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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Ein mildes, demütiges und liebevolles Licht

 Dienstag, 3. September 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 37, 13. September 2013

 

Demut, Milde, Liebe und die Erfahrung des Kreuzes sind die Waffen, mit denen der Herr das Böse besiegt. Und das Licht, das Jesus in die Welt gebracht hat, überwindet die Blindheit des Menschen, der oft vom falschen Licht der Welt geblendet wird, das zwar stark ist, aber auch täuscht. Es ist unsere Aufgabe, zu unterscheiden, welches das Licht ist, das von Gott kommt. Das ist der Sinn der Reflexion, die Papst Franziskus am Dienstag, 3. September, im Verlauf der heiligen Messe anstellte, die er in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte.

Bei seiner Auslegung der ersten Schriftlesung hielt der Heilige Vater bei dem »schönen Wort« inne, das der hl. Paulus an die Thessalonicher richtet: »Ihr aber, Brüder, lebt nicht im Finstern … Ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis« (1 Thess 5, 1–6, 9–11). Es ist klar, erläuterte der Papst, was der Apostel sagen will: »die Identität des Christen ist die Identität des Lichts, nicht der Finsternis«. Und Jesus hat dieses Licht in die Welt gebracht. »Der hl. Johannes«, so präzisierte Papst Franziskus, »sagt uns im ersten Kapitel seines Evangeliums, ›das Licht kam in die Welt‹: er, Jesus«. Ein Licht, »das von der Welt nicht geliebt wurde«, das uns aber trotzdem »rettet vor der Finsternis, vor der Finsternis der Sünde«.

Heute, so fuhr der Papst fort, meint man, es sei möglich, dieses Licht, das die Finsternis durchbricht, mit Hilfe wissenschaftlicher Entdeckungen und anderer Erfindungen des Menschen, mit denen »man alles wissen kann, Kenntnis von allem erhalten kann«, besitzen zu können. Aber »das Licht Jesu«, so warnte Papst Franziskus, »ist etwas völlig anderes. Es ist kein Licht der Unwissenheit, nein, nein! Es ist ein Licht der Weisheit, der Erfahrung; aber es ist etwas anderes. Das Licht, das uns die Welt anbietet, ist ein künstliches Licht. Vielleicht ist es stark, stärker als jenes von Jesus, ja? Stark wie ein Feuerwerk, wie das Blitzlicht in der Fotographie. Das Licht Jesu hingegen ist ein mildes Licht, es ist ein ruhiges Licht, es ist ein Licht des Friedens. Es gleicht dem Licht der Weihnachtsnacht: es ist anspruchslos.

So ist es: es bietet sich an und gibt Frieden. Das Licht Jesu ist nicht spektakulär; es ist ein Licht, das von Herzen kommt. Es ist wahr, dass der Teufel – und das sagt der hl. Paulus – oft in der Verkleidung eines Engels des Lichts daherkommt. Es macht ihm Spaß, das Licht Jesu zu imitieren. Er gibt sich gut und spricht so zu uns, mit ruhiger Stimme, so wie er nach dessen Fasten in der Wüste zu Jesus sprach: ›Wenn du Gottes Sohn bist, so tu dieses Wunder, stürz dich vom Tempel herab‹, gib ein Schauspiel! Und er sagt es auf ganz ruhige und deshalb täuschende Art.« Aus diesem Grund empfahl Papst Franziskus, »den Herrn inbrünstig um die Weisheit des Unterscheidungsvermögens zu bitten, um erkennen zu können, wann es Jesus ist, der uns das Licht schenkt, und wann es hingegen gerade der als Engel des Lichts verkleidete Dämon ist. Wie viele Menschen glauben doch, im Licht zu leben, während sie in der Finsternis sind und sich dessen nicht bewusst werden!«

Aber wie ist das Licht, das Jesus uns anbietet? »Wir können es erkennen«, erklärte der Heilige Vater, »weil es ein demütiges Licht ist. Es ist kein Licht, das sich aufdrängt, es ist demütig. Es ist ein mildes Licht, mit der Kraft der Milde; es ist ein Licht, das zum Herzen spricht und es ist auch ein Licht, das uns vom Kreuz geschenkt wird. Wenn wir in unserem inneren Licht milde Menschen sind, dann hören wir die Stimmer Jesu im Herzen und schauen im Licht Jesu furchtlos auf das Kreuz.« Wenn wir uns hingegen von einem Licht blenden lassen, das uns das Gefühl der Sicherheit verleiht, das uns stolz fühlen lässt und uns dazu bringt, die anderen von oben herab anzuschauen, sie voller Hochmut zu verachten, dann befinden wir uns mit Sicherheit nicht in Gegenwart des »Lichtes Jesu«. Es handelt sich dann vielmehr »um das Licht des Teufels, der sich als Jesus verkleidet hat«, sagte der Bischof von Rom, »als Engel des Lichts. Wir müssen stets unterscheiden: da, wo Jesus ist, da sind immer Demut, Milde, Liebe und Kreuz. Tatsächlich werden wir niemals Jesus ohne Demut, ohne Milde, ohne Liebe und ohne das Kreuz antreffen. Er hat als erster diesen Weg des Lichts geschaffen. Wir müssen ihm furchtlos folgen«, weil »Jesus die Kraft und die Autorität besitzt, um uns dieses Licht zu schenken «. Eine Kraft, die in der Bibelstelle beschrieben ist, die Gegenstand der heutigen Schriftlesung war, in der Lukas die Geschichte der Vertreibung des Dämons aus dem besessenen Mann in Kafarnaum berichtet (vgl. Lk 4,31–37).

»Die Menschen«, unterstrich der Papst in seinem Kommentar zur Lesung, »waren von Furcht ergriffen und, so sagt das Evangelium, fragten sich: ›Was ist das für ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern, und sie fliehen?‹ Jesus bedarf keines Heeres, um die Dämonen auszutreiben, er bedarf des Hochmuts nicht, er benötigt weder Kraft noch Stolz.«

Was ist das für ein Wort, »das mit Vollmacht und Kraft den unreinen Geistern befiehlt, und sie fliehen?«, fragte sich der Papst. »Es ist ein demütiges, ein mildes, ein liebevolles Wort«, so lautete seine Antwort. Es ist ein Wort, das uns in den Augenblicken des Leidens begleitet, die uns dem Kreuz Jesu näherbringen. »Bitten wir den Herrn darum«, so lautete die abschließende Aufforderung von Papst Franziskus, »dass er uns heute die Gnade seines Lichtes geben und uns lehren möge, zu unterscheiden, wann das Licht sein Licht ist und wann es ein künstliches Licht ist, das der Feind geschaffen hat, um uns zu täuschen.«

 




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