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PASTORALBESUCH VON PAPST FRANZISKUS
IN DER RÖMISCHEN PFARREI "SS. SACRAMENTO A TOR DE' SCHIAVI"

Sonntag, 6. Mai 2018

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Begegnung mit den Gläubigen der Pfarrei

Homilie bei der Eucharistiefeier
 


Begegnung mit den Gläubigen

Mauro:

Herzlich Willkommen, Papst Franziskus! Danke, dass Sie hier bei uns in der Pfarrei des Allerheiligsten Sakraments in Tor de’ Schiavi sind. Danke. Ich bin Mauro, und gemeinsam mit einer Gruppe von Eltern kümmern wir uns um das Oratorium. Ich bin verheiratet, habe drei Kinder, und wir sind eine der vielen sogenannten »irregulären« Familien, aber hier haben wir immer offene Türen gefunden. Wir sind mit Liebe empfangen worden, so dass wir heute zum Mitarbeiterstab der Pfarrei gehören und uns persönlich in den Pfarreiaktivitäten engagieren. Hier fühlen wir uns zu Hause, ja vielmehr ist das unser Zuhause. Ich möchte Ihnen folgende Frage stellen: Wie können wir den Eltern, die ihre Kinder in die Pfarrei, zu den Aktivitäten bringen und bringen werden, verständlich machen, dass sie ihre Kinder nicht alleine lassen, sondern sie auf dem Weg begleiten und sie auch auf dem Weg des Glaubens erziehen? Damit so der Kern, der die Grundlage des Lebens, das Fundament des christlichen Lebens ist – die Familie –, einen besseren Zusammenhalt haben kann? Denn heutzutage wird uns gesagt, dass die Familie zu nichts mehr nütze ist… Danke.

Papst Franziskus:

Sie haben den Finger in die Wunde gelegt: Kinder, Jugendliche, die aufwachsen, die Familie, aber ohne Familie… Zu Hause. Der Vater ist bis über beide Ohren beschäftigt… Die Mutter ist beschäftigt, sie arbeitet… Und die Kinder wachsen ein wenig alleine auf, nicht wahr? Manchmal ist die Oma da, der Opa, die sehr helfen. Die Großeltern helfen, sie sind ein Schatz. Ein Applaus für die Großeltern! Diese Welt setzt die Großeltern auf die Liste des Ausgesonderten, denn das ist die Wegwerfkultur. Wer nicht produktiv ist, wer zu nichts nütze ist, der wird ausgesondert. Die Großeltern sind alt, sie werden ausgesondert. »Nein, nein! Die Großeltern haben eine Rente, und die brauche ich…« Ah, aus Eigennutz! Wenn es das gibt, dann sind die Großeltern etwas wert. Niemals die Großeltern ausgrenzen! Das nur en passant.

Jetzt zum Problem: Wenn die Kinder allein aufwachsen, aber nicht aus böser Absicht der Eltern, sondern weil es die Arbeit gibt, die Notwendigkeit der Arbeit… Und sie wachsen ohne jenen Dialog mit den Eltern auf. Die großen Werte des Lebens – der Glaube – werden nur »im Dialekt« weitergegeben, das heißt in der Sprache der Familie. Ja, sie werden viel lernen, aber jenen Glauben, den dich Vater, Mutter oder Großeltern lehren, jene Lebensweisheit, die du als Kind und zuhause lernst, die wird dich stark machen, und das ist es, was »im Dialekt« weitergegeben wird. Wenn du den Dialekt deines Zuhause lebst. Ja, in der Schule lernt man sehr viel, gute Dinge, Werte, aber die Grundwerte lernt man »im Dialekt«, sie werden »im Dialekt« weitergegeben. Es ist wichtig, dass man einen Weg sucht, um den Eltern zu helfen, dass sie mit ihren Kindern sprechen können.

