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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Handbuch für den Frieden

Dienstag, 4. Dezember 2018
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 51/52, 21. Dezember 2018)


In der einfachen Art der Handwerker »in Frieden leben in unserer Seele, zu Hause in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit, im Stadtviertel : Das ist die praktische Verpflichtung für den Advent – ein wahres Handbuch, um im Alltag Frieden zu schaffen, verbunden mit einer Gewissenserforschung für alle, auch für Kinder, so lautete die Anregung von Papst Franziskus bei der heiligen Messe in Santa Marta am Dienstag, 4. Dezember.

Für diese Betrachtung über den Frieden wies der Papst sofort darauf hin, dass in der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (11,1-10) »eine Verheißung gegeben wird, eine Verheißung der Zeiten, wenn der Herr kommen wird: das Volk wartete auf das Kommen des Heilands, des Befreiers, des Herrn«, erklärte er, »und der Prophet sagt, wie die Zeit sein wird, wenn er kommt«. »Er sagt, dass alles in Frieden sein wird, der Herr wird Frieden schaffen.«

Der Prophet, so Franziskus, »beschreibt diesen Frieden mit Bildern, die ein wenig bukolisch wirken, aber schön sind: So viel Friede wird es geben, dass ›der Wolf Schutz beim Lamm findet, der Panther beim Böcklein liegt. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus. Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg.‹«

Angesichts dieses Textes fragte sich der Papst, ob dies »möglich sein wird«. In der Tat »will Jesaja sagen, dass der Frieden des Herrn das Leben verwandeln kann, die Geschichte verwandeln kann, und Jesus wird Fürst des Friedens genannt, gerade weil er kommt, um diesen Frieden zu bringen, um uns diesen Frieden anzubieten«.

»Die Adventszeit ist eine Zeit, um uns auf dieses Kommen des Friedensfürsten vorzubereiten«, unterstrich der Papst erneut. Sie sei also »eine Zeit, um friedlich zu werden: vor allem selbst im Frieden zu sein, Frieden in der Seele zu haben«, weil »wir so oft nicht in Frieden sind. Wir sind besorgt, wir haben Angst, sind ohne Hoffnung, und die Frage, die der Herr uns stellt, lautet: ›Wie geht es deiner Seele heute, ist sie in Frieden?‹ – ›Äh, ich weiß es nicht.‹ – ›Aber schau, wenn sie nicht in Frieden ist, dann beginne diesen Weg, um Frieden zu haben.‹ – ›Aber ich kann nicht.‹« Doch »er«, der Friedensfürst, »kann es«, sagte der Papst und forderte dazu auf, »den Friedensfürst zu bitten: er bringt der Seele Frieden«.

In diesem Zusammenhang betonte Franziskus: »Der erste Schritt in dieser Adventszeit besteht darin, der Seele eines jeden Frieden zu bringen. « In Wirklichkeit »sind wir es gewohnt, auf die Seele anderer zu schauen: ›Aber schau dir den an, schau dir die an, was sie tun.‹« Stattdessen müssten wir auf unsere Seele schauen und uns selbst fragen: »Wie geht es dir? Was spürt dein Herz? Ist es in Frieden? Bist du wütend? Bist du ängstlich besorgt?« Also »bitten wir den Herrn um die Gnade, der Seele Frieden zu schenken, um sie auf die Begegnung mit ihm vorzubereiten«.

»Dann gibt noch etwas, wo Frieden herrschen muss, und zwar im Haus«, sagte der Papst und regte an, dass wir uns fragen sollten: »Wie steht es um den Frieden zu Hause?« Wir müssten immer Frieden in der Familie herstellen, denn »in den Familien gibt es so viele Traurigkeiten, so viele Kämpfe, so viele kleine Kriege, bisweilen so viel Uneinigkeit«. Und so »gibt es keinen Frieden: der eine ist gegen den anderen oder fordert den anderen heraus«. Deshalb schlug Franziskus vor: »Jeder soll sich fragen: Wie sieht es in meiner Familie aus? Ist sie in Frieden oder im Krieg? Ist sie vereint oder gibt es Uneinigkeit? Stehen noch alle Brücken zwischen uns oder sind da Mauern, die uns trennen?« Mit dem Ziel, »der Familie Frieden zu bringen«.

