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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTAE"

 

Das Geheimnis braucht keine Werbung

Freitag, 20. Dezember 2013

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 2, 10. Januar 2014

 

Das Geheimnis der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen sucht nicht die Öffentlichkeit, denn dann wäre es nicht mehr wahrheitsgetreu. Es erfordert vielmehr den Stil der Stille. An jedem von uns liegt es, gerade in der Stille die Merkmale des Geheimnisses Gottes im persönlichen Leben zu entdecken. Wenige Tage vor Weihnachten lud Papst Franziskus mit einer eindrücklichen Reflexion über die Stille dazu ein, diese zu lieben und zu suchen, wie es Maria getan habe. Auf ihr Zeugnis wies er in der heiligen Messe am Morgen des 20. Dezember in der Kapelle der Casa Santa Marta hin.

Seine Reflexion ging aus vom in der Liturgie verlesenen Abschnitt aus dem Lukasevangelium (1,26-38), beginnend bei den »vielsagenden Worten «, die der Engel an die Jungfrau Maria richte: »Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten«, worin auch eine Anspielung auf die heutige Erste Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (7,10-14) enthalten sei.

Der Papst erklärte dazu: »Es ist der Schatten Gottes, der in der Heilsgeschichte stets das Geheimnis behütet. Es ist der Schatten Gottes, der das Volk Israel in der Wüste begleitet.« Die gesamte Heilsgeschichte zeige, dass »der Herr das Geheimnis immer bewahrte, dass er das Geheimnis bedeckte. Er hat keine Werbung für das Geheimnis gemacht.« Denn »das Geheimnis, das Werbung für sich selbst macht, ist nicht christlich. Es ist nicht das Geheimnis Gottes. Es handelt sich nur um ein fingiertes Geheimnis.« Dies bestätige gerade das heutige Evangelium, so Papst Franziskus: Denn als die Muttergottes vom Engel die Verkündigung des Sohnes empfange, »bleibt das Geheimnis ihrer persönlichen Mutterschaft verborgen «.

Und das sei eine Wahrheit, die auch uns alle betreffe. »Dieser Schatten Gottes in uns, in unserem Leben hilft uns, unser Geheimnis zu entdecken: unser Geheimnis der Begegnung mit dem Herrn, unser Geheimnis des Lebensweges mit dem Herrn.« Denn »jeder von uns«, so erklärte der Heilige Vater, »weiß, wie der Herr geheimnisvoll in seinem Herzen, in seiner Seele wirkt. Und welches die Wolke, die Kraft ist, was der Stil des Heiligen Geistes ist, um unser Geheimnis zu verbergen. Diese Wolke in uns, in unserem Leben, heißt Stille. Die Stille ist genau diese Wolke, die das Geheimnis unserer Beziehung mit dem Herrn, unserer Heiligkeit, unserer Sünden bedeckt.«

Dies sei ein Geheimnis, das »wir nicht erklären können. Aber wenn es in unserem Leben keine Stille gibt, dann verliert sich das Geheimnis, es verschwindet«. Daher sei es wichtig, »das Geheimnis in der Stille zu bewahren: das ist die Wolke, das ist die Kraft Gottes für uns, das ist die Kraft des Heiligen Geistes«.

Papst Franziskus verwies in diesem Zusammenhang erneut auf das Zeugnis der Jungfrau Maria, die diese Stille ihr ganzes Leben lang bis ins Tiefste gelebt habe: »Ich denke daran, wie oft sie geschwiegen hat, wie oft sie nicht gesagt hat, was sie spürte, um das Geheimnis der Beziehung mit ihrem Sohn zu behüten.« Und der Papst fügte hinzu: »Paul VI. hat uns allen in Nazaret 1964 gesagt, dass es für uns notwendig ist, die Stille zu erneuern, zu vermehren, zu verstärken.«

Anschließend betrachtete der Papst die »Stille der Muttergottes unter dem Kreuz« und fasste in Worte, was sie gedacht haben mag, wie das auch Johannes Paul II. schon getan hatte. Tatsächlich überliefere das Evangelium in diesem Zusammenhang kein Wort der Muttergottes. Maria war »still, aber was mag sie alles in ihrem Herzen zum Herrn gesagt haben« in jenem entscheidenden Augenblick der Geschichte. Möglicherweise habe Maria an die Worte des Engels über ihren Sohn gedacht, die im Tagesevangelium verlesen worden waren: »An jenem Tag hast du mir gesagt, dass er groß sein würde! Du hast gesagt, dass du ihm den Thron seines Vaters David geben würdest und dass er in Ewigkeit herrschen würde! Aber jetzt sehe ich ihn hier«, am Kreuz. Maria »hat mit der Stille das Geheimnis bedeckt, das sie nicht verstand. Und mit der Stille ermöglichte sie dem Geheimnis, zu wachsen, zu blühen« und allen große »Hoffnung« zu schenken.

»Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten«: Die Worte des Engels zu Maria seien eine Gewähr für uns, dass »der Herr sein Geheimnis bedeckt«. Denn »das Geheimnis unserer Beziehung zu Gott, unseres Weges, unseres Heils kann nicht überall öffentlich verkündet werden. Die Stille bewahrt es.« Der Papst schloss seine Predigt mit der Bitte, dass »der Herr uns allen die Gnade schenken möge, die Stille zu lieben, sie zu suchen und ein Herz zu haben, das gehütet wird von der Wolke der Stille. Und so wird das Geheimnis, das in uns wächst, reiche Frucht bringen.«



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