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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Die Einladung zum Fest hat keinen Preis

Dienstag, 5. November 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 46, 15. November 2013

»Das christliche Leben ist eine« kostenlose Einladung« zu einem Fest; eine Einladung, die nicht käuflich erworben werden kann, weil sie von Gott stammt, und die man annimmt durch die Teilnahme und das Teilen. Diese Gedanken entnahm Papst Franziskus im Verlauf der Messe, die er am Dienstag früh, 5. November, in Santa Marta feierte, den Schriftlesungen zum Tage (Röm 12,5,16a; Lk 14,15-24). Schriftlesungen, so erläuterte er, »die uns zeigen, wie der Personalausweis des Christen aussieht; die uns zeigen, wie ein Christ ist«. Und denen vor allem entnommen werden kann, dass »das christliche Leben eine Einladung ist: wir werden nur dann Christen, wenn wir eingeladen worden sind«.

Der Bischof von Rom betrachtete die Formen, die diese Einladung annehmen kann – es handle sich dabei, so sagte er, um »eine kostenlose Einladung« –, wie auch den Absender: Gott. Aber die Unentgeltlichkeit, so warnte er, habe auch Voraussetzungen. Die erste bestehe darin, dass derjenige, der nicht eingeladen sei, nicht einfach dadurch reagieren könne, dass er antworte: »Ich werde mir halt eine Eintrittskarte kaufen!« Tatsächlich »kann man das nicht! Für den Eintritt«, so bekräftigte der Papst, »kann man nicht bezahlen: entweder man ist eingeladen oder man kann nicht teilnehmen. Und wenn wir tief in unserem Gewissen nicht diese Gewissheit verspüren, eingeladen zu sein, dann haben wir nicht verstanden, was es heißt, ein Christ zu sein. Wir sind gratis eingeladen worden, einzig und allein aus göttlicher Gnade, aus reiner Liebe des Vaters. Jesus hat uns mit seinem Blut diese Möglichkeit eröffnet.«

Papst Franziskus klärte anschließend, was die Einladung des Herrn für jeden Christen ganz konkret heiße: es sei keine Einladung, »einen Spaziergang zu machen«, sondern eine Einladung »zu einem Fest, zur Freude: zur Freude, gerettet zu sein, zur Freude, erlöst zu sein«, zur Freude, das Leben mit Jesus zu teilen. Und er gab auch zu verstehen, was unter dem Begriff »Fest« zu verstehen sei: »eine Zusammenkunft von Menschen, die reden, lachen, feiern, die glücklich sind«, sagte er. Aber der wichtigste Punkt sei eben die »Zusammenkunft« vieler Personen. »Ich habe bei geistig normalen Menschen noch nie jemand gesehen, der alleine ein Fest feiert: das wäre ein bisschen langweilig!« erklärte er, wobei er das traurige Bild eines Menschen ins Gedächtnis rief, der »eine Flasche Wein öffnen« will, um mit sich alleine anzustoßen.

Das Fest setze also voraus, dass man in Gesellschaft sei, »mit anderen Menschen zusammen, in der Familie oder mit Freunden«. Kurz, das Fest »feiert man zusammen«. Deshalb impliziere das Christ-Sein »Zugehörigkeit. Man gehört diesem Leib an«, der aus »Menschen besteht, die zum Fest geladen sind«; zu einem Fest, das »uns alle vereint«, ein »Fest der Einheit«.

Die Schriftlesung aus dem Lukasevangelium führe unter anderem »die Liste derer an, die eingeladen sind«: die Armen, die Krüppel, die Blinden und die Lahmen. »Die, die Probleme haben«, betonte der Papst, »und die ein bisschen von der Normalität der Stadt ausgegrenzt sind, die werden die ersten bei diesem Fest sein.« Aber es sei Platz auch für alle anderen; ja, die Version des Matthäus sei noch deutlicher: »alle, die Guten wie die Bösen«. Und aus diesem »alle« zieht Papst Franziskus die Konsequenz, dass »die Kirche nicht nur für die guten Menschen da ist«, sondern dass »auch die Sünder, wir Sünder, alle eingeladen worden sind«, um »eine Gemeinschaft« ins Leben zu rufen, »die über unterschiedliche Gaben verfügt«. Eine Gemeinschaft, in der »alle irgend eine Qualität, eine Tugend haben«, denn das Fest werde veranstaltet, indem alle das, was jeder einzelne hat, miteinander teilen.

