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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Der Glaube wird in der Familie weitergegeben

Donnerstag, 3. Mai 2018
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 22, 1. Juni 2018)

 

In den großen Städten gibt es immer mehr ausländische Pflegekräfte und Betreuerinnen, die als zweite Mutter fungieren und mit der Konkretheit der Liebe und des Zeugnisses den Kindern den Glauben weitergeben, und vielleicht wäre es angebracht, dass die Eltern, die von Tausenderlei Verpflichtungen bei der Arbeit eingenommen sind, die Schönheit ihrer Rolle bei der Weitergabe des Glaubens an die Kinder neu entdecken und nicht auf den Katechismus in der Pfarrei oder irgendwelche gelegentliche Messbesuche warten. Am Donnerstag, den 3. Mai, lud Papst Franziskus bei der Messe in Santa Marta eindringlich dazu ein, Zeugen des Evangeliums zu sein, um Neugier bei denen zu wecken, die nicht glauben, und auf diese Weise die Arbeit des Heiligen Geistes zu beginnen. Er verband dies mit einem besonderen Gedanken für alle Eltern und einem Gebet für sie. Er riet außerdem, den Glauben nicht weiterzugeben, indem man Proselytismus betreibt oder Unterstützung sucht wie für eine Fußballmannschaft.

»Im Abschnitt aus dem Brief des heiligen Paulus an die Korinther ist von der Weitergabe des Glaubens die Rede«, erklärte Franziskus zunächst und bezog sich dabei auf den ersten Korintherbrief (15,1-8). Er wiederholte die vom Apostel geschrieben Worte: »Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe.« Gerade auf diese Weise »muss der Glaube weitergegeben werden: Ich gebe das, was ich empfangen habe, und Paulus zählt auf, was er empfangen hat.« Doch »der Glaube ist nicht nur das Aufsagen des Credo: der Glaube kommt im Credo zum Ausdruck, doch er ist mehr«. Denn wenn auch »alles, was wir glauben, im Credo steht, so geht die Haltung des Glaubens darüber hinaus. Er ist etwas anderes, etwas Größeres.«

Im Übrigen, so der Papst weiter, »besteht die Weitergabe des Glaubens nicht darin, zu informieren, sondern ein Herz zu formen, ein Herz im Glauben an Jesus Christus zu formen«. Aus diesem Grund »kann der Glaube nicht mechanisch weitergegeben werden«, indem man sage: »Da, nimm dieses Büchlein, studiere es und dann taufe ich dich.« Nein. »Der Weg der Glaubensweitergabe ist ein anderer: das weitergeben, was wir empfangen haben.«

Und genau »das ist die Herausforderung eines Christen: bei der Weitergabe des Glaubens fruchtbar zu sein«, betonte der Papst. Doch das sei »auch die Herausforderung für die Kirche: fruchtbare Mutter zu sein, Kinder im Glauben zu gebären«, fügte er hinzu und erklärte: »Das ist keine Übertreibung: wir sagen dies bei der Feier der Taufe«. Also: »die Kirche ›gebiert‹, sie ist ›Mutter‹ «. Und in dieser Perspektive unterbreitete Franziskus »zwei Leitlinien für die Weitergabe des Glaubens«.

»Die Kirche ist Mutter und gibt den Glauben in der Liebe weiter, immer in einer Atmosphäre der Liebe«, so der Papst, der in Erinnerung rief: »Man kann den Glauben nicht ohne diese mütterliche Atmosphäre weitergeben.« Jemand habe daher »sehr schön geschrieben«, dass »der Glaube nicht gegeben wird, sondern dass er geboren wird«. Es sei demnach »die Kirche, die in uns den Glauben gebiert: die Weitergabe des Glaubens geschieht immer in der Atmosphäre der Liebe, der Mutter Kirche, sie geschieht zuhause«. Der heilige Paulus selbst »erinnert Timotheus mit einem schönen Wort daran: ›Ich erinnere dich an den Glauben deiner Mutter und deiner Großmutter.‹« Franziskus erklärte: »Das ist der Glaube, der von Generation zu Generation wie ein Geschenk weitergegeben wird.« Doch immer »in der Liebe, in der Liebe der Familie: dort wird der Glaube weitergegeben, nicht nur mit Worten, sondern mit Liebe, mit Liebkosungen, mit Zärtlichkeit«.

