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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Das Vorbild des hl. Johannes, Stimme des göttlichen Wortes

    Montag, 24. Juni 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 27, 5. Juli 2013

 

Eine Kirche nach dem Vorbild des hl. Johannes d. Täufers, die »existiert, um ein Wort zu verkünden, Stimme eines Wortes zu sein, des Wortes ihres Bräutigams, der das Wort ist« und um »dieses Wort zu verkünden bis hin zum Martyrium« durch die Hand der »Hochmütigsten der Erde«. Davon sprach Papst Franziskus in der heiligen Messe in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae am 24. Juni morgens, dem Hochfest der Geburt Johannes des Täufers, den die Kirche als »Größten unter allen Menschen « verehrt (vgl. Mt 11,11; Lk 7,28). Mit dem Papst konzelebrierte u.a. Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Rats für die Kultur und der Päpstlichen Kommission für sakrale Archäologie, der einige Beamte und Mitarbeiter beider Einrichtungen begleitete. Unter den Anwesenden war auch eine Gruppe aus dem Büro für Philatelie und Numismatik des Governatorats des Staates der Vatikanstadt.

Die Gedanken des Papstes konzentrierten sich auf die Parallele zwischen Johannes d. Täufer und der Kirche, denn »die Kirche hat etwas von Johannes«, obwohl es schwierig sei, seine Gestalt zu beschreiben. Im Übrigen »sagt Jesus, dass er der Größte unter allen Menschen« sei; wenn wir dann aber »sehen, was er tut« und »wir an sein Leben denken«, dann merken wir, dass »er ein Prophet ist, der vorüber geht, ein Mann, der groß war«, bevor er ein tragisches Ende nahm. Daher lud Franziskus ein, sich zu fragen, wer Johannes wirklich sei und ihm dabei selbst das Wort zu überlassen. »Als die Schriftgelehrten und Pharisäer zu ihm kommen, damit er ihnen genauer erkläre, wer er sei«, gebe er die klare Antwort: »Ich bin nicht der Messias. Ich bin eine Stimme, eine Stimme in der Wüste.« Folglich sei das erste, was man verstehe, dies: dass »die Wüste « seine Gesprächspartner sind; Leute mit »einem solchen Herzen, ohne nichts«, nannte sie der Papst. Während Johannes »eine Stimme ist, eine Stimme ohne Wort, denn das Wort ist nicht er, sondern ein anderer. Er ist derjenige der spricht, aber nicht aus sich; derjenige, der über einen anderen predigt, der nach ihm kommen wird.« In all dem, so Franziskus, liegt »das Geheimnis von Johannes«, der »sich nie des Wortes  bemächtigt; das Wort ist ein anderer. Und Johannes ist derjenige, der hinweist, der lehrt.« Dabei gebrauche er die Begriffe: »nach mir… ich bin nicht der, für den ihr mich haltet; nach mir kommt einer, dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.« »Das Wort also gibt es nicht«, es gebe dagegen »eine Stimme, die auf einen anderen hinweist«. Der ganze Sinn seines Lebens »ist, auf einen anderen hinzuweisen«.

Weiter erwähnte der Papst in seiner Predigt, dass die Kirche für das Fest des hl. Johannes »die längsten Tage des Jahres« gewählt habe, »die Tage, die am meisten Licht haben, weil Johannes in der Finsternis jener Zeit der Mann des Lichtes gewesen ist: nicht eines eigenen Lichtes, sondern eines reflektierten Lichtes. So wie ein Mond. Und als Jesus zu predigen beginnt«, da beginnt das Licht des Johannes schwächer zu werden, »weniger zu werden, unterzugehen«. Er selbst sage dies ganz klar, wenn er von seiner Sendung spreche: »Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.«

Insgesamt also: »Stimme, nicht Wort; Licht, aber nicht das eigene, und so scheint Johannes nichts zu sein«. Damit werde »die Berufung« des Täufers offenbart: »sich entäußern. Und wenn wir das Leben dieses großen Mannes betrachten – alle dachten, er sei der Messias –, wenn wir betrachten, wie dieses Leben sich entäußert bis hinein in das Dunkel eines Kerkers, dann betrachten wir ein unermessliches Geheimnis.« Denn wir »wissen nicht, wie seine letzten Tage waren«. Es sei nur bekannt, dass er getötet worden sei und sein Kopf »auf einer Schale« geendet habe, als »großes Geschenk einer Tänzerin an eine Ehebrecherin. Ich glaube, dass man nicht mehr weiter unten landen kann, sich erniedrigen, entäußern.« Allerdings wisse man, was vorher geschehen sei, in der Zeit im Kerker: wir kennen »jene Zweifel, jene Angst, die er hatte«. Das ging so weit, dass er seine Jünger habe rufen lassen, »um dem Wort die Frage zu stellen: Bist du es, oder müssen wir auf einen anderen warten?« Denn ihm seien nicht einmal »das Dunkel, der Schmerz über sein Leben« erspart geblieben«: Hat mein Leben einen Sinn oder habe ich mich geirrt?

Der Papst wies darauf hin, dass der Täufer hätte stolz sein können, er hätte sich wichtig fühlen können, aber das habe er nicht getan: er habe »nur hingewiesen, er fühlte sich als Stimme und nicht als Wort«. Das ist für Franziskus das »Geheimnis von Johannes«. Er »wollte kein Ideologe sein«. Er sei ein »Mann gewesen, der sich selbst verleugnet habe, damit das Wort« wachsen könne. Das sei auch die Aktualität seiner Lehre: »Wir als Kirche können heute um die Gnade bitten «, forderte der Heilige Vater auf, »dass wir keine ideologisierte Kirche werden« um dagegen allein »Dei Verbum religiose audiens et fidenter proclamans« zu sein, womit der Papst den Beginn der Konzilskonstitution über die göttliche Offenbarung zitierte. Eine Kirche, die »das Wort Jesu voll Ehrfurcht hört und es mutig verkündet«; eine »Kirche ohne Ideologien, ohne eigenes Leben«; eine »Kirche, die mysterium lunae ist, die ihr Licht von ihrem Bräutigam empfängt« und die ihr eigenes Licht schwächer werden lassen müsse, damit das hell erstrahlende Licht das Licht Christi sei. Papst Franziskus ist überzeugt: »Das Vorbild, das uns Johannes heute vor Augen stellt«, ist das »einer Kirche, die immer im Dienst des Wortes steht; einer Kirche, die niemals etwas für sich selbst nimmt«. Und weil im Tagesgebet und in den Fürbitten um »die Gnade der Freude« gebetet und an den Herrn die Bitte gerichtet worden war, »die Kirche zu erfreuen in ihrem Dienst am Wort, Stimme dieses Wortes zu sein, dieses Wort zu verkünden «, forderte der Papst dazu auf, um die Gnade zu bitten, »Johannes nachzuahmen: ohne eigene Ideen, ohne ein Evangelium, dessen man sich als Eigentum bemächtigt hat«, um »Kirche zu sein als Stimme, die auf das Wort hinweist, bis zum Martyrium«.




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