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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Ein mutiges Gebet zum Herzen des Herrn

 Montag, 1. Juli 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 27, 5. Juli 2013

 

Um etwas von Gott gewährt zu bekommen, müsse man den Mut haben, mit ihm in einem dringlichen und überzeugten Gebet, das aus wenigen Worten besteht, »zu verhandeln«. Papst Franziskus ist damit wieder darauf zurückgekommen, über den Mut zu sprechen, der das »mit aller erdenklichen Vertrautheit« an den Vater gerichtete Gebet unterstützen solle. Und als Beispiel hierfür führte er das Gebet Abrahams an, dessen Art und Weise, mit Gott geradeso zu reden, als wäre er im Begriff, mit einem anderen Menschen zu verhandeln. Der Papst forderte die Teilnehmer an der Messe, die er am Montag früh, 1. Juli, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte, dazu auf, eben hierüber nachzudenken. Unter den Anwesenden befanden sich Beamte und Angestellte des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, die begleitet wurden von ihrem Präsidenten, Kardinal Kurt Koch, der mit dem Papst konzelebrierte.

Die biblische Geschichte, auf die sich der Papst bezog, stammt aus dem Buch Genesis (18,16–33), wo von dem mutigen Eintreten Abrahams berichtet wird, der den Tod der Gerechten bei der Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra vermeiden will, ein gutes Beispiel für die Vertrautheit und Ehrerbietung Gott gegenüber. Abraham wende sich so an Gott, wie er sich an jeden beliebigen Menschen wende, er lege das Problem dar und insistiere: »Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt? Und wenn sich vierzig fänden … dreißig … zwanzig … zehn?« Der Papst erinnerte daran, dass Abraham bereits über hundert Jahre alt gewesen sei. Er habe seit ungefähr fünfundzwanzig Jahren mit dem Herrn gesprochen und in ihm sei eine gründliche Kenntnis Gottes herangereift. Und folglich wende er sich an den Herrn, um ihn zu fragen, »was er mit dieser sündigen Stadt tun wird. Abraham verspürt die Kraft, von Angesicht zu Angesicht mit dem Herrn zu sprechen, und er versucht, diese Stadt zu verteidigen. Er ist beharrlich«. Er verspüre, so erläuterte der Papst weiter, dass ihm dieses Land gehöre, und folglich versuche er, das zu retten, was sein Eigentum sei. Aber, so warnt er, er spürt auch, dass er das verteidigen muss, was ein Eigentum des Herrn sei. »Abraham«, so erläuterte Papst Franziskus, »ist ein mutiger Mann und er betet mutig«. Im Übrigen sei das erste, was man in der Bibel bemerke, gerade die Bekräftigung, dass »das Gebet mutig sein muss«. Wenn wir von Mut sprechen, »dann denken wir immer an den apostolischen Mut«, an den Mut, der uns dazu bringt, »hinzugehen und das Evangelium zu verkündigen«.

Gleichwohl existiere aber »auch der Mut vor dem Herrn, die Parrhesia vor dem Herrn: mutig vor den Herrn treten, um etwas von ihm zu erbitten«. Und »Abraham spreche auf eine ganz besondere Art mit dem Herrn, mit eben dieser Art von Mut«. Der Papst vergleicht Abrahams Gebet mit einem »phönizischen Laden«, in dem man über Preise feilsche und ihn bitte, einem so weit wie möglich entgegenzukommen, um den Preis zu drücken. Abraham insistierte und »es ist ihm gelungen, den Preis von fünfzig auf zehn zu drücken«, obwohl er wusste, dass es unmöglich war, zu verhindern, dass die sündigen Städte bestraft würden. Aber er musste sich für sie verwenden, um »einen Gerechten, seinen Vetter« zu retten. Mutig, beharrlich, aber er machte weiter.

Wie oft, erinnerte der Papst, mag es einem jeden von uns passiert sein, dass wir für jemanden gebetet haben, indem wir gesagt hätten: »Herr, ich bitte dich für diesen, für jenen … « Aber »wenn man will, dass der Herr eine Gnade gewähre «, so unterstrich der Bischof von Rom, »dann muss man mutig hingehen und das tun, was Abraham getan hat, mit Nachdruck. Jesus selbst sagt zu uns, dass wir auf diese Art beten sollen«. Und um diese Vorstellung klarer zu vermitteln, wies der Papst auf einige biblische Geschichten hin, um zu zeigen, wie man dank der Beharrlichkeit vom Herrn das erhalten könne, worum man bitte. »Das«, so wiederholte er, »ist die Einstellung, die man beim Gebet haben sollte. Die hl. Teresa bezeichnet das Gebet als ein Verhandeln mit dem Herrn. Und das ist dann möglich, wenn es Vertrautheit mit dem Herrn gibt.

Abraham verkehrte seit fünfundzwanzig Jahren mit dem Herrn, er war mit ihm vertraut. Und deshalb konnte er es wagen, diesen Weg des Gebets einzuschlagen. Beharrlich sein, mutig. Das ist ermüdend, das ist war, aber das ist das Gebet. Das heißt, von Gott eine Gnade zu erlangen«. Der Papst hielt sich dann auch dabei auf, in welcher Form sich Abraham an den Herrn wende: »Er sagt nicht ›ach die Ärmsten, sie werden verbrannt werden … vergib ihnen doch.

Möchtest du das tun?‹ Er greift hingegen die Beweggründe von Gottes eigenem Herzen auf. Dasselbe tut Mose, als der Herr das Volk vernichten will: ›aber nein, Herr, tu das doch nicht, denn sie werden sagen: er hat sie aus Ägypten in die Wüste geführt, um sie zu töten! Nein, das kannst du nicht tun‹. Den Herrn mit Hilfe der Tugenden des Herrn überzeugen, und das ist schön .« Die Anregung bestehe also darin, das Herz des Herrn anzusprechen. »Jesus«, so sagte der Papst, »lehrt uns: der Vater weiß alles. Macht euch keine Sorgen, der Vater lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte, lässt die Sonne scheinen über Gerechte und Sünder«.

«Ich hätte gerne«, so schloss er, »dass wir alle uns von heute an fünf Minuten am Tag die Bibel vornehmen und langsam Psalm 103 beten, den Psalm also, den wir zwischen den beiden Schriftlesungen gebetet haben. ›Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen! Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir all deine Schuld vergibt, und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt‹. Betet den ganzen Psalm. Und dadurch lernen wir die Dinge, die wir dem Herrn sage

 




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