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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Furchtlose Erneuerung

 Samstag, 6. Juli 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 29, 19. Juli 2013

 

Papst Franziskus sprach im Verlauf der heiligen Messe in Santa Marta, die er am Samstag, 6. Juli, in Gegenwart von Gruppen vatikanischer Angestellter feierte – der letzten vor der Sommerpause –, die Aufforderung aus, sich vom Heiligen Geist erneuern zu lassen, keine Angst vor dem Neuen zu haben und die Erneuerung im Leben der Kirche nicht zu fürchten. In seiner Auslegung der Schriftlesung des Tages (Mt 9,14–17) legte der Papst den Schwerpunkt auf den Geist der Erneuerung, der Jesus beseelte. »Jesus sagte beispielsweise«, so merkte er an: »›Das Gesetz erlaubt es, den Feind zu hassen, hasst den Feind: ich aber sage euch, betet für den Feind, hasst nicht‹«. Eine Regel, die er auch bei den Dingen anwandte, die ihm nicht gerecht erschienen.

Da gibt es beispielsweise, wie die Passage aus der Schriftlesung erzählt, die Frage des Fastens. »Jesus«, so erläuterte der Papst, »riet zum Fasten, aber doch mit einer gewissen Freiheit. In der Tat stellten einige Jünger des Johannes die Frage: weshalb haben wir gefastet und deine Jünger tun es nicht?« Tatsache ist, dass »die Lehre des Gesetzes mit Jesus angereichert, erneuert wird. Jesus macht alle Dinge neu, erneuert die Dinge«. Im Übrigen »sagt Jesus selbst: ›Ich mache Alles neu‹. Als ob seine Berufung darin bestehe, alles zu erneuern. Und das ist das Reich Gottes, das Jesus verkündigte. Es ist eine Erneuerung, eine wirkliche Erneuerung. Und diese Erneuerung findet zuallererst in unserem Herzen statt«.

Jene, die meinen, das Leben eines Christen bestehe ausschließlich darin, eine Reihe von Geboten zu befolgen, erinnerte Papst Franziskus daran, dass »Christ-Sein bedeutet, sich von Jesus in einem neuen Leben erneuern zu lassen«. Er präzisierte, dass es, um ein guter Christ zu sein, »nicht ausreicht, zu sagen: ›Ich gehe jeden Sonntag von 11 bis12 Uhr in die Messe, und tue dieses und jenes‹, als ob es eine Sammlung von Dingen sei. Das Christenleben ist keine Collage von Dingen. Es ist eine harmonische Gesamtheit, ein Werk des Heiligen Geistes. Er erneuert alles. Er erneuert unser Herz, unser Leben und lässt uns in einem anderen Stil leben«, der alles umfasst. »Man kann nicht Teilzeit- oder Part-Time-Christ sein«, sagte der Papst. Part-Time-Christ sein ist nicht in Ordnung«, man muss Christ sein »im allumfassenden Sinn und die ganze Zeit«.

Christ sein »heißt nicht, bestimmte Dinge zu tun«, wiederholte der Bischof von Rom. »Es bedeutet vielmehr, dass man sich vom Heiligen Geist erneuern lässt. Ja, oder um die Worte Jesu zu gebrauchen, es heißt, ein neuer Wein zu werden. Die Neuheit des Evangeliums ist eine Neuheit innerhalb des Gesetzes selbst, die in die Heilsgeschichte eingeführt wurde«. Und es handle sich um eine Neuheit, die über unsere Person hinausgehe »und die die Strukturen erneuert.

Deshalb sagt Jesus: ›Für den neuen Wein benötigt man neue Schläuche‹. Im christlichen Leben, wie auch im Leben der Kirche, gibt es vergängliche Strukturen. Es ist erforderlich, dass sie erneuert werden. Die Kirche hat stets auf den Dialog mit den Kulturen Rücksicht genommen« und versuche, sich zu erneuern, um den unterschiedlichen Anforderungen zu genügen, die durch Ort, Zeit und Menschen an sie gestellt werden. Das sei eine Arbeit, »die die Kirche immer gemacht hat, vom ersten Augenblick an. Erinnern wir uns an die erste theologische Auseinandersetzung: muss man, um Christ zu werden, alle religiösen jüdischen Gebote befolgen, oder nicht? Nein, sie haben nein gesagt«.

Auch die Heiden könnten der Kirche beitreten und die Taufe erhalten, erklärte der Papst. Die Kirche, so fügte er hinzu, habe immer auf diese Art weitergemacht, und habe es dem Heiligen Geist überlassen, die Strukturen zu erneuern. Und sie habe gelehrt, »keine Angst vor der Neuheit des Evangeliums zu haben, keine Angst vor der Neuerung zu haben, die der Heilige Geist in uns bewirkt, keine Angst vor der Erneuerung der Strukturen zu haben. Die Kirche ist frei. Der Heilige Geist treibt sie an. Das ist es, was Jesus uns heute im Evangelium lehrt: die notwendige Freiheit, um stets die Neuheit des Evangeliums in unserem Leben zu finden, ebenso wie in den Strukturen. Die Freiheit, neue Schläuche für diese Neuheit zu suchen. Der Christ ist ein freier Mann oder eine freie Frau, mit dieser Freiheit Christi. Er ist kein Knecht der Gewohnheiten, der Strukturen «. Wer diese Neuerungen vorantreibe, so fuhr der Papst fort, sei von alters her der Heilige Geist.

Der Papst erinnerte dann an den Pfingsttag, wobei er die Gegenwart Marias an der Seite der Apostel betonte. »Da, wo die Mutter ist, da sind die Kinder in Sicherheit«, und zum Abschluss seiner Predigt forderte der Bischof von Rom dazu auf, »um die Gnade zu bitten, keine Angst zu haben vor der Neuheit des Evangeliums, keine Angst zu haben vor der Neuerung, die der Heilige Geist bewirkt, keine Angst davor zu haben, einbruchgefährdete Strukturen einstürzen zu lassen, die uns gefangen halten. Und wenn wir Angst haben, dann wissen wir, dass die Mutter bei uns ist«.

Wie die Kinder zu tun pflegen, die sich in die Arme ihrer Mutter flüchten, so »gehen auch wir zu ihr, wenn wir ein wenig Angst haben. Und sie, wie die älteste Antiphon schon sagt, ›beschützt uns mit ihrem Mantel, mit ihrem mütterlichen Schutz‹«.

 




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