc Nam sowie Antonio Maggiotto und Giuseppe Canesso.

 


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