Kurz, »an diesem Fest nimmt man mit allem teil, was man ist und hat«. Man kann sich nicht darauf beschränken zu sagen: »Ich gehe zum Fest, aber ich halte beim ersten Gruß ein, weil ich nur mit den drei oder vier Personen zusammen sein kann, die ich kenne.« Denn »das kann man in der Kirche nicht machen: entweder du trittst mit allen anderen ein oder du bleibst draußen. Du kannst keine Auslese vornehmen.«

Ein weiterer Aspekt, den der Papst analysiert hat, betrifft die Barmherzigkeit Gottes, die selbst noch die erreicht, die die Einladung ablehnen oder die zwar so tun, als nähmen sie sie an, die aber nicht wirklich voll am Fest teilnehmen. Der Ausgangspunkt hierfür war erneut das Lukasevangelium, das die Ausreden auflistet, die einige der allzu beschäftigten Geladenen vorgebracht hatten. Sie »nehmen nur dem Namen nach am Fest teil: sie nehmen die Einladung nicht an, sie sagen Ja«, in Wirklichkeit aber sagen sie Nein. Für Papst Franziskus sind sie die Vorhut jener »Christen, die sich damit begnügen, auf der Einladungsliste zu stehen. ›Aufgelistete‹ Christen.« Aber leider sei »das Aufgelistet-Sein als Christ nicht genug. Wenn du nicht zum Fest kommst, bist du kein Christ; du magst auf der Gästeliste stehen, aber das hilft dir nichts, wenn es um deine Erlösung geht«, mahnte der Papst.

Seine Gedanken zusammenfassend listete der Papst fünf Bedeutungen auf, die mit dem Bild des »in die Kirche gehen« zusammenhängen, folglich also auch damit, »in die Kirche einzutreten«. Es handle sich in erster Linie um »eine Gnade, um eine Einladung: man kann sich dieses Recht nicht kaufen«.

An zweiter Stelle bedeute es, »Gemeinschaft herzustellen, all das, was wir haben, mit allen anderen teilen: die Tugenden, die Qualitäten, die der Herr uns geschenkt hat; einer im Dienste des anderen«. Überdies erfordere das, »bereit zu sein für das, was der Herr von uns verlangt«. Und es heiße auch, dass man »keine Sonderwege oder separate Türen verlangen dürfe«.

Schließlich heiße es, »Teil des Volkes Gottes zu werden, das auf die Ewigkeit zugeht« und in dem »niemand die Hauptperson ist«, denn »wir haben Einen, der alles getan hat«, und er allein könne »die Hauptperson« sein. Daraus leitet sich die Mahnung des Papstes ab, uns »alle hinter ihn zu stellen; und wer ihm nicht folgt, ist einer, der Entschuldigungen vorbringt«. Wie jene, die sagten: »Ich habe das Feld gekauft, ich habe geheiratet, ich habe die Ochsen gekauft, aber ich kann ihm nicht folgen.«

Sicher, so warnte der Heilige Vater, »der Herr ist sehr großherzig« und »öffnet alle Türen«. Er »versteht auch den Menschen, der zu ihm sagt: Nein, Herr, ich will nicht zu dir kommen. Er versteht ihn und wartet auf ihn, da er barmherzig ist.« Aber er akzeptiere keine Lügen: »Dem Herrn«, so bemerkte er, »gefällt ein Mensch nicht, der zwar Ja sagt, aber dem Nein entsprechend handelt. Der so tut, als danke er ihm für viele schöne Dinge, der in Wirklichkeit aber seinen eigenen Weg geht; der gute Manieren hat, aber seinen eigenen Willen tut, nicht den des Herrn.«

Das ist der Anlass für die abschließende Einladung des Papstes, der dazu aufforderte, Gott um die Gnade zu bitten, zu verstehen, »wie schön es ist, zum Fest eingeladen zu sein, wie schön es ist, die eigenen Qualitäten mit allen Menschen zu teilen, wie schön es ist, mit Ihm zusammen zu sein«; und andererseits wie »hässlich es ist, zwischen dem Ja und dem Nein hin und herzulavieren; Ja zu sagen, sich aber damit zufriedenzugeben «, im Verzeichnis der Christen »aufgelistet« zu sein.

 

 



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