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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

 

Mit Freude und Hoffnung

Freitag, 6. Mai 2016

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 20, 20. Mai 2016

 

Der Christ betäubt den Schmerz nicht, auch den größten Schmerz nicht, der den Glauben wanken lässt, und er lebt Freude und Hoffnung nicht so, als wäre ständig Karneval. Dagegen findet er den Sinn seines Lebens im Bild der gebärenden Frau: Wenn das Kind zur Welt gekommen ist, dann ist sie so glücklich, dass sie sich nicht mehr an ihre Schmerzen erinnert. Auf dieses eindrückliche Bild, das Jesus selbst gebraucht, verwies der Papst in der heiligen Messe am 6. Mai in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta.

Auf den Feiertag Christi Himmelfahrt Bezug nehmend unterstrich Franziskus zu Beginn der Predigt: »In der Liturgie von Christi Himmelfahrt bricht die Kirche in einen für sie unüblichen Jubel aus. Das erste Gebet am Anfang ist ein lauter Ruf: ›Es freue sich, Herr, deine Kirche!‹« Ja, »sie freue sich in der Hoffnung, zu leben und mit dem Herrn vereint zu werden: ›Es freue sich deine Kirche und juble laut!‹« Und im heutigen Tagesgebet »haben wir gebetet: ›Lenke unser Herz, dass wir auf Jesus schauen!‹« Diese Bitte »bringt die Freude zum Ausdruck, die die ganze Kirche erfüllt, Freude und Hoffnung: beides gehört zusammen«. Denn »eine Freude ohne Hoffnung ist ein bloßes Vergnügen, eine schnell vergängliche Freude«. Und »eine Hoffnung ohne Freude ist keine Hoffnung, sie reicht nicht über einen gesunden Optimismus hinaus«.

Daher »gehören Freude und Hoffnung zusammen«, erläuterte Franziskus. »Und beide bewirken diesen Ausbruch, dass die Kirche in ihrer Liturgie gleichsam fast – ich erlaube mir dieses Wort zu verwenden – ohne Scham ausruft: ›Es freue sich deine Kirche!‹, sie juble vor Freude, ohne zeremonielle Förmlichkeiten.« Denn »wenn die Freude stark ist, dann gibt es keine Förmlichkeiten: es herrscht Freude«. Der Papst wiederholte: »Es freue sich deine Kirche! Sie lebe in der Hoffnung, mit dem Herrn vereint zu werden!«, und: »Lenke unser Herz, dass wir auf Jesus schauen, der zur Rechten des Vaters thront.«

»Mit wenigen Pinselstrichen sagt uns die Kirche, wie die christliche Haltung aussehen muss: Freude und Hoffnung gemeinsam.« So »stärkt die Freude die Hoffnung, und die Hoffnung erblüht in der Freude«. »Beide, mit dieser Haltung, die die Kirche ihnen geben will – diese beiden christlichen Tugenden verweisen auf ein Hinausgehen aus uns selbst: der frohe Mensch verschließt sich nicht in sich selbst. Die Hoffnung trägt dich dorthin, sie ist gerade der Anker, der an das Ufer des Himmels reicht und dich hinausführt«. Daher »können wir mit Freude und Hoffnung aus uns selbst hinausgehen«. Diese Gedanken seien auch im Abschnitt des Johannesevangeliums (16,20-23) enthalten, so Franziskus. »Der Herr sagt uns, dass es Probleme geben wird und dass diese Freude und diese Hoffnung im Leben kein Karneval sind: sie sind etwas anderes und beinhalten auch, Schwierigkeiten entgegentreten zu müssen«. Der Papst verwies »auf das Bild, das der Herr im heutigen Evangelium gebraucht: die Frau in der Stunde der Geburt«: »Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.« Das sei es gerade, was »Freude und Hoffnung zusammen in unserem Leben bewirken, wenn wir in qualvollen Situationen sind, wenn wir Probleme haben, wenn wir leiden«. Es handle sich dabei ganz sicher nicht um »eine Betäubung: Schmerz ist Schmerz, aber wenn er mit Freude und Hoffnung gelebt wird, dann öffnet er die Tür für die Freude einer neuen Frucht«.

»Dieses Bild des Herrn wird uns in unseren Schwierigkeiten eine große Hilfe sein«, versicherte der Papst, auch in jenen »schlimmen Schwierigkeiten, die uns an unserem Glauben zweifeln lassen«. Aber »mit Freude und Hoffnung gehen wir voran, weil nach diesem Unwetter ein neuer Mensch kommt, wie bei der Frau, wenn sie gebiert«. Und »von dieser Freude und dieser Hoffnung sagt Jesus, dass sie dauerhaft sind, dass sie nicht vergehen«. »So seid auch ihr jetzt bekümmert«, sage Jesus im Evangelium zu den Jüngern. Doch er beruhige sie sofort: »Aber ich werde euch wieder sehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude.«

Das müsse betont werden, so Franziskus: »Die menschliche Freude kann von allem, von irgendeiner Schwierigkeit weggenommen werden. Aber diese Freude, die der Herr uns gibt, die uns jubeln lässt, die uns in der Hoffnung auf die Begegnung mit ihm aufrichtet, diese Freude kann niemand uns nehmen, sie ist dauerhaft – auch in den dunkelsten Augenblicken.«

»Freude, Hoffnung ist der Ruf der Kirche, die nach der Himmelfahrt Christi glücklich ist.« Franziskus erinnerte an »Lukas, der in der Apostelgeschichte sagt, dass die Jünger etwas traurig in den Himmel blickten, als der Herr wegging und sie ihn nicht mehr sahen«. Aber »die Engel sind es, die sie aufwecken und zum Gehen auffordern. Und dann steht im Lukasevangelium: ›Sie kehrten in großer Freude zurück.‹« Es sei gerade »jene Freude, zu wissen, dass unsere menschliche Natur in den Himmel eingetreten ist: zum ersten Mal!«

Franziskus schloss seine Meditation mit dem Wunsch, »dass der Herr uns die Gnade einer großen Freude schenken möge, die Ausdruck der Hoffnung sei, sowie eine starke Hoffnung, die in unserem Leben zur Freude wird«. Außerdem »möge der Herr diese Freude und diese Hoffnung behüten, so dass niemand uns diese Freude und diese Hoffnung nehmen kann«.

 



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