Ein Vater hat mir einmal gesagt: »Wenn ich morgens zur Arbeit gehe, schlafen die Kinder noch. Und wenn ich abends zurückkomme, schlafen sie schon.« Nur am Sonntag, am Sonntag spricht er mit ihnen. Aber es ist diese Kultur, die so ist, denn sie versklavt, und die Arbeit nimmt das ganze Leben ein. Daher ist es wichtig, dass die Großeltern in die Familie hineinkommen, die Papa und Mama helfen, bei den Kindern zu sein, damit sie nicht allein aufwachsen. Nicht weil diese vielleicht etwas Schlechtes tun würden. Nein, nein. Aber sie werden mit einer gewissen Schwäche aufwachsen. Es ist ein Problem des »Vitamins«! Es ist das Problem des Vitamins, das die Familie gibt, das dir beim Heranwachsen Stärke verleiht. Wissen, dass die Mama und der Vater… Ich habe eine Angewohnheit: Wenn ich die Beichte eines Vaters oder einer Mutter höre, die relativ kleine Kinder haben – auch etwas größere, aber vor allem kleine –, dann frage ich, ob sie mit den Kindern spielen. Werte werden auch beim Spiel weitergegeben. »Hast du Zeit, dich auf dem Fußboden niederzulassen, um gemeinsam mit deinem Sohn, deiner Tochter etwas zu machen?« Das ist wichtig, das darf man nicht verlieren! »Aber ich komme müde nach Hause… Ich weiß nicht, ich schaue gerne fern…« Aber spiel mit deinen Kindern! »Das ist langweilig…« Nein, du lernst es. Das ist ein wichtiges Kriterium. Vater und Mutter, die spielen können, die Zeit mit ihren Kindern verschwenden. Es ist wahr, dass Kinder immer dasselbe fragen: »Warum? … Warum?« Wenn sie im »Warum?- Alter « sind, dann bekommst du Kopfweh wegen ihrer vielen Fragen. Aber man muss antworten, spielen, sprechen, Zeit mit den Kindern verschwenden können. Das ist der »Dialekt« der Liebe, der die Weitergabe aller Werte und des Glaubens bewirkt. Bitte, arbeitet dafür. Der Kern der Liebe ist die Familie. Was man in der Familie nicht lernt, wird man schwer außerhalb von ihr lernen. Ich weiß nicht, ob ich die Frage beantwortet habe.

Simona:

Hallo, ich bin Simona, ich bin für die Gestaltung des Oratoriums verantwortlich und gehöre zur Jugendgruppe der Pfarrei. Sagen wir, ich habe vor allem in den vergangenen Jahren ein wenig Schwierigkeiten gehabt bei meiner Erfahrung, mich in die Pfarrgemeinde einzugliedern, weil ich ein schlechtes Zeugnis erlebt habe. Ich habe so viel Inkohärenz gesehen und auch wenig Annahme erfahren. Als ich auch mit meinen Freunden aus der Gruppe darüber gesprochen und diskutiert habe, wurde uns klar, wie sehr fehlende Liebe von Seiten der Gemeinde, die von Außenstehenden, von Leuten außerhalb der Kirche gesucht wird, diese schließlich dazu führt, einen Ersatz für die Liebe anderswo zu suchen. Daher fragen wir uns: Aber liebt uns der Papst tatsächlich? Haben die Bischöfe, Priester, Katecheten die Jugendlichen wirklich gern? Und wenn diese Liebe vorhanden ist, warum erreicht sie dann nicht alle Jugendlichen, sondern schickt sie weg, das heißt, es gelingt ihr nicht, dass sie ihr nahe bleiben?

Papst Franziskus:

Der »Melodie« deiner Frage entsprechend, müsste meine Antwort eine Standpauke für Priester und Bischöfe sein… Die Schwester klatscht Beifall: Die Standpauke gilt auch für die Schwestern! Also, sie hat drei Sachen gesagt, die man nicht vergessen darf: schlechte Erfahrungen, Inkohärenz, und was war das erste? Ja, schlechte Zeugnisse: Inkohärenz in den Zeugnissen. Das gute Zeugnis. Die Erfahrung und die gute Atmosphäre, die gute Atmosphäre. Und die Kohärenz. Sie sind es, die eine familiäre Atmosphäre verbreiten. Und eine Pfarrei soll Familie sein: die Atmosphäre der Familie. Das ist nicht leicht. Es gibt eine Tugend, die alle Priester haben müssen, eine Haltung, die sie haben müssen – die Priester, die Bischöfe, die Päpste, alle: die Nähe. »Ah, das sagen die Psychologen!« Nein, das hat Gottvater gesagt, als er wollte, dass sein Sohn uns nahe sei. Jesus ist Gott, der uns nahe ist. Und wir, die wir die Apostel Jesu sind, müssen diesen Weg gehen: die Nähe.

