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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

Für eine Gemeinschaft, die offen ist für die Werte des Geistes

Samstag, 27. April 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 18, 3. Mai 2013

 

Für eine Gemeinschaft, die offen ist für die Werte des Geistes Die einen nehmen das Leid auf sich und halten dabei die Freude lebendig, die aus dem Heiligen Geist kommt, wie es zum Beispiel die auch heute noch in vielen Teilen der Welt verfolgten Christen tun. Andere dagegen »benutzen Geld, um sich Vorteile zu erkaufen « und zu verhandeln, oder sie bedienen sich »der Verleumdung, um andere herabzusetzen und Hilfe bei den Mächtigen der Erde zu suchen«. Dabei verhöhnen sie zuweilen auch diejenigen, die sich bemühen, sogar ihr Leid in der christlichen Freude zu leben.

Über diesen Gegensatz dachte Papst Franziskus am Samstag Morgen, 27. April, in der Predigt der heiligen Messe nach, die er wie gewohnt in der »Domus Sanctae Marthae« feierte. Unter den Konzelebranten waren Erzbischof Mario Zenari, Apostolischer Nuntius in Syrien, und der Bischof von Porec i Pula in Kroatien, Drazen Kutlesa. An der Messe nahmen unter anderen das Personal der Vatikanpost und eine Gruppe freiwilliger Helfer des pädiatrischen Zentrums »Santa Marta« im Vatikan teil.

Der Papst konzentrierte sich in seiner Predigt insbesondere auf den Text aus der Apostelgeschichte (13,44–52), der von den Auseinandersetzungen zwischen zwei religiösen Gemeinschaften berichtet: der der Jünger und der der »verschlossenen Juden«, wie der Papst sie nannte, »denn nicht alle Juden waren so«. In der Gemeinschaft der Jünger, so erklärte er, sei das Gebot Jesu umgesetzt worden –»Geht und verkündet« – und deshalb habe man gepredigt und fast die gesamte Stadt habe sich versammelt, um das Wort des Herrn zu hören. Und unter den Menschen habe sich eine Atmosphäre der Freude verbreitet, »es schien, als könnte sie nie besiegt werden«. Als die Juden so viel Freude sahen, »wurden sie eifersüchtig und begannen jene Menschen zu verfolgen«, die »nicht schlecht waren, es waren gute Menschen, die eine religiöse Haltung hatten «.

»Warum haben sie das getan?«, fragte Papst Franziskus. Sie hätten das getan, »weil ihr Herz verschlossen war, sie waren nicht offen für die Neuheit des Heiligen Geistes. Sie glaubten, dass alles schon gesagt worden wäre, dass alles so sei, wie sie dachten, dass es sein müsse, und deshalb fühlten sie sich als Verteidiger des Glaubens. Sie begannen den Aposteln zu widersprechen, sie zu verleumden.« Das sei eine Haltung, der man im Lauf der Geschichte begegne. Es sei ein Merkmal von »in sich selbst verschlossenen Gruppen« mit »der Macht zu verhandeln « und »die Fragen ›unter uns‹ zu lösen. So wie es diejenigen getan haben, die am Morgen der Auferstehung – als die Soldaten zu ihnen kamen und gesagt haben: ›Wir haben das und das gesehen‹ – diesen gedroht haben: ›Seid still! Nehmt…‹, und mit dem Geld haben sie alles vertuscht. Das ist genau jene Haltung einer verschlossenen Religiosität, die nicht die Freiheit hat, sich dem Herrn zu öffnen.« In ihrem öffentlichen Leben wählen sie, »um immer die Wahrheit zu wählen, weil sie glauben, die Wahrheit zu verteidigen «, »die Verleumdung, den Klatsch. Sie sind wirklich klatschsüchtige Gemeinschaften, die schlecht über den Nächsten reden, ihn zerstören« und nur an sich selbst denken, als wären sie durch eine Mauer geschützt. Der Papst wies darauf hin: »Eine freie Gemeinschaft hingegen, die die Freiheit Gottes und des Heiligen Geistes hat, machte weiter. Auch unter Verfolgungen.

Und das Wort des Herrn breitete sich in der ganzen Gegend aus. Es ist eine Eigenschaft der Gemeinschaft des Herrn, weiterzumachen, sich zu verbreiten, denn so ist das Wesen des Guten: es breitet sich immer aus! Das Gute beugt sich nicht. Das ist ein Kriterium, ein Kriterium der Kirche. Auch für unsere Gewissensprüfung: Wie sind unsere Gemeinschaften, die religiösen Gemeinschaften, die Gemeinschaften der Pfarrgemeinden? Sind es Gemeinschaften, die offen sind für den Heiligen Geist, der uns immer voran trägt, um das Wort Gottes zu verbreiten, oder sind es geschlossene Gemeinschaften?«

Die Verfolgung, fügte der Papst hinzu, beginnt aus religiösen Gründen, aus Eifersucht, aber auch deswegen, wie man redet: »Die Gemeinschaft der Gläubigen, die freie Gemeinschaft des Heiligen Geistes, spricht voller Freude. Die Jünger waren voll der Freude des Heiligen Geistes. Sie sprechen mit der Schönheit, öffnen neue Wege: immer voran, nicht wahr? Eine geschlossene Gemeinschaft hingegen, die von sich selbst überzeugt ist, diese Gesellschaft sucht Sicherheit gerade in Absprachen mit den Machthabern, im Geld, spricht in beleidigenden Worten: sie beleidigen, verurteilen«.

Und um auf die Lieblosigkeit in den sogenannten geschlossenen Gemeinschaften aufmerksam zu machen, äußerte Papst Franziskus den Zweifel, dass diese Leute »vielleicht die Zärtlichkeiten ihrer Mütter vergessen haben, als sie klein waren. Diese Gemeinschaften kennen keine Zärtlichkeiten: sie kennen die Pflicht, das Handeln, schließen sich ein in eine äußerliche Observanz. Jesus hatte zu ihnen gesagt: Ihr seid wie ein Grab, wie ein Grabmal: weiß und wunderschön, aber nichts weiter«. Wir denken heute an die so schöne Kirche. Diese Kirche, die vorangeht. Wir denken an die unzähligen Brüder, die in diesem Augenblick in vielen Teilen der Welt für diese Freiheit des Geistes leiden und Verfolgung erleben. Aber auch im Leiden sind diese Brüder voller Freude und voll des Heiligen Geistes. Diese Brüder, diese offenen missionarischen Gemeinschaften beten zu Jesus, weil sie wissen, dass es wahr ist, was er gesagt hat und was wir eben gehört haben: »Was ihr auch immer in meinem Namen erbittet, werde ich gewähren.« Das Gebet ist Jesus. Die geschlossenen Gemeinschaften betteln die Mächtigen der Erde um ihre Hilfe an. Und das ist kein guter Weg. Schauen wir auf Jesus, der uns aussendet, um das Evangelium zu verbreiten und seinen Namen freudig, voller Freude zu verkündigen.

Wir haben keine Angst vor der Freude des Geistes. Und wir werden uns niemals, nie in diese Dinge einmischen, die uns langfristig dazu bringen, uns in uns selbst zu verschließen. In solch einer Abschottung gibt es weder Fruchtbarkeit noch Freiheit des Geistes.

 


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