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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

 Das tun, was von Jesus kommt

 Samstag, 7. September 2013

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 38, 20. September 2013

 

Es gibt keine Christen ohne Jesus. Und Jesus fehlt dann, wenn ein Christ Geboten gehorcht, die nicht zu Christus führen bzw. nicht von Christus kommen. Papst Franziskus hat im Verlauf der Messe, die er am Samstag, 7. September, in Santa Marta feierte, auf der Zentralstellung Christi bestanden. Und er hat die Christen davor gewarnt, privaten Offenbarungen nachzufolgen, da die Offenbarung, wie er sagte, mit Christus geendet hat.

Der Heilige Vater hat in der Predigt die Reflexion fortgesetzt, die er am Freitag, 6. September, ausgehend von den Schriftlesungen begonnen hatte, in denen Jesus als der Bräutigam der Kirche vorgestellt worden war. In der Schriftlesung vom 7. September, die aus dem Lukasevangelium stammte (6,1–5), wird in der Tat die Geschichte der Diskussion Jesu mit den Pharisäern beschrieben, die die Apostel dafür tadeln, die Sabbatruhe gebrochen zu haben, indem sie Kornähren gesammelt und gegessen hätten.

An dieser Bibelstelle, so merkte der Papst an, präsentiert sich Jesus im Vergleich zu gestern als noch mehr. Er sagt: »Ich bin der Herr, der Herr auch über den Sabbat. An einer anderen Stelle wird er sagen: Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat. Seine Zentralstellung ist auch die Zentralstellung des Christen angesichts zahlreicher Dinge. Jesus ist das Zentrum, er ist der Herr«. Eine Definition, die wir, wie der Papst bemerkte, »nicht gut verstehen «, weil »sie nicht einfach zu verstehen ist.« Gewiss ist, dass Jesus »der Herr ist«, insofern er derjenige ist, der die Macht und den Ruhm und den Sieg hat. Er ist der einzige Herr .

Indem er den Brief des hl. Paulus an die Kolosser zitierte (1, 21–23), machte der Heilige Vater dann darauf aufmerksam, dass eben dieser Apostel daran erinnert, dass Jesus uns »durch den Tod seines sterblichen Leibes versöhnt hat – uns alle versöhnt hat –, um euch heilig, untadelig und schuldlos vor sich treten zu lassen. Doch müsst ihr unerschütterlich und unbeugsam am Glauben festhalten«. Jesus, so fasste der Papst zusammen, ist der Mittelpunkt, der uns erneuert und im Glauben verankert. »Die Pharisäer«, so fuhr er fort, »stellten hingegen viele Gebote ins Zentrum ihrer Religiosität. Und Jesus sagt zu ihnen: Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern.«

Wenn Jesus nicht im Zentrum steht, so bemerkte der Papst, »dann stehen dort andere Dinge«. Und heutzutage »begegnen wir vielen Christen ohne Christus, ohne Jesus. Beispielsweise jenen, die an der Krankheit der Pharisäer leiden und Christen sind, die ihren Glauben und ihre Religiosität, ihr Christ-Sein, in zahlreichen Geboten niederlegen: Ach, ich muss dieses machen, ich muss jenes machen. Christen des Benehmens «: also solche, die Dinge verrichten, so erklärte er, weil man sie verrichten soll, die aber in Wirklichkeit »keine Ahnung haben, warum sie sie eigentlich verrichten«.

Aber »wo ist Jesus?«, fragte sich Papst Franziskus. Und fuhr dann folgendermaßen fort: »Ein Gebot ist dann gültig, wenn es von Jesus stammt«. Es gibt viele Christen ohne Christus, etwa jene, »die nur Andacht suchen, viele Andachtsübungen, aber Jesus fehlt. Und in dem Fall fehlt dir etwas, Bruder! Dir fehlt Jesus. Wenn all deine Andacht dich zu Jesus bringt, dann ist das in Ordnung. Aber wenn du dabei stehenbleibst, dann stimmt etwas nicht«.

Und dann gibt es, so fuhr er fort, »eine weitere Gruppierung von Christen ohne Christus: jene, die nach etwas ausgesuchten Dingen suchen, nach etwas Besonderem, jene, die privaten Offenbarungen hinterherlaufen«, während die Offenbarung doch mit dem Neuen Testament abgeschlossen wurde. Der Heilige Vater hat in dieser Art von Christen den Wunsch bemerkt, »zum Schauspiel der Offenbarung« zu gehen, »um Neues zu vernehmen«. Aber – und diese Ermahnung richtete Papst Franziskus an sie – »Nimm das Evangelium!« Unter den Christen ohne Christus hat der Papst dann auch jene genannt, »die sich den Geist parfümieren, die aber keine Tugend besitzen, weil sie ohne Jesus sind«. Welche Regel gilt also, um Christen mit Christus zu sein? Und welches »Zeichen« gibt es dafür, dass ein Mensch ein Christ mit Christus ist? Es handelt sich, so erklärte der Papst, um eine ganz einfache »Regel«: »Nur das ist gültig, was dich zu Jesus bringt, und nur das ist gültig, was von Jesus herkommt. Jesus ist das Zentrum, der Herr, wie er selbst uns sagt.«

Folglich »gehst du voran«, wenn etwas zu Jesus führt oder von ihm herstammt, ermahnte der Heilige Vater; aber wenn es nicht zu ihm führt oder von ihm herrührt, »dann ist es ein wenig gefährlich «. Und im Hinblick auf das »Zeichen« sagte er: »Ein ganz einfaches Zeichen ist dasjenige des von Geburt an Blinden, von dem das Johannesevangelium im neunten Kapitel spricht. Das Evangelium sagt, dass er sich vor Jesus niederwarf, um ihn anzubeten. Ein Mann oder eine Frau, die Jesus anbeten, sind Christen mit Jesus. Aber wenn du es nicht fertigbringst, Jesus anzubeten, dann fehlt dir etwas.«

Hier also haben wir »eine Regel und ein Zeichen «, schloss der Papst. »Die Regel«, so sagte er, »lautet: ich bin ein guter Christ, wenn ich den Weg des guten Christen gehe, wenn ich das tue, was von Jesus kommt, oder das mich zu Jesus bringt, weil er das Zentrum ist. Das Zeichen ist die Anbetung Christi, das Gebet der Anbetung vor Christus.«




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