Man predigt das Evangelium nicht mit Worten, mit Argumenten. Nein, so predigt man nicht. Man predigt mit der Nähe, mit den Zeugnissen, mit der Kohärenz. Und das müsst ihr von den Hirten verlangen: von mir, den Bischöfen und den Priestern. Kohärenz. Zeugnis. Das ist die Sprache, das ist der »Dialekt«, in dem der Glaube weitergegeben wird. Ein Dialekt, der aus Kohärenz, aus Zeugnissen, besteht, daraus, in den anderen gute Erfahrungen aufsprießen zu lassen. Annahme. »Ich habe mich nicht angenommen gefühlt«, hast du gesagt. Die Annahme. Annahme ist dieses natürliche Lächeln, dieses Lächeln des »Komm, komm herein, das ist dein Zuhause!« Ich spreche nicht vom künstlichen Lächeln vieler Leute, das, was sie für die Arbeit aufsetzen müssen. Nein. Ein einladendes Lächeln: »Komm, ich bin glücklich, dass du hier bist!« Spüren lassen: das ist dein Zuhause. Und das erbittet immer von den Hirten: Nähe, weil Jesus uns nahegeworden ist. Die großartige Verkündigung Jesu sind nicht die Predigten.

Ja, sie lehren uns sehr viel. Aber die allergrößte Predigt ist die Nähe. Dass er zu uns herabgekommen ist. Das nennen die Theologen »Herablassung«. Oder die noch kultivierteren Theologen sagen es auf griechisch: »synkatabasis«. Dann werde ich den Pfarrer fragen, der es lehren wird. Die Nähe, die Herablassung. Gott, der uns nahegekommen ist. Als Gott – das ist interessant – mit dem Volk Israel in die Wüste geht, stellt er eine Frage: »Schaut, habt ihr ein Volk gesehen, dessen Gott so nahe ist, wie ich euch nahe bin?« Gott selbst sagt, dass er nahe ist. Auch das ist eine Tugend, die nicht nur wir Hirten haben müssen. Es ist auch eine Tugend aller Christen. Der Christ ist den anderen immer nahe. Nicht in lästiger Weise, nicht wie die lästigen Leute, nein. Nahe, diskret, liebevoll, mit einem immer offenen Herzen. Und wenn es in einer Pfarrei keine Nähe gibt, jene Haltung der Nähe bei den Hirten und auch bei den Laienmitarbeitern, dann spürt man das, was du gespürt hast: Gleichgültigkeit, Kälte, es ist eine laue Pfarrei, eine funktionierende Pfarrei, wo alles gut ist außer dem Herzen: es ist eine »herzkranke« Pfarrei. Ihr Herz ist krank, das Niederbeugen und Nähe bewirkt. Ich weiß nicht, ob das die Antwort ist. Für die Hirten, die Laien und die Schwestern! Danke.

Beatrice:

Lieber Papst Franziskus, ich heiße Beatrice, bin 15 Jahre alt und habe eine Frage. Leider habe ich vor zwei Jahren meinen Vater verloren, seitdem habe ich mich der Kirche und dieser Pfarrei sehr angenähert, in der ich eine Gruppe fantastischer Menschen, die mich wie eine Familie aufgenommen haben, und großen geistlichen Trost gefunden habe. Ich sehe aber, dass viele meiner Altersgenossen fern von der Kirche sind, weil sie denken, dass es langweilig sei. So habe ich mich gefragt, was ich tun kann, was wir tun können, um den Heranwachsenden verständlich zu machen, dass die Kirche im Gegenteil ein Ort der Liebe ist, wie ich das verstanden habe und wir alle, die wir heute hier sind? Danke.

