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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Drei Stimmen

Donnerstag, 24. November 2016
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 49, 9. Dezember 2016)

 

Papst Franziskus sprach bei der heiligen Messe, die er am Donnerstagmorgen, 24. November, in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta feierte, über eine Reihe von zum Teil ganz praktischen biblischen Ratschlägen. Sie können dabei helfen, »die Stimme des Herrn« zu erkennen und zu hören, ohne dabei in die Versuchung von Korruption und Weltlichkeit zu geraten. Und sie können uns auch die Schönheit der stillen Anbetung wiederentdecken lassen.

»In dieser letzten Woche des Kirchenjahres«, so merkte der Papst zu Beginn an, »regt uns die Kirche zum Nachdenken über das Ende an, denn es wird ein Ende geben: ein Ende der Welt, das Ende eines jeden von uns«. Und »die Kirche will, dass wir darüber nachdenken, wie dieses Ende sein wird.« In diesen Tagen, so präzisierte er, »haben wir über die Lesungen nachgedacht. Heute möchte ich – ebenfalls in Anlehnung an die Lesungen – vor allem über drei Stimmen sprechen, von denen im Wortgottesdienst die Rede ist: ein Ruf, eine mächtige Stimme, ein Flüstern«. Die erste Stimme, die Franziskus näher darlegte, ist also der »Ruf«. Er bezog sich dabei auf den »lauten Ruf« des Engels aus der Offenbarung, von dem wir in der ersten Lesung aus der Offenbarung des Johannes (18,1-2.21-23; 19,1-3.9) gehört haben. Der Engel »rief mit gewaltiger Stimme: ›Gefallen, gefallen ist Babylon.‹« Dieses, so erläuterte der Papst, »säte in den Herzen der Menschen die Verderbtheit aus, es führte uns alle und führt uns noch immer auf den Weg der Verderbtheit«. »Die Verderbtheit«, so erläuterte er, »besteht darin, in der Gotteslästerung zu leben, die Verderbtheit ist eine Form der Gotteslästerung, die Ausdrucksweise dieses Babylon, dieser Weltlichkeit lästert Gott: ›Es gibt keinen Gott‹«, aber »es gibt den Gott Mammon, den Gott des Wohlstands, den Gott der Ausbeutung«.

Der Papst fuhr fort, indem er versicherte, dass »dieses Babylon, diese Weltlichkeit, diese Herrschaft der Welt, die die Großen dieser Welt verführt – einige kommen nicht zu Fall und sind heilig, andere fallen aufgrund der Macht der Verderbtheit, der ›Macht der Gotteslästerung‹ –, fallen wird, diese Zivilisation wird zu Fall kommen, und der Ruf des Engels ist ein Siegesschrei: ›Sie ist gefallen!‹« So endet Babylon, »das mit seiner Unzucht die Erde verdorben hat. Und das Reich der Eitelkeit, des Stolzes wird fallen, wie Satan gefallen ist, es wird fallen«.

Und dann ertöne die zweite Stimme, »mächtig, aber nicht die Stimme eines Engels«, wie Johannes im selben Abschnitt der Offenbarung berichtete: »Danach hörte ich etwas wie den lauten Ruf einer großen Schar im Himmel: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht ist bei unserm Gott.« Und »im Gegensatz zum Ruf des Engels, der ein Siegesschrei war, weil diese verderbte Stadt gefallen war, diese verderbte Zivilisation«, so erläuterte der Papst, »erhebt sich der Ruf der Menge, des Volks Gottes, der Lobruf: ›Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht sind bei unserm Gott. Seine Urteile sind wahr und gerecht.‹«

Das, so sagte der Papst, »ist die mächtige Stimme der Anbetung, der Anbetung des Gottesvolkes, und auch das Volk unterwegs, das noch auf Erden weilt«. Das Volk Gottes, so fuhr er fort, bestehe »aus Sündern, aber es ist nicht verderbt: ein Sünder, der es fertigbringt, um Vergebung zu bitten, ein Sünder, der nach dem Heil Jesu Christi strebt«. Und »dieses Volk freut sich, wenn es das Ende sieht: es ist die Freude des Sieges des Gottesvolkes, das zur Anbetung wird, das die mächtige Stimme der Anbetung ist«.

