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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Ein besonderer Tag

Montag, 28. Oktober 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 45, 8. November 2013

Es ist schön, füreinander zu beten. Im Verlauf der Messe, die Papst Franziskus am Montag Morgen, 28. Oktober, in der Kapelle von Santa Marta feierte, dachte er über den Wert des Gebetes für den Nächsten nach, der gerade einen schwierigen Augenblick durchlebt. Die Reflexion des Papstes begann mit einem Kommentar zur Schriftlesung aus dem Lukasevangelium (6,12-19), wo von der Erwählung der zwölf Apostel durch Jesus berichtet wird. Heute sei, so sagte der Papst, ein »im Hinblick auf die Wahl der Apostel etwas besonderer Tag.« Eine Wahl, so fügte er hinzu, die erst erfolge, nachdem Jesus »in Abgeschiedenheit« zu Gott gebetet habe.

In der Tat ist Jesus, als er zum Vater betet, mit ihm allein. Darauf kehrt er wieder zu seinen Jüngern zurück und wählt zwölf von ihnen aus, die er »Apostel« nennt. Dann begibt er sich gemeinsam mit ihnen unter das Volk, das schon auf ihn wartete, um geheilt zu werden. Das sind die drei Augenblicke, die den Tag charakterisieren: Jesus, der »eine ganze Nacht« auf dem Berg verbringt, »um zum Vater zu beten«; Jesus unter seinen Aposteln; Jesus unter dem Volk. Und in allen drei Augenblicken, so erläuterte der Papst, steht das Gebet im Mittelpunkt: Jesus betet zum Vater, da er »vertraut war« mit Ihm; er betet zu ihm »für die Menschen, die ihn aufsuchten«; und er betet zu ihm auch »für die Apostel«.

Um den Sinn von Jesu Gebet besser zu verstehen, erinnerte der Bischof von Rom auch an »jene schöne Rede im Anschluss an das Abendmahl am Gründonnerstag, als er zum Vater betet und sagt: Ich bete für diese, die Meinen, aber ich bete auch für die ganze Menschheit, auch für die, die einst kommen und glauben werden.« Das Gebet Jesu »ist ein universales Gebet«, aber es ist auch ein »persönliches Gebet«. Es sei kein Zufall, so der Papst, »dass er in der Nacht dieses selben Tages Petrus anschaut, der sich mutig gibt, und sagt: Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt.« Und darauf ermahnt er ihn: »Bete zum Vater für einen jeden von ihnen.« Und der Bischof von Rom fügte gleich hinzu: »Ich möchte, dass wir heute alle den betenden Jesus betrachten.« Aber, so fragte sich der Papst, wenn es wahr sei, dass Jesus damals gebetet habe, bete er dann auch heute noch? »Oh ja, die Bibel sagt es«, antwortete er und erläuterte: »Er ist der Fürsprecher, der, der betet«, und er betet zum Vater »gemeinsam mit uns und vor uns. Jesus hat uns erlöst. Er hat dieses große Gebet vollbracht, das Opfer seines Lebens, um uns zu retten. Wir sind durch Ihn gerechtfertigt. Jetzt ist er gegangen. Und er betet.« Folglich »ist Jesus ein Mensch, er ist ein Mensch aus Fleisch wie wir, aber in der Herrlichkeit.

Jesus hat die Wundmale an den Händen, an den Füßen und an seiner Seite. Und wenn er betet, dann zeigt er dem Vater den Preis unserer Rechtfertigung und betet für uns. Es ist so, als sage er: Vater, dieser da darf nicht verloren gehen. « Jesus, so fuhr Papst Franziskus fort, habe stets unser Heil im Sinn. Und »das ist der Grund dafür, dass wir, wenn wir beten, sagen: durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn. Denn er ist der Erste, der betet, er ist unser Bruder. Er ist Mensch wie wir. Jesus ist der Fürsprecher.« Nachdem er unsere Erlösung erlangt und uns gerechtfertigt habe, fragte der Heilige Vater weiter: »Was tut er jetzt? Er tritt für uns ein, er betet für uns«, lautete die Antwort. »Ich denke daran«, so fuhr er fort, »was Petrus empfunden haben mag, als Jesus ihn, nachdem er ihn geleugnet hatte, anschaute, und er weinte. Er spürte, dass das, was Jesus gesagt hatte, wahr war. Er hatte für ihn gebetet und deshalb konnte er weinen, konnte er bereuen.«

»Wie oft«, so fügte der Papst hinzu, »sagen wir untereinander: Bete für mich, ja? Ich brauche das, ich habe viele Probleme, viele Dinge, bete für mich.« Und das, so fügte er hinzu, »ist eine gute Sache, denn »wir müssen füreinander beten«. Und er fragte: »Sagen wir zu Jesus: ›Bete für mich, Du, der Du der Erste von uns bist, betest Du für mich‹? Sicher betet er, aber zu ihm zu sagen: ›Bete für mich, Herr, du bist mein Fürsprecher‹ heißt, großes Vertrauen zu zeigen. Er betet für mich, er betet für uns alle. Und er betet voller Mut, denn er zeigt dem Vater den Preis unserer Rechtfertigung, seine Wundmale.«

»Denken wir oft daran«, so sagte er abschließend, »und danken wir dem Herrn; danken wir einem Bruder, der mit uns und für uns betet, der für uns Fürsprache hält. Und sprechen wir mit Jesus. Sagen wir zu ihm: ›Herr, du bist mein Fürsprecher, du hast mich erlöst, du hast mich gerechtfertigt, jetzt aber bete für mich.‹ Vertrauen wir ihm unsere Probleme, unser Leben, an, damit er sie zum Vater bringe.«

 


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