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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Das Geld ist notwendig, die Habgier tötet

Montag, 21. Oktober 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 44, 1. November 2013

Geld ist erforderlich dafür, viele gute Werke zu verwirklichen, dazu, die Menschheit Fortschritte machen zu lassen, aber wenn es zum einzigen Lebenszweck wird, dann zerstört es den Menschen und dessen Bande zur Außenwelt. Das ist die Lehre, die Papst Franziskus im Verlauf der Messe, die er am Montag, 21. Oktober, in Santa Marta feierte, aus der Schriftlesung aus dem Lukasevangelium (12, 13-21) gezogen hat.

Zu Beginn seiner Predigt erinnerte der Heilige Vater an jenen Mann, der Jesus darum bittet, seinen Bruder dazu aufzufordern, das Erbe mit ihm zu teilen. In der Tat redet dem Papst zufolge der Herr durch diese Person mit uns »über unser Verhältnis zum Reichtum und zum Geld«. Ein Thema, das keineswegs nur vor zweitausend Jahren aktuell war, sondern das es auch heute noch ist, jeden Tag aufs Neue. »Wie viele Familien haben wir gesehen«, so kommentierte er, »die durch das Geld betreffende Probleme zerstört wurden: Bruder gegen Bruder, Vater gegen Sohn!« Denn die erste Konsequenz dessen, dass ein Mensch am Geld hängt, besteht darin, dass nicht nur er selbst, sondern auch die, die ihm nahestehen, zerstört werden. »Wenn ein Mensch am Geld hängt«, so erläuterte der Bischof von Rom, »dann zerstört er sich selbst, er zerstört die Familie.«

Sicher, das Geld sollte nicht völlig verteufelt werden. »Das Geld«, so präzisierte Papst Franziskus, »dient dazu, viele gute Dinge voranzutreiben, viele Arbeiten für die Fortentwicklung der Menschheit.« Verurteilt werden muss hingegen dessen Missbrauch. Um das zu erläutern, wiederholte der Papst dieselben Worte, die Jesus in der Bibel im Gleichnis vom »reichen Manne« gesagt hatte: »Wer nur für sich selbst Schätze sammelt, ist vor Gott nicht reich«. Daraus leitet er die Warnung ab: »Gebt Acht und haltet euch fern von jeder Geldgier«. In der Tat ist sie es, »die im Verhältnis zum Geld schadet«; es ist der unablässige Druck, noch mehr haben zu wollen, der »zum Götzendienst« des Geldes führt und damit endet, »das Verhältnis zu den anderen Menschen « zu zerstören. Denn die Geldgier lässt den Menschen krank werden, sie lockt ihn in einen Teufelskreis hinein, in dem jeder einzelne Gedanke »dem Geld gewidmet« ist.

Im Übrigen besteht der gefährlichste Charakterzug der Geldgier gerade darin, ein »Werkzeug des Götzendienstes zu sein; denn sie geht den Weg«, den Gott den Menschen vorgezeichnet hat, »gerade in die entgegen gesetzte Richtung«. Im Hinblick darauf zitierte der Heilige Vater den hl. Paulus, der daran erinnert, dass »Jesus Christus, der reich war, arm geworden ist, um uns reich zu machen«. Es gibt folglich einen »Weg Gottes«, den »der Demut, der Erniedrigung, um anderen zu dienen«, und einen Weg, der in die entgegen gesetzte Richtung verläuft, den, auf den uns die Geldgier und der Götzendienst führen: »Du, der du ein armer Mann bist, machst dich aus Eitelkeit selbst zu Gott«.

Aus diesem Grunde, so fügte der Papst hinzu, »sagt Jesus sehr harte, starke Worte gegen das am Geld Hängen«: beispielsweise dann, wenn er daran erinnert, »dass man nicht zwei Herren dienen kann: entweder Gott oder dem Geld«; oder wenn er dazu ermahnt, »sich keine Sorgen zu machen, denn der Herr weiß, was wir brauchen«; oder auch dann, wenn »er uns zur vertrauensvollen Hingabe an den Vater führt, der die Lilien des Feldes blühen lässt und den Vögeln des Himmels zu essen gibt.« Das Verhalten des Protagonisten des biblischen Gleichnisses, der an nichts anderes zu denken vermochte als an die reichen Korn-Vorräte, die er auf seinen Feldern geerntet hatte und an seine angehäuften Reichtümer steht in klarem Gegensatz zu diesem Verhalten, das der göttlichen Barmherzigkeit vertraut. Als er sich fragte, was er tun sollte, so erklärte Papst Franziskus, »hätte er sagen können: ich gebe das einem anderen Menschen, um ihm zu helfen«.

Statt dessen »brachte ihn seine Habgier dazu, zu sagen: Ich werde größere Scheunen bauen und meine Vorräte unterbringen. Immer mehr.« Ein Verhalten, hinter dem sich dem Papst zufolge der Ehrgeiz verbirgt, eine Art von Göttlichkeit zu erreichen, »fast schon eine Art der Göttlichkeit eines Götzen«, wie die Gedanken dieses Mannes selbst bezeugen: »Meine Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!« Aber gerade da lässt ihn Gott in seine Wirklichkeit als Geschöpf herabstürzen, indem er ihn mit dem folgenden Satz warnt: »Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern«. Denn, so schloss der Bischof von Rom, »dieser Weg, der in die entgegen gesetzte Richtung zu Gottes Weg geht, ist Torheit, er führt weit weg vom Leben. Er zerstört jede Brüderlichkeit unter den Menschen.« Der Herr hingegen zeigt uns den rechten Weg. Der »nicht nur der Weg der Armut um der Armut willen ist«; ganz im Gegenteil: »er ist der Weg der Armut als Werkzeug, damit Gott Gott sein kann, damit Er der einzige Herr sei, nicht das goldene Götzenbild.« Tatsächlich »gibt uns der Herr alle Besitztümer, die wir haben, damit wir damit die Welt weiterbringen mögen, damit wir die Menschheit voranbringen, um den anderen zu helfen.«

Daraus leitet sich die Hoffnung ab, dass »das Wort des Herrn heute in unserem Herzen bleiben möge«, mit seiner Aufforderung, uns von der Habgier fernzuhalten, denn »auch dann, wenn ein Mensch im Überfluss lebt, hängt sein Leben doch nicht von dem ab, was er besitzt.«




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