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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Zur Freundschaft bestimmt

Montag, 14. Mai 2018
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 23/24, 8. Juni 2018)

 

Alle Christen haben die Freundschaft Jesu als Geschenk empfangen: »Unsere Bestimmung ist es, seine Freunde zu sein.« Und Jesus bleibt »diesem Geschenk treu«, auch wenn »wir uns aufgrund unserer Schwäche von ihm entfernen«. Dies ist die Lehre, die Papst Franziskus den Lesungen der heiligen Messe am 14. Mai, Fest des heiligen Apostels Matthias, entnahm. »In der heutigen Liturgie«, so der Papst, »findet sich ein Wort, das oft wiederholt wird«: es handle sich um »das Wort ›Bestimmung‹«. Doch »wir dürfen es nicht als Synonym für das Wort ›Zufall‹ nehmen, nein. Bestimmung meint hier nicht ›zufällig‹ «. Denn »im Tagesgebet haben wir gebetet: ›O Herr, gewähre uns, die wir das Geschenk deiner Freundschaft als Bestimmung empfangen haben, in dieser Liebe fortzuschreiten, Auserwählte zu sein in Treue zu unserer Auserwählung.‹« Das war das Stichwort für die Betrachtung zum Thema der Freundschaft jedes Christen mit Jesus. »Wir haben dieses Geschenk als Bestimmung empfangen: die Freundschaft des Herrn. Das ist unsere Berufung: als Freunde des Herrn zu leben, Freunde des Herrn«, wiederholte der Papst zwei Mal. Und dasselbe Geschenk hätten auch die Apostel empfangen: »Noch stärker, doch dasselbe.«

Den Begriff in unsere Wirklichkeit hineinversetzend unterstrich Franziskus, dass »alle Christen, dass wir alle dieses Geschenk empfangen haben: die Offenheit, den Zugang zum Herzen des Herrn, zur Freundschaft Jesu. Wir haben als Bestimmung das Geschenk deiner Freundschaft empfangen. Unsere Bestimmung ist es, deine Freunde zu sein.« Der Papst ging auf die Merkmale dieses Geschenks ein und hob vor allem hervor, dass es sich um »ein Geschenk handelt, das der Herr immer bewahrt« und dass »er diesem Geschenk treu ist«. Während wir hingegen dies »oft nicht sind und uns entfernen, mit unseren Sünden, mit unseren Launen und vielen anderen Dingen«.

Dagegen »ist er der Freundschaft treu, da er uns berufen hat, sie zu leben. Er hat uns dazu auserwählt, seine Freunde zu sein: ›Ich nenne euch nicht mehr Knechte‹, sagt er im Evangelium (Joh 15,9-17). ›Vielmehr habe ich euch Freunde genannt.‹ Und dieses Wort bleibt bis zum Ende.« Diesbezüglich forderte der Papst auf, aufmerksam daran zu denken, »was das letzte Wort ist«, das Jesus »genau in dem Augenblick an Judas richtet, als dieser ihn ausliefert: Er sagt ›Freund‹, er erinnert ihn daran. Denn er ist treu.« Der Herr »sagt nicht: ›Geh weg, denn du hast dich von mir entfernt. Geh weg‹. Nein! Bis zum Ende ist er diesem Geschenk treu, das er uns allen gegeben hat: dem Geschenk der Freundschaft.«

Der Papst setzte seine Betrachtungen fort: »Jesus ist unser Freund. Und Judas ist, wie es hier heißt, seinem neuen Los gefolgt, hin zu seinem Schicksal, das er frei wählte. Er entfernte sich von Jesus.« Und dieses »sich von Jesus entfernen«, erklärte Franziskus, nenne sich »Apostasie. Ein Freund, der zum Feind wird, oder ein Freund, der gleichgültig wird, oder ein Freund, der zum Verräter wird.« Während »der Herr nicht verleugnet, bis zum Ende ist er dort: ›Judas, Freund‹. Bis zum Ende.« Und das, riet Franziskus, »muss uns nachdenklich machen«.

Im Übrigen stelle auch die Lesung aus der Apostelgeschichte (1,15-17.20-26) heraus, »dass Matthias an der Stelle des Judas erwählt wurde, um Zeuge der Auferstehung zu sein, Zeuge dieses Geschenks der Liebe, der Freundschaft. Mehr als Liebe ist es Freundschaft, was Vertrautheit in der Liebe bedeutet. Denn Jesus selbst sagt: ›Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.«

Denn »der Freund ist der, der seine Geheimnisse mit dem Anderen teilt«. Und da »wir als Los, das heißt als Bestimmung das Geschenk der Freundschaft Jesu empfangen haben, wie dies Judas empfangen hatte, wie dies Matthias empfangen hatte«, lud der Papst dazu ein, darüber nachzudenken: über die Tatsache, dass Christus »dieses Geschenk nicht verleugnet. Er verleugnet uns nicht, er wartet auf uns bis zum Ende. Und wenn wir uns aufgrund unserer Schwäche von ihm entfernen, dann wartet er. Er wartet. Er sagt weiterhin: ›Freund, ich warte auf dich. Freund, was willst du? Freund, warum verrätst du mich mit einem Kuss?‹« Denn, so der Papst, Jesus »ist treu in der Freundschaft«. Und »wir müssen ihn um diese Gnade bitten, in seiner Liebe zu bleiben, in seiner Freundschaft zu bleiben, in jener Freundschaft, die wir als Geschenk und Bestimmung von ihm empfangen haben«.

 

 



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