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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Die Freiheit der Kinder Gottes

 Donnerstag, 4. Juli 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 29, 19. Juli 2013

 

Wenn es einen »Personalausweis« für Christen gäbe, dann wäre dort sicherlich die Freiheit als ein unveränderliches Kennzeichen eingetragen. Die Freiheit der Kinder Gottes, so erklärte Papst Franziskus in seiner Predigt im Verlauf der Messe, die er am Donnerstag, 4. Juli, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte, sei die Frucht der Versöhnung mit dem Vater, die Jesus, der die Sünden aller Menschen auf sich genommen und die Welt durch seinen Tod am Kreuz erlöst hat, bewirkt habe. Niemand, so erläuterte der Papst, könne uns dieser Identität berauben. Gemeinsam mit dem Papst zelebrierten unter anderem Kardinal Telesphore Placidus Toppo, Erzbischof von Ranchi, Indien, sowie Erzbischof Piero Marini, Präsident des Päpstlichen Komitees für die Eucharistischen Weltkongresse, der einige Angestellte des Dikasteriums begleitete.

Die Meditation des Heiligen Vaters basierte auf der Passage aus dem Matthäusevangelium (9,1–8), in dem über das Wunder der Heilung des Gelähmten berichtet wird. Der Papst ging auf die Gefühle ein, die das Gemüt des Behinderten erbeben lassen mussten, als er, der auf einer Bahre gebracht worden war, Jesus sagen hört: »Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.«

Die Menschen, die in diesem Augenblick in der Nähe Jesu waren und seine Worte hörten, »haben gesagt: ›Er lästert Gott, einzig und allein Gott kann die Sünden vergeben‹. Und Jesus fragte sie, damit sie es besser verstünden: ›Was ist leichter, die Sünden zu vergeben oder zu heilen?‹ Und er hat ihn geheilt. Der hl. Petrus sagt: Jesus ging vorüber und tat Gutes, indem er alle heilte, er heilte sie, er heilte alle«. »Aber Jesus«, fuhr der Bischof von Rom fort, »war, wenn er einen Kranken heilte, nicht nur ein Heiler. Wenn er die Menschen lehrte, wir denken etwa an die Seligpreisungen, dann war er nicht nur ein Katechist, ein Moralprediger. Wenn er die Heuchelei der Pharisäer und Sadduzäer anprangerte, war er kein Revolutionär, der die Römer verjagen wollte. Nein, diese Dinge, die Jesus tat – das Heilen, die Lehre, die kräftigen Worte gegen die Heuchelei –, waren nur ein Zeichen, ein Zeichen für etwas Größeres, das Jesus tat: die Vergebung der Sünden«.

Die Welt im Namen des Vaters in Christus zu versöhnen: »das ist die Sendung Jesu. Alles andere, die Heilungen, die Lehre, der Tadel sind weiter nichts als sichtbare Zeichen jenes tieferen Wunders, das die Neu-Schöpfung der Welt darstellt. Ein schönes Gebet der Kirche lautet: ›O Herr, der du die Welt so wunderbar geschaffen hast, du hast sie auf noch viel wunderbarere Weise erlöst, du hast sie neu geschaffen‹«. Die Versöhnung sei folglich die Neu-Schaffung der Welt, und die tiefste Sendung Jesu bestehe in der Errettung von uns Sündern. Und der Papst fügte hinzu: »Jesus tut das nicht durch Worte, noch durch Gesten, noch dadurch, dass er über die Straßen zieht, nein! Er tut es durch sein Fleisch.

Es ist gerade er, Gott, der einer von uns wird, ein Mensch, um uns von innen her zu heilen.« Aber, so fragte sich der Papst, »kann man sagen, dass Jesus ein Sünder geworden sei? So ist es gerade nicht, denn er konnte nicht sündigen. Der hl. Paulus spricht genau das richtige Wort: er ist nicht Sünder geworden, er ist Sünde geworden (vgl. 2 Kor 5,21). Er hat alle Sünde der Welt auf sich genommen. Und das ist schön, das ist die neue Schöpfung«, das ist »Jesus, der aus der Herrlichkeit herabsteigt und sich erniedrigt bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Das ist seine Herrlichkeit und das ist unser Heil. Und das Kreuz wird am Ende zur Sünde (vgl. 2 Kor 5,21)«.

Unter Verweis auf die erste Schriftlesung der Messe, die dem Buch Genesis  entnommen war (22,1–19), erinnerte der Papst dann daran, dass, während Abraham sofort seinem Sohn Isaak antwortete, als dieser ihn vor dem Feuer für das Brandopfer anrief, der Vater, als »Jesus sagte: ›nicht antworten wird. Und er wird darauf nur sagen: ›Vater, warum hast du mich verlassen?‹« Jesus »ist Sünde geworden, um uns frei zu machen (vgl. 2 Kor 5,21)«, das »ist das allergrößte Wunder«, durch das Jesus uns zu Kindern Gottes gemacht und uns die Freiheit von Kindern gegeben habe. Und gerade deshalb »dürfen wir sagen: ›Vater‹. Sonst hätten wir das niemals sagen können«.

»Das«, so fügte der Papst hinzu, »ist das große Wunder Jesu. Er hat uns Knechte der Sünde frei gemacht«, er habe uns geheilt. »Es wird uns gut tun, hieran zu denken«, fügte er hinzu, »und daran zu denken, dass es sehr schön ist, jemandes Kind zu sein. Diese Freiheit der Kinder ist sehr schön, weil ein Sohn zu Hause ist. Jesus hat uns die Türen des Hauses geöffnet, jetzt sind wir zu Hause. Jetzt kann man dieses Wort Jesu verstehen: ›Mut, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben‹. Hier sitzt die Wurzel unseres Mutes: ich bin frei, ich bin sein Kind, der Vater liebt mich und ich liebe den Vater. Bitten wir den Herrn um die Gnade, dieses sein Werk gut zu verstehen«.

Gott »hat in Christus die Welt mit sich versöhnt«, schloss er, »indem er uns das Wort der Versöhnung anvertraut hat. Und die Gnade, mit aller Kraft, mit der Freiheit der Kinder, dieses Wort der Versöhnung weiterzutragen. Wir sind in Jesus Christus erlöst«, und niemand könne uns jemals dieser Gnade berauben.




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