Papst Franziskus:

Oft haben deine Freunde Recht. Denn einige, einige Hirten, einige Schwestern, einige Laien sind wirklich langweilig… Und sie haben ein Gesicht, dass du nicht weißt, ob es das Gesicht eines Hirten ist, eines Mannes, einer Frau, die in der Kirche arbeiten, oder ein Gesicht wie bei einer Beerdigung. Du weißt es nicht. Eine Beerdigung! Die Freude des Evangeliums: Das Evangelium bringt immer Freude. Und das gilt nicht nur für die Hirten, sondern auch für die Laien, für alle. Ja, ich würde sogar sagen, dass ich oft in den Pfarreien mehr verbitterten Laien mit einem »essigsauren« Gesicht begegnet bin als Priestern oder Schwestern. Denn wenn ein Laie sich nicht gut in die Gemeinschaft integriert, dann beginnt er sehr oft dieses interne Machtspiel, internen Kampf, und manchmal begegnest du Menschen, die gut sind, arbeiten – ich weiß nicht, in der Katholischen Aktion, in der Caritas, den vielen Dingen, die eine Pfarrei hat –, aber immer angespannt, nie frei. Ich weiß nicht warum, vielleicht gibt es eine Beförderung, ich weiß nicht… Die Absicht ist nicht ganz klar. Es sind gute Leute, aber ohne die Freiheit der Freude des Evangeliums. Und das müssen wir uns immer vor Augen halten. Wenn ich wirklich glaube, dann muss das seinen Ausdruck in der Freude finden, in der Freude, die ein Geschenk Jesu ist, das Geschenk des auferstandenen Jesus. Jesus ist nicht auferstanden, damit wir weinen. Er ist auferstanden, um uns die Freude und Gewissheit zu schenken, die wir alle erwarten. Und das fehlt. Das ist wahr. Es fehlt. Die Freude des Evangeliums fehlt, nicht immer, aber oft. Dann hast du eine Frage gestellt: »Was kann ich tun, um meine Freunde davon zu überzeugen, dass die Kirche nicht so ist?« Bravo! Du hast nicht gesagt: »Was soll ich sagen?« Denn wenn du hingehst und sprichst, dann werden sie dir nicht glauben. Du musst etwas tun, die Dinge mit Freude tun.

Und sie werden schauen und sagen: »Aber die ist verrückt. Warum macht sie das so?« Und du: »Nein, komm und sieh. Komm, sieh es dir an.« Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung, die Anziehung des Zeugnisses. Wir sind keine Fußballmannschaft, kein Club, der Anhänger suchen geht. Nein. Wir sind Jünger Jesu, die sich bemühen, die Dinge zu tun, die das Evangelium uns sagt. Und das schenkt immer Freude. Und sie sehen die Freude und sagen: »Warum sind sie so froh?« Das geschah in der Anfangszeit der Kirche. Die Kirche war gerade entstanden, nachdem der Heilige Geist gekommen war, die Leute blickten auf sie und sagten: »Schau einmal, sie sind glücklich! Und wie sehr sie einander lieben. Sie ziehen sich nicht gegenseitig die Haut ab.« Denn es waren Menschen, deren Freude die anderen anzog. Man kann das Evangelium nicht ohne Freude leben: Die Freude ist die Bedingung, um das Evangelium zu leben, verstanden? Und wenn jemand von denen, die in der Pfarrei arbeiten, die Gewohnheit hat, einen Milchkaffee »mit Essig« zum Frühstück zu trinken, dann soll er seine Gewohnheit ändern! Er soll Milchkaffe trinken, und das wird ihm gut tun!

Mattia:

Guten Abend, Papst Franziskus. Ich bin Mattia und zehn Jahre alt. Ich wollte fragen, ob es möglich ist, für meine Mutter zu beten, die operiert werden muss, und meiner Familie und allen Familien dieser Pfarrei den Segen zu geben. Danke.

Papst Franziskus:

Dank dir! Du heißt Mattia. Das hat Mattia getan. Es ist etwas, das ihr Jungen und Mädchen immer tun müsst, für eure Eltern beten. Für die Eltern beten. Sie beten für euch, aber betet ihr für sie? Oder betet ihr nur, wenn ihr hofft, dass sie euch ein Geschenk machen? Nein. Damit sie euch dieses Geschenk oder jenes Geschenk machen. Nein. Für die Eltern beten. Denkt gut darüber nach! Die Eltern brauchen euer Gebet, denn so helft ihr ihnen, dass sie vorangehen. Und wenn die Eltern eine Krankheit haben, wie im Fall von Mattia – die Mutter muss operiert werden –, dann betet mehr. Sie beten für euch, aber ihr müsst auch für sie beten. Die Familie – wir haben mit der Familie begonnen –, die Familie wird so aufgebaut, auch mit dem Gebet. Das Gebet lässt die Familie wachsen, das Gebet füreinander: von wirklich allen. Ich würde gerne die Jungen und Mädchen hier fragen: Betet ihr für eure Eltern? Man sieht, dass sie nicht antworten wollen, weil die Antwort vielleicht nicht so gut ausfallen würde… Aber wir wollen jetzt beginnen, von heute an ein tägliches Gebet für die Eltern. Es ist nicht notwendig, lange Gebete aufzusagen, nein. Sagen: »Herr behüte Mama, Papa, Opa, Oma.« So wie wir sprechen. Aber für die Eltern beten. Und wenn die Eltern ein Problem haben, beten, damit das Problem eine gute Lösung findet. Gesundheit. Die Familie wird vom Gebet füreinander aufgebaut. Und die Kinder müssen für die Eltern beten. Geht so voran. Ich werde für deine Mutter beten.

Wir wollen zur Muttergottes beten. Es ist die Muttergottes von der Vergebung. Wir alle brauchen Vergebung für etwas. Sie möge uns helfen. (Nach dem Gebet des »Gegrüßet seist du, Maria« erteilte der Heilige Vater den Segen.)


Homilie bei der Eucharistiefeier

Bevor Jesus in den Ölgarten geht und sein Leiden beginnt – er hat so viel gelitten im Ölgarten – hat er ein langes Gespräch, als er mit seinen Jüngern zu Tisch sitzt. Und er rät ihnen etwas sehr Beeindruckendes, er gibt ihnen einen sehr beeindruckenden Rat: »Bleibt in meiner Liebe.« Das ist der Rat, den Jesus den Seinen vor seinem Leiden und Sterben gibt. Und es ist auch der Rat, den er uns gibt, einem jeden von uns. Jesus sagt: »Bleibt in meiner Liebe. Geht nicht aus meiner Liebe hinaus.« Jeder von uns kann sich in seinem Herzen, im eigenen Herzen die Frage stellen: »Bleibe ich in der Liebe des Herrn? Oder gehe ich aus ihr hinaus, indem ich andere Dinge suche, andere Vergnügungen, andere Lebensweisen?« Denn »in der Liebe bleiben« ist das, was Jesus für uns getan hat. Er hat das Leben gegeben. Er war unser Diener: Er ist gekommen, um uns zu dienen. »In der Liebe bleiben« bedeutet, den anderen zu dienen, im Dienst der anderen zu sein. Was ist Liebe? Wollen wir darüber nachdenken, was Liebe ist? »Ah, ja, ich habe im Fernsehen einen Film über die Liebe gesehen, er war schön… Und das Paar, die Verlobten… Und dann ist es schlecht ausgegangen, schade!« So ist es nicht.

Liebe ist etwas ganz anderes. Liebe bedeutet, sich der anderen anzunehmen. Liebe heißt nicht Violine spielen, ganz romantisch… Liebe ist Arbeit. Die Mütter unter euch mögen daran denken, als die Kinder klein waren: Wie habt ihr eure Kinder geliebt? Mit der Arbeit. Indem ihr für sie gesorgt habt. Sie haben geweint… Man muss sie stillen, Windeln wechseln, dies und jenes tun… Liebe ist immer Arbeit für die anderen. Denn die Liebe zeigt sich in den Taten, nicht in den Worten. Ihr erinnert euch an jenes Lied: »Parole, parole, parole. « Oft sind es nur »Worte«. Liebe dagegen ist konkret. Jeder soll nachdenken: Meine Liebe zu meiner Familie, im Stadtviertel, in der Arbeit: Ist