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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Zuhören, Verzicht und Sendung

 Donnerstag, 5. September 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 37, 13. September 2013

 

Wenn der Herr durch unser Leben geht, dann sagt er immer ein Wort zu uns und gibt uns eine Verheißung. Aber er verlangt auch von uns, dass wir auf etwas verzichten und vertraut uns eine Sendung an. Daran erinnerte Papst Franziskus bei der Messe, die er am Donnerstag früh, 5. September, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte. In seiner Auslegung der Geschichte vom »wunderbaren Fischfang «, die in einer Passage im Lukasevangelium (5,1–11) erzählt wird und die Gegenstand der Schriftlesung war, erinnerte der Papst an den hl. Augustinus, der »einen Satz wiederholt, der mich immer betroffen gemacht hat. Er sagt: ›Ich fürchte mich davor, dass der Herr vorübergeht‹. Warum? ›Weil ich Angst habe, dass er vorbeikommt und ich es womöglich nicht bemerke‹.

Und der Herr geht durch unser Leben, so wie es hier geschehen ist, im Leben des Petrus, des Jakobus, des Johannes«. In diesem Fall ist der Herr mit einem Wunder durch das Leben seiner Jünger gegangen. Aber, so machte der Papst klar, »nicht immer geht Jesus mit einem Wunder durch unser Leben«. Auch wenn, wie er hinzufügte, »er sich immer bemerkbar macht. Immer. Und wenn der Herr vorbeigeht, dann geschieht immer das, was hier geschehen ist: er sagt etwas zu uns, er lässt uns etwas vernehmen, dann sagt er ein Wort zu uns, das eine Verheißung ist; er verlangt etwas, das zu unserer Art zu leben gehört, er verlangt, dass wir auf etwas verzichten, dass wir uns einer Sache entäußern. Und dann erteilt er uns einen Auftrag«.

Diese drei Aspekte von Jesu Durchgang durch unser Leben – er sagt uns »ein Wort, das eine Verheißung ist«, er verlangt »den Verzicht auf etwas«, er vertraut uns »einen Auftrag« an – sind in der angeführten Stelle bei Lukas gut vertreten. Der Heilige Vater wies vor allem auf die Reaktion des Petrus auf das Wunder Jesu hin: »Simon, der ein Sanguiniker war, ist zu ihm gegangen: ›Aber Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder‹. Das fühlte er tatsächlich, denn er war so veranlagt. Und was antwortet ihm Jesus darauf? ›Fürchte dich nicht!‹«

»Das ist ein schönes Wort, das oft wiederholt wird: ›Habt keine Angst, fürchtet euch nicht‹«, kommentierte der Papst und fügte hinzu: »Und dann, und das ist die Verheißung, sagt er zu ihm: ›Von jetzt an wirst du Menschen fangen!‹« Der Herr sagt uns, wenn er in unser Leben kommt, wenn er in unser Herz kommt, immer ein Wort und gibt uns eine Verheißung: ›Vorwärts, hab Mut, fürchte dich nicht: Du wirst dieses tun!‹«. Das ist »eine Aufforderung, ihm nachzufolgen«. Und »wenn wir diese Einladung vernehmen und sehen, dass es in unserem Leben etwas gibt, das nicht in Ordnung ist, dann müssen wir das korrigieren « und müssen dazu bereit sein, alles, was es auch sei, zu verlassen, ganz großzügig. Selbst dann, präzisierte der Papst, wenn »es in unserem Leben etwas Gutes gibt, fordert uns Jesus dazu auf, es zurückzulassen und ihm aus größerer Nähe nachzufolgen. So wie es den Aposteln widerfahren ist, die alles aufgegeben haben, wie das Evangelium sagt: ›Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach‹«.

Das christliche Leben besteht folglich »immer darin, dem Herrn nachzufolgen«. Aber um ihm nachfolgen zu können, muss man zuvor »hören, was er uns sagt«; und darauf muss man »alles verlassen, was wir in diesem Augenblick verlassen müssen, und ihm nachfolgen«. Und schließlich ist da dann die Sendung, mit der Jesus uns beauftragt. In der Tat »sagt er nie: ›Folge mir nach!‹, ohne dann diesen Auftrag zu erteilen. Er sagt immer: ›Verlasse alles und folge mir für diesen Auftrag nach‹«. Wenn wir folglich »den Weg Jesu gehen«, so erläuterte der Papst, »dann tun wir das, um etwas zu tun. Das ist der Auftrag«.

Das ist »eine Reihenfolge, die sich auch dann wiederholt, wenn wir gehen, um zu beten«.Tatsächlich betonte der Papst, »dass unser Gebet immer diese drei Augenblicke enthalten muss«. Am wichtigsten ist es, das Wort Jesu zu vernehmen, ein Wort, mit dem er uns den Frieden gibt und uns seiner Nähe versichert. Dann kommt der Augenblick unseres Verzichts: wir müssen dazu bereit sein, »etwas zu verlassen: ›Herr, was willst, du, das ich aufgebe, um dir näher zu sein?‹ Vielleicht sagt er uns das nicht gleich. Aber wir stellen die Frage, ganz großzügig«. Schließlich kommt der Augenblick der Sendung: das Gebet hilft uns stets, zu verstehen, was wir »tun müssen«.

Das also ist, kurz gefasst, unser Gebet: »Den Herrn vernehmen, den Mut haben, auf etwas zu verzichten, das uns daran hindert, eilig hinzugehen und ihm nachzufolgen, und schließlich die Annahme der Sendung.« Das heißt nun keineswegs, dass man sich nicht Versuchungen stellen muss. Petrus, so erinnerte Papst Franziskus, hat schwer gesündigt, als er Jesus verleugnete. Aber dann hat ihm der Herr vergeben. Jakobus und Johannes haben gesündigt, indem sie Karriere machen wollten. Aber auch ihnen hat der Herr Vergebung gewährt. Es ist also wichtig, so zu beten, dass man diese drei Elemente im Auge behält.

»Wir können«, so schloss er, »die Apostel, die diese Dinge aus so großer Nähe erlebt haben, darum bitten, uns die Gnade zu gewähren, immer zu beten, indem wir versuchen, das Wort und die Verheißung Jesu zu vernehmen; den Wunsch zu verspüren, das zu verlassen, was uns daran hindert, Jesus ganz aus der Nähe nachzufolgen; und unser Herz zu öffnen, um seinen Auftrag zu erhalten.«




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