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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Wie eine Mutter, die ihre Kinder verteidigt 

Dienstag, 17. September 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 39, 27. September 2013

 

Wie eine Mutter, die uns liebt, die uns verteidigt, die uns die Kraft verleiht, im Kampf gegen das Böse weiterzumachen. Das ist das Bild der Kirche, das Papst Franziskus am Dienstag, 17. September, im Verlauf der Messe, die er früh in Santa Marta feierte, vorstellte. In seiner Auslegung der Schriftlesung aus dem Lukasevangelium, wo über die Auferweckung des Sohnes der Witwe aus Naïn berichtet wird (7,11–17), beschrieb der Papst, wie Jesus, der die Frau vor dem Leichnam ihres einzigen Sohnes sah, »von großem Mitleid ergriffen wurde«. Und er definierte dieses Gefühl Christi als »die Fähigkeit, mit uns mitzuleiden, unserem Leiden nahe zu sein und es sich zu eigen zu machen«.

Überdies habe er nur allzu gut gewusst, »was es zu jener Zeit heißen wollte, eine verwitwete Frau zu sein«, zu einer Zeit, als verwitwete Mütter, die ihre Kinder großziehen mussten, von der Hilfe und der Großzügigkeit anderer abhängig waren. Das ist der Grund dafür, dass die damaligen Gebote so sehr hierauf bestehen: »Den Witwen und Waisen helfen, da diese zu jener Zeit die einsamsten und verlassensten Glieder der Gesellschaft waren.«

Die Gedanken des Bischofs von Rom schweiften dann zu den anderen Witwen, von denen in der Bibel die Rede ist. Der Herr erweist ihnen eine ganz besondere »Fürsorge, eine ganz besondere Liebe«, bis an den Punkt, dass sie »ein Abbild der Kirche« darstellen, »denn«, so erläuterte er, »auch die Kirche ist in einem gewissen Sinne Witwe: ihr Bräutigam ist von ihr gegangen und sie geht durch die Geschichte, in der Hoffnung, ihn wiederzufinden, mit ihm zusammenzutreffen. In jenem Augenblick wird sie endgültig seine Braut sein.« Aber, so mahnte er, »in der Zwischenzeit ist die Kirche alleine«, und der Herr ist unsichtbar für sie: folglich »trägt sie auch gewisse Züge der Witwenschaft«.

Eine erste Konsequenz dieser Witwenschaft besteht darin, dass die Kirche »mutig« wird, wie eine Mutter, »die ihre Kinder verteidigt«, gerade so wie jene Witwe des Evangeliums, »die zu einem bestechlichen Richter ging, um ihre Kinder zu verteidigen, und die am Ende gesiegt hat.« Denn, so unterstrich der Papst, »unsere Mutter, die Kirche, verfügt über jenen Mut einer Frau, die weiß, dass es ihre Kinder sind und die sie verteidigen und zur Begegnung mit ihrem Bräutigam führen muss.«

Aus dem Mut leitet sich dann ein zweites Element ab, die Stärke, wie es andere Witwen bezeugen, die in der Bibel beschrieben werden: Eine von ihnen ist Noomi, die Urgroßmutter des David, »die sich nicht davor fürchtete, allein zurückzubleiben«, oder jene makkabäische Witwe mit sieben Söhnen, »die, um Gottes Gesetz nicht abzuschwören, vom Tyrannen in den Märtyrertod geschickt wurden.« Bei dieser Frau hat ein Detail Papst Franziskus ganz besonders betroffen gemacht: die Tatsache, dass die Bibel hervorhebt, »dass sie in ihrem Dialekt, in der Muttersprache redete«, gerade so, wie es »unsere Mutter, die Kirche« tut, die zu uns »in jener Sprache der wahren Rechtgläubigkeit« spricht, »die wir alle verstehen, in der Sprache des Katechismus, in dieser starken Sprache, die uns stärkt und uns auch die Kraft dazu verleiht, den Kampf gegen das Böse fortzusetzen.«

Der Papst betonte dann, indem er seine Überlegungen zusammenfasste, »die Dimension der Witwenschaft der Kirche, die durch die Geschichte geht in der Hoffnung, ihrem Bräutigam zu begegnen, ihn wiederzufinden.« Im Übrigen, so hob er hervor, »ist unsere Mutter, die Kirche, so beschaffen: sie ist eine Kirche, die dann, wenn sie treu ist, zu weinen vermag, sie weint um ihre Kinder und betet.« Ja, »wenn die Kirche nicht weint, dann stimmt etwas nicht«; wogegen die Kirche dann gut funktioniert, wenn sie »vorangeht und ihre Kinder großzieht, wenn sie ihnen Kraft einflößt, wenn sie sie bis zum letzten Abschied begleitet, um sie dann den Händen ihres Bräutigams zu überlassen, dem auch sie am Ende wieder begegnen wird.«

Und da der Papst »unsere Mutter, die Kirche, in jener Witwe, die weint«, sieht, muss man sich die Frage stellen, was der Herr zu jener Mutter sagt, um sie zu trösten. Die Antwort ist in Jesu eigenen Worten enthalten, die uns bei Lukas überliefert sind: »Weine nicht!« Worte, die zu sagen scheinen: weine nicht, denn »ich bin bei dir, ich begleite dich, ich erwarte dich dort, bei der Hochzeit, der letzten Hochzeit, der des Lammes«; höre auf zu weinen, »dieser dein Sohn, der tot war, lebt jetzt«. Und zu diesem selbst, der dritten Person, die in dieser biblischen Geschichte auftritt, sagt der Herr: »Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!« Dem Papst zufolge sind das genau dieselben Worte, die der Herr im Sakrament der Versöhnung an die Menschen richtet, »wenn wir durch die Sünde tot sind und hingehen, um ihn um Vergebung zu bitten.«

Der Bericht des Lukas endet mit der Beschreibung des toten jungen Mannes, der sich aufsetzt und zu sprechen beginnt, und mit der Schilderung Jesu, der ihn seiner Mutter zurückgibt. Gerade so, wie er es mit uns tut, darauf wies der Papst hin, »wenn er uns vergibt, wenn er uns das Leben wiedergibt«, denn »unsere Versöhnung endet nicht im Dialog« mit dem Priester, der uns die Absolution erteilt, sondern sie wird in dem Augenblick vollendet, »wo er uns unserer Mutter zurückgibt«.

Tatsächlich, so schloss er, »gibt es keinen Lebensweg, keine Vergebung, keine Aussöhnung außerhalb der Mutter, der Kirche«, weshalb es immer notwendig ist, »den Herrn um die Gnade zu bitten, Vertrauen in diese Mutter zu haben, die uns verteidigt, lehrt und wachsen lässt.«




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