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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Der Schlussstein

Freitag, 28. Oktober 2016
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 46, 28. November 2016)

 

Jesus betet weiterhin für jeden einzelnen Menschen: das ist »das Fundament der Kirche« wie auch der Schlüssel zum Verständnis ihrer Sendung und ihres Mysteriums. Das bekräftigte Papst Franziskus im Rahmen der Frühmesse, die er am Freitag, 28. Oktober, in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte. »Was ist die Kirche?« Genau diese Frage werde in »den beiden Schriftlesungen zum heutigen Tage« beantwortet, die »eine Ankündigung, aber auch eine Katechese über die Kirche sind«, erklärte der Papst im Hinblick auf den Epheserbrief (2, 19-22) und auf das Tagesevangelium aus Lukas (6, 12-19). Tatsächlich »sagt uns Paulus, dass wir Mitbürger der Heiligen‹ sind – die Kirche verleiht uns dieses Bürgerrecht – und dass wir alle Teil eines wohlgeordneten Baues sind, um zu einem heiligen Tempel des Herrn zu werden: ›auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst‹«. Er »ist das Fundament der Kirche«, so erinnere uns Paulus.

»Im Lukasevangelium«, fuhr der Papst fort, »haben wir die Kirche am Werk, in Aktion gesehen: wie Jesus betet, die Apostel auswählt, jedem von ihnen einen Namen gibt, wie er Leib und Seele heilt und unter seinen Jüngern weilt; und auch diese enorme Menschenmenge, die versuchte, ihn zu berühren, weil von ihm eine Kraft ausging, die alle heilte«. Genau »das ist die Kirche, was Paulus uns lehrt, ist dieses Am-Werk-Sein«. Der Apostel bekräftige, dass »Jesus selbst der Schlussstein ist«; und in der Tat »gibt es keine Kirche ohne Jesus; er ist das Fundament der Kirche«. Franziskus machte darauf aufmerksam, dass »das Tagesevangelium mit Worten beginnt, die uns zum Nachdenken anregen: ›Jesus ging auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.‹« Und »dann folgt alles Weitere: die Menschen, die Erwählung der Jünger, die Heilungen, die Austreibung der unreinen Geister«. Also »ist Jesus der Schlussstein, ja: aber der betende Jesus«. Und »Jesus betet: er hat gebetet und betet auch weiterhin für die Kirche«. Also »ist der Schlussstein der Kirche der Herr, der sich vor dem Vater für uns verwendet, der für uns betet: wir beten zu ihm, aber die Grundlage ist er, der für uns betet«.

»Jesus hat stets für die Seinen gebetet«, so versicherte der Papst. »Beim Letzten Abendmahl«, erinnerte er, »hat er für die Jünger gebetet und den Vater gebeten: ›Heilige sie in der Wahrheit‹, begleite sie, aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben«. Überdies, so erläuterte der Papst, »betet Jesus, bevor er Wunder tut; denken wir etwa an die Auferweckung des Lazarus«, als er »zum Vater betet: ›Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.‹«

Auch »auf dem Ölberg betet Jesus; am Kreuz stirbt er im Gebet: sein Leben endete im Gebet«. Und »das ist unsere Gewissheit, das ist unser Fundament, das ist unser Schlussstein: Jesus, der für uns betet, Jesus, der für mich betet«. Daher »kann ein jeder von uns sagen: ›ich bin sicher, ich bin sicher, dass Jesus für mich betet, er ist beim Vater und nennt meinen Namen‹«. Das also »ist der Schlussstein der Kirche: Jesus, der betet«.

Aus dieser Perspektive heraus führte Franziskus die Stelle aus dem Evangelium an, »vor der Passion, als sich Jesus mit dieser Warnung an Petrus wendet, die wie ein Echo des ersten Kapitels aus dem Buch Ijob klingt: ›Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt«. Es »ist schön« sich vorzustellen, so versicherte der Papst, dass Jesus die Worte, die er zu Petrus sagt, »zu dir sagt, zu mir und zu allen: ›Ich habe für dich gebetet, ich bete für dich, ich bete in diesem Augenblick für dich‹«. Und »wenn er auf den Altar kommt, dann kommt er, um sich für uns zu verwenden, um für uns zu beten, so wie er es am Kreuz getan hat«. Das »schenkt uns eine großartige Gewissheit: Ich gehöre zu dieser Gemeinschaft, die zusammengehalten wird, weil sie Jesus als Schlussstein hat, aber Jesus, der für mich betet, der für uns betet«. Abschließend lud Papst Franziskus dazu ein,»über dieses Mysterium der Kirche nachzudenken: wir alle sind wie ein Bauwerk, aber das Fundament ist Jesus, Jesus, der für uns betet. Jesus, der für mich betet«.



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