Es sei auch vonnöten, unsere Horizonte zu weiten, um »auf die Welt zu blicken«, so die Einladung des Papstes, »und zu sehen, dass es mehr Krieg als Frieden gibt: Es gibt so viel Krieg, so viel Uneinigkeit, so viel Hass, so viel Ausbeutung. Da ist kein Friede.« Doch »was tue ich, um zum Frieden in der Welt beizutragen?« Man könne sich rechtfertigen, indem man sage: »Die Welt ist zu weit weg.« So forderte der Papst dazu auf, zu prüfen: »Was tue ich, um den Frieden in der Nachbarschaft, in der Schule, am Arbeitsplatz zu unterstützen?

Habe ich immer eine Entschuldigung bereit, um in den Krieg zu ziehen, zu hassen und über andere schlecht zu reden? Das heißt Krieg führen! Bin ich sanftmütig? Versuche ich, Brücken zu bauen? Verurteile ich nicht?« Dies sei eine Frage, die auch die Kinder betreffe, die man fragen müsse: »Was machst du in der Schule, wenn da ein Klassenkamerad, eine Klassenkameradin ist, die du nicht magst, die ein bisschen unausstehlich oder schwach ist, mobbst du sie oder schließt du Frieden? Versuchst du, Frieden zu schließen? Verzeihe ich alles?« Der Stil müsse jener der »Handwerker des Friedens« sein, und dafür sei »diese Zeit des Advents notwendig, die Zeit der Vorbereitung auf das Kommen des Herrn, der der Friedensfürst ist«.

»Und der Friede«, so erklärte Franziskus, »geht immer weiter. Er bleibt nie stehen. Er erreicht einen Punkt und geht einen weiteren Schritt des Friedens, einen weiteren Schritt des Friedens: er ist fruchtbar.« Mehr noch, »der Friede geht von der Seele aus und kehrt zur Seele zurück, nachdem er diesen ganzen Weg des Friedenstiftens gegangen ist«. Daher »ist Frieden schließen ein wenig, als ahme man Gott nach, als er mit uns Frieden schließen und uns vergeben wollte, als er seinen Sohn gesandt hat, um Frieden zu stiften, der Fürst des Friedens zu sein«. Alle seien wir berufen, Handwerker des Friedens zu sein. Vielleicht »mag jemand sagen: ›Pater, ich habe nicht gelernt, wie man Frieden stiftet.

Ich bin kein gebildeter Mensch, ich weiß es nicht, ich bin jung, ich weiß nicht.‹ Doch es sei Jesus selbst, der uns im Tagesevangelium nach Lukas (10,21-24) sage, »was unsere Haltung sein muss: ›Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.‹« Nun, so wiederholte der Papst, »du hast nicht studiert, du bist kein Weiser«, aber: »Werde klein, werde demütig, werde zum Diener der anderen. Werde klein, und der Herr wird dir die Fähigkeit geben, zu verstehen, wie man Frieden stiftet, und die Kraft, dies zu tun«.

»In Frieden leben in unserer Seele, zu Hause in der Familie, in der Schule, bei der Arbeit, im Stadtviertel, in Frieden leben: das soll das Gebet dieser Adventszeit sein«, regte Franziskus an. Es gehe darum, »in Demut Frieden zu bringen, Frieden zu schließen«. Und »jedes Mal, wenn wir sehen, dass die Möglichkeit eines kleinen Krieges besteht, sowohl zu Hause als auch in meinem Herzen, sowohl in der Schule als auch bei der Arbeit, dann: innehalten und versuchen, Frieden zu stiften«. Vor allem »nie, nie den anderen verletzen, nie«. Und der erste Schritt, »um den anderen nicht zu verletzen« bestehe gerade darin, »nicht schlecht über die anderen zu reden, nicht ›den ersten Schuss abzugeben‹«. Mit einer Gewissheit: »Wenn wir alle genau das tun würden – nicht schlecht über die anderen reden –, dann würde der Friede vorankommen.«

»Möge der Herr unsere Herzen auf das Weihnachtsfest des Friedensfürsten vorbereiten«, so der Papst abschließend. Doch »er bereite uns vor, indem wir unseren Teil ganz tun, um Frieden zu stiften: in meinem Herzen Frieden schaffen; in meiner Seele, in meiner Familie, in der Schule, im Viertel, am Arbeitsplatz Frieden stiften«. Und so wahrhaft »Männer und Frauen des Friedens« sein.

 



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