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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"
 

Von der Wurzel her

Donnerstag, 20. Dezember 2018
 

(aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 2, 11. Januar 2019)

 

Das überraschende, entscheidende und revolutionäre Eintreten Gottes in die Geschichte »stürzt alles um«, so dass es »schwierig« sei, die richtigen Worte für eine Predigt zu finden. Der Papst, der am Donnerstag, 20. Dezember, in Santa Marta die Messe feierte, schlug daher vor, den Abschnitt aus dem Lukasevangelium »Wort für Wort« erneut zu lesen: ein konkreter geistlicher Vorschlag, um Weihnachten ernsthaft zu leben. »Der Abschnitt aus dem Lukasevangelium, den wir gehört haben«, merkte Franziskus in seiner Predigt sogleich an und bezog sich dabei auf das Tagesevangelium (1,26-38), »zeigt uns den entscheidenden Moment in der Geschichte, sozusagen den revolutionärsten«. Und in der Tat »ist es eine verworrene Situation, alles ändert sich, die Geschichte wird auf den Kopf gestellt«.

Aus diesem Grund »ist es schwer, über diesen Abschnitt zu predigen. Wenn wir an Weihnachten oder am Tag der Verkündigung das Glaubensbekenntnis sprechen, knien wir bei diesem Geheimnis nieder.« Das, so unterstrich der Papst eindringlich, »ist der Moment, der alles ändert, alles, von der Wurzel her: liturgisch ist heute der Tag der Wurzel«. Denn »die Antiphon, die heute die Bedeutung vorgibt, ist die Wurzel Jesse, aus der ›ein Spross‹ wächst«. Gott »erniedrigt sich, Gott tritt in die Geschichte ein und er tut dies mit seinem originellen Stil: einer Überraschung«. Und so »überrascht uns der Gott der Überraschungen einmal mehr«.

»Ich denke, es wird uns allen gut tun, an diesen Augenblick zu denken und diesen Abschnitt noch einmal zu hören«, schlug der Papst vor und fügte hinzu: »Denken wir, Wort für Wort, was an jenem Tag in einem abgelegnen Dorf einem vielleicht sechzehnjährigen Mädchen widerfahren ist, das keiner kannte.« Es war der »sechste Monat von Elisabets Schwangerschaft«, so der Papst, der dann den ganzen Abschnitt des Lukasevangeliums erneut las: »Im sechsten Monat wurde der Engel Gabrielvon Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: ›Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.‹ Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: ›Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.‹ Maria sagte zu dem Engel: ›Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?‹

Der Engel antwortete ihr: ›Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.‹ Da sagte Maria: ›Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.‹ Danach verließ sie der Engel.«

 



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