»Unsere Einstellung«, so sagte der Papst, »ist immer positiv. Wir können nicht einfach beim ersten Ruf des Engels stehenbleiben, wenn dieses andere nicht folgt, diese mächtige Stimme der Anbetung Gottes, des Herrn«. Der erste »Ruf« sei also »der Fall«. Und »der zweite dagegen ist die Anbetung«. Aber »um anbeten zu können, müssen wir bereits hier mit der Anbetung beginnen, und die Anbetung fällt den Christen nicht leicht: Wir sind gut darin, im Gebet um etwas zu bitten«. Und »wenn wir beten, sollen wir dem Herrn auch danken « oder »beten »für die anderen: wir sind tüchtig, wir sind dazu imstande, das zu tun«. Aber »anbeten, das Gebet der Anbetung, das müssen wir nun lernen, um es nicht dann überstürzt lernen zu müssen, wenn wir drüben ankommen«. Franziskus forderte dazu auf, vor den Herrn zu treten, »vor den Tabernakel, in der Stille« und »anzubeten «. Tatsächlich sei die Anbetung ein »schönes Gebet, weil dieses Gebet nur sagt: ›Du bist Gott, ich aber bin ein armseliger Sohn, der von dir geliebt wird«. Und »das ist sehr schön: anbeten«.

»Die dritte Stimme« schließlich, die der Papst anführte, »ist weder ein Ruf noch eine mächtige Stimme: es ist eine Flüsterstimme, es ist ein Flüstern«. Tatsächlich stehe in diesem Abschnitt aus der Offenbarung: »Schreib auf: ›Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist‹«. »Die Einladung des Herrn«, so erläuterte er, »ist immer eine Flüsterstimme, es ist eine süße Stimme, wie das Buch der Könige sagt. Gott spricht zu Elias, mit ›einem sanften, leisen Säuseln‹: wie schön! Die Stimme Gottes, wenn er zum Herzen spricht: das Flüstern Gottes ist wie ein sanftes leises Säuseln«. Das sei gerade »diese Einladung, dieses Versprechen, das er uns, dem Volk, gemacht hat: ›Darum will ich selbst sie verlocken. Ich will sie in die Wüste hinausführen und sie umwerben‹, mit dieser sanften Stimme«.

»Und das«, so versicherte der Papst, »diese Einladung, wird das Ende sein, unser Heil: die Einladung zum Hochzeitsmahl des Lammes«. Das »lässt uns daran denken, dass die, denen es gelungen ist, Zutritt zum Hochzeitmahl zu bekommen,  nach dem Gleichnis Jesu keineswegs die Geladenen waren, die sich geweigert hatten, hinzugehen; es waren vielmehr Leute, die an den Straßenkreuzungen saßen, gute und schlechte, blinde, taube, lahme Menschen, Sünder wie wir alle, die aber genug Demut hatten, zu sagen: ›Ich bin ein Sünder, und Gott wird mich retten‹«. Und »wenn wir das im Herzen haben, dann wird er uns einladen: Wir vernehmen dieses Säuseln, diese Stimme, die uns zuflüstert, dieses sanfte, leise Säuseln, das sagt: ›>Komm, komm zum Hochzeitsmahl‹«.

Abschließend erinnerte Franziskus daran, dass das Tagesevangelium aus dem Lukasevangelium (21, 20-28) »mit dieser Stimme endet: ›Wenn all das beginnt‹ – also die Vernichtung des Hochmuts, der Eitelkeit, all das – ›dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.« Das bedeute, dass »sie dich zur Hochzeit des Lammes einladen«. Und dann, so wünschte der Papst, »möge uns der Herr diese Gnade gewähren, diese Stimme zu erwarten, unsdarauf vorzubereiten, diese Stimme zu hören: ›Komm, komm, komm, mein treuer Diener, der zwar ein Sünder, aber doch treu ist: Komm, komm zum Hochzeitsmahl deines Herrn‹«.

 



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