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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Warum man in den Tempel geht

Freitag, 22. November 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 49, 6. Dezember 2013

 

Es gibt den Tempel, »um Gott anzubeten«. Und aus eben diesem Grunde ist er »der Bezugspunkt der Gemeinschaft«, die sich aus Menschen zusammensetzt, die ihrerseits »ein geistiger Tempel sind, in dem der Heilige Geist wohnt«. Die Reflexion von Papst Franziskus in der Predigt der Messe, die er am Freitag, 22. November, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte, setzte sich mit »der wahren Bedeutung des Tempels« auseinander.

Wie üblich ging die Reflexion des Papstes von den Schriftlesungen zum Tage aus, vor allem vom Text aus dem ersten Buch der Makkabäer (4,36-37.52-59), in dem die Rede ist von der neuerlichen Weihe des Tempels durch Judas, sowie von der Lesung aus dem Lukasevangelium, wo von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel berichtet wird (19,45-48).

Die von Judas Makkabäus vorgenommene Reinigung und erneute Weihe des Tempels, der im Lauf der Geschichte während der Kriege auch »zerstört« worden war, war keineswegs die erste, erläuterte der Papst. »Wir erinnern uns daran, wie Nehemia den Tempel wieder aufbaute.« Und so denkt auch Judas Makkabäus nach seinem Sieg an den Tempel: »Unsere Feinde sind nun vernichtend geschlagen. Wir wollen den Tempel reinigen und ihn neu weihen.« Eine Reinigung und eine Neuweihe, die erforderlich geworden sind, »weil die Heiden das Heiligtum für ihren Kult genutzt hatten«. Folglich »musste man reinigen, neu weihen«.

Die zugrunde liegende Botschaft ist für Papst Franziskus »sehr wichtig: der Tempel als ein Bezugspunkt für die Gemeinschaft, ein Bezugspunkt für das Volk Gottes«. Und aus dieser Perspektive heraus ließ der Papst auch »den Weg des Tempels durch die Geschichte« vorbeiziehen, der »mit der Bundeslade beginnt; dann ließ Salomo ihn erbauen; dann wird er ein lebendiger Tempel: Jesus Christus, der Tempel. Und er wird in der Herrlichkeit enden, im himmlischen Jerusalem.« »Den Tempel neu weihen, um Gott zu ehren« ist folglich der eigentliche Sinn der Geste des Judas Makkabäus, gerade weil »der Tempel der Ort ist, an dem die Gemeinschaft zusammenkommt, um zu beten, den Herrn zu loben, ihm zu danken, vor allem aber um anzubeten.« In der Tat »wird im Tempel der Herr angebetet. Das ist der wichtigste Punkt«, betonte der Papst. Und diese Wahrheit gelte für jeden Tempel und für alle liturgischen Feiern, wo »die Anbetung das Wichtigste ist«, und nicht »die Gesänge und die Riten«, so schön sie auch sein mögen. »Die ganze dort versammelte Gemeinde«, erläuterte er, »schaut auf den Altar, an dem das Opfer dargebracht wird, und betet an. Aber ich glaube, ich sage das ganz demütig, dass wir Christen vielleicht ein wenig den Sinn für die Anbetung verloren haben. Und wir denken: wir gehen in das Gotteshaus, wir versammeln uns als Brüder, und das ist gut, es ist schön. Aber der Mittelpunkt ist da, wo Gott ist. Und wir beten Gott an.«

Papst Franziskus forderte daher dazu auf, die Gelegenheit zu nutzen, um über die Einstellung nachzudenken, die man haben sollte: »Sind«, so fragte er, »unsere Gotteshäuser Orte der Anbetung? Fördern sie die Anbetung? Begünstigen unsere Liturgiefeiern die Anbetung?« Judas Makkabäus und das Volk waren voller Eifer für den Tempel, weil er das Haus Gottes ist, die Wohnstatt Gottes. Und sie gingen als Gemeinschaft hin, um Gott dort zu finden, um anzubeten.« Wie der Evangelist Lukas erzählt, »reinigt auch Jesus den Tempel«. Aber er tut das »mit einer Geißel aus Stricken in der Hand«. Er fängt an, »die heidnischen Verhaltensweisen auszutreiben, in diesem Fall die Händler, die dort verkauften und den Tempel in eine Reihe kleiner Läden verwandelt hatten, um Geschäfte zu machen, um Geld und fremde Währungen zu wechseln «. Jesus reinigt den Tempel und ermahnt: »In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein«, und »nicht etwas anderes. Der Tempel ist ein heiliger Ort. Und wir müssen in ihn eintreten, in die Sakralität, die uns zur Anbetung führt. Es gibt nichts anderes.«

Ferner, so fuhr der Papst fort, »sagt der heilige Paulus, dass wir Tempel des Heiligen Geistes sind: ich bin ein Tempel, der Geist Gottes ist in mir. Und er sagt uns auch: Betrübt den Geist Gottes nicht, der in euch wohnt.« In diesem Fall, so präzisierte er, können wir von »einer Art von Anbetung« sprechen, »doch von einer Art von Anbetung, die das Herz ist, das den Geist des Herrn in sich sucht. Und das weiß, dass Gott in ihm ist, dass der Heilige Geist in ihm ist und das auf ihn hört und ihm folgt. Auch wir müssen uns einer ständigen Läuterung unterziehen, weil wir Sünder sind: uns durch das Gebet reinigen, durch die Buße, durch das Sakrament der Versöhnung, durch die Eucharistie.«

Und so, erläuterte der Heilige Vater, »soll unsere Haltung in diesen beiden Tempeln – dem Tempel, der der materielle Ort der Anbetung ist sowie der geistige Tempel in meinem Inneren, in dem der Heilige Geist wohnt – die Haltung der Frömmigkeit sein, die anbetet und zuhört; die betet und um Vergebung bittet; die den Herrn preist.« Und »wenn man über die Freude des Tempels spricht, dann ist gerade hiervon die Rede: die ganze Gemeinde in Anbetung, im Gebet, im Dank, im Lobpreis. Ich im Gebet mit dem Herrn, der in mir ist, weil ich Tempel bin; ich als Hörender; ich in der Haltung der bereitwilligen Verfügbarkeit.«

Papst Franziskus schloss seine Predigt mit der Aufforderung zu beten, damit »der Herr uns diesen wahren Sinn des Tempels gewähren möge, um in unserem Leben der Anbetung und des Hörens auf Gottes Wort vorangehen zu können«.

 

 



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