Der Papst rief in diesem Zusammenhang erneut die Eposode aus dem Buch der Makkabäer in Erinnerung, »als jene Frau ihren sieben Kindern angesichts des Martyriums Kraft schenkte: Im Text heißt es zwei Mal, dass jene Frau mit ihren Kindern in der Muttersprache redete. Sie sprach im Dialekt, sie schenkte ihnen Kraft im Glauben, doch in der Sprache der Mutter.« Denn »der wahre Glaube wird immer im Dialekt weitergegeben: im Dialekt der Liebe, der Familie, des Hauses, dessen, was man sofort versteht«. »Vielleicht ist die Sprache dieselbe, doch da ist etwas an Dialekt, und dort wird der Glaube ›mütterlich‹ weitergegeben.«

Im Grunde sei es so, erklärte der Papst: Wenn die »erste Haltung zur Weitergabe des Glaubens die Liebe ist, so besteht eine weitere Haltung im Zeugnis«. In Wirklichkeit »bedeutet die Weitergabe des Glaubens nicht, Proselytismus zu betreiben: das ist etwas anderes, es ist noch mehr«. Gewiss »bedeutet das nicht, Leute zu suchen, die diese Fußballmannschaft, diesen Club, dieses Kulturzentrum unterstützen: das ist schon gut, aber beim Glauben ist der Proselytismus nicht in Ordnung«. »Das hat Benedikt XVI. gut gesagt: ›Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung.‹« Und »heute feiern wir das Fest von zwei Aposteln, Philippus und Jakobus, die ihr Leben hingegeben haben, die den Glauben durch das Zeugnis weitergegeben haben.«

Den Glauben bezeugen. Dazu erzählte der Papst eine persönliche Erinnerung: »Während einer der Weltjugendtage, ich glaube es war in Krakau, fragte mich bei einem Mittagessen mit den Jugendlichen einer von ihnen: ›Ich habe einen Freund, der ist gut und tüchtig, ich habe ihn gern. Was soll ich ihm sagen, damit er sich bekehrt?‹« Und die klare Antwort des Papstes lautete: »Besser, wenn man ihm nichts sagt, sondern handelt. Und er wird sich fragen: Warum verhält sich dieser Mensch so? Warum handelt dieser Mensch so, wenn es normal ist, dass Gegenteil zu tun? Gib Zeugnis.«

Es sei eine Tatsache, erklärte der Papst: »Das Zeugnis erweckt Neugier im Herzen des Anderen, und jene Neugier nimmt der Heilige Geist auf«, der beginne, »im Inneren« zu arbeiten. Und so »glaubt die Kirche durch Anziehung, sie wächst durch Anziehung, und die Weitergabe des Glaubens vollzieht sich durch das Zeugnis, bis hin zum Martyrium«. Gerade »wenn diese Übereinstimmung des Lebens mit dem, was wir sagen, sichtbar ist, wird immer Neugier erweckt werden: ›Ja, warum lebt der so? Warum führt er ein Leben im Dienst an den anderen?‹« Und »jene Neugier ist der Same, den der Heilige Geist nimmt und weiterbringt. Die Weitergabe des Glaubens macht uns gerecht, sie rechtfertigt uns.«

Das heißt, »der Glaube rechtfertigt uns und in der Weitergabe lassen wir den anderen wahre Gerechtigkeit zuteil werden«. Im Grund »ist es einfach«, was Paulus an die Korinther schreibt: »Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe.« Diese Worte riefen »die Weitergabe des Glaubens in der Liebe, zuhause in Erinnerung«. Doch »oftmals ist zu hören, wie zuhause gesagt wird: ›Wenn das Kind in den Katechismusunterricht gehen wird, dann wird es das lernen.‹« »Häufig sind es die Tagesmütter, Frauen mit Glauben, die weitergeben, jene, die geben, die den Glauben an die Kinder weitergeben; auch Kinderbetreuerinnen aus dem Ausland. « Vielleicht »arbeiten die Eltern. Sie mögen vielleicht auch zur Messe gehen, ein, zwei, drei Mal im Jahr. Vielleicht gehen sie mal zur heiligen Messe, sie sind katholisch. Doch sie verstehen es nicht, den Glauben weiterzugeben; und da sind es die Betreuerinnen, die den Glauben weitergeben.«

Das, so der Papst, »ist eine Tatsache, die in den großen Städten und auch hier in Italien Tag für Tag zu sehen ist«. Der Glaube werde »mit Liebe« weitergegeben und »die Betreuerin ist es, die liebkost, die sich um das Kind kümmert, die es großzieht, die der Mama hilft. Sie ist wie eine zweite Mutter.« Und »das heißt es, den Glauben in der Liebe, im Zeugnis weiterzugeben«. Denn es gehe nicht darum, »irgendetwas weiterzugeben, eine Philosophie«, sondern darum, etwas weiterzugeben, das dich rechtfertigt, das dich in den Augen Gottes gerecht macht«.

Abschließend lud der Papst dazu ein, »zum Herrn für die vielen Eltern« zu beten, »dass sie sich darum kümmern, dass sie wissen: die Weitergabe des Glaubens ist etwas Großes, sehr Schönes, sehr Schönes«. Und auch »für die vielen Christen« solle man beten, »damit der Herr uns allen die Kraft schenke, Zeugnis zu geben und mit dem Zeugnis Neugier zu säen. Dann bedient sich der Heilige Geist jener Neugier und öffnet das Herz für den Empfang des Glaubens.«

 



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