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GOTTESDIENST ZUM 100. GRÜNDUNGSJUBILÄUM DER
KONGREGATION FÜR DIE ORIENTALISCHEN KIRCHEN 
 

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

Basilika Santa Maria Maggiore
Donnerstag, 12. Oktober 2017

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Wir danken heute dem Herrn für die Gründung der Kongregation für die Orientalischen Kirchen und des Päpstlichen Orientalischen Instituts durch Papst Benedikt XV. vor hundert Jahren, im Jahr 1917. Zu jener Zeit wütete der Erste Weltkrieg; heute – wie ich bereits gesagt habe – erleben wir einen anderen Weltkrieg, auch wenn dieser in Stücken geführt wird. Und wir sehen, wie viele unserer christlichen Brüder und Schwestern der orientalischen Kirchen dramatische Verfolgungen und eine immer beunruhigendere Diaspora erfahren. Dies lässt viele Fragen aufkommen, viele »warum«, die jenen der ersten Lesung vom Tag aus dem Buch Maleachi (3,13-20a) ähneln.

Der Herr klagt vor seinem Volk und spricht so: »Was ihr über mich sagt, ist kühn […]. Doch ihr fragt: ›Was sagen wir denn über dich?‹ Ihr sagt: ›Es hat keinen Sinn, Gott zu dienen. Was haben wir davon, wenn wir auf seine Anordnungen achten und vor dem Herrn der Heere in Trauergewändern umhergehen? Darum preisen wir die Überheblichen glücklich, denn die Frevler haben Erfolg; sie stellen Gott auf die Probe und kommen doch straflos davon‹« (V. 13-15). Wie oft machen auch wir diese Erfahrung, und wie oft hören wir das in dem, was uns die Menschen, die uns ihr Herz öffnen, anvertrauen, und in den Beichten. Wir sehen die Bösen, jene, die skrupellos ihre Interessen verfolgen, die andere erdrücken, und es hat den Anschein, dass sie immer Erfolg haben: Sie bekommen, was sie wollen, und denken nur daran, das Leben zu genießen.

Daher die Frage: »Warum, Herr?« Diese Fragen des »Warum?«, die auch in der Heiligen Schrift immer wiederkehren, stellen wir uns alle. Und auf sie antwortet das Wort Gottes selbst. Gerade in diesem Abschnitt aus dem Buch des Propheten Maleachi ist zu lesen: »Der Herr horchte auf und hörte hin, und man schrieb vor ihm ein Buch, das alle in Erinnerung hält, die den Herrn fürchten und seinen Namen achten« (V. 16). Gott also vergisst seine Kinder nicht, seine Erinnerung gilt den Gerechten, jenen, die leiden, die unterdrückt werden und sich fragen: »Warum?« und die dennoch nicht aufhören, auf den Herrn zu vertrauen.

Wie oft stellte sich die Jungfrau Maria auf ihrem Weg die Frage: »Warum?« Doch in ihrem Herzen, das alles erwog, ließ die Gnade Gottes den Glauben und die Hoffung erglänzen. Und es gibt eine Weise, in die Erinnerung Gottes eine Bresche zu schlagen: unser Gebet, wie uns der Abschnitt aus dem Evangelium lehrt, den wir gehört haben (vgl. Lk 11,5-13). Wenn man betet, bedarf es des Mutes des Glaubens: darauf zu vertrauen, dass der Herr uns hört, den Mut, an die Tür zu klopfen. Der Herr sagt es uns: »Wer bittet, der empfängt; wer sucht,der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet« (V. 10). Und dazu bedarf es des Mutes.

Doch ich frage mich: Ist unser Gebet wirklich so? Nimmt es uns wirklich ein, nimmt es unser Herz ein, unser Leben? Verstehen wir es, an das Herz Gottes zu klopfen? Am Ende des Abschnitts aus dem Evangelium (vgl. V. 11-13) sagt Jesus: Ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet? Oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn ihr Väter seid, werdet ihr das Gute für eure Kinder tun. Und dann geht er weiter: Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel… Und wir erwarten, dass er mit folgenden Worten fortfährt: … euch Gutes geben. Stattdessen nein, das sagt er nicht! Er sagt: Er wird den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten. Gerade das ist die Gabe, das ist das »Mehr« Gottes. Was uns der Herr, der Vater mehr geben wird, ist der Geist: das also ist die wahre Gabe des Vaters. Der Mensch klopft mit dem Gebet an die Tür Gottes, um eine Gnade zu erbitten. Und er, der Vater ist, gibt mir diese und noch mehr: die Gabe, den Heiligen Geist.

Brüder und Schwestern, wir wollen lernen, an das Herz Gottes zu klopfen! Und wir wollen lernen, es mutig zu tun. Dieses mutige Gebet inspiriere und nähre auch euren Dienst in der Kirche. So wird euer Einsatz »zur rechten Zeit seine Frucht bringen« und ihr werdet wie Bäume sein, deren »Blätter nicht welken« (vgl. Ps 1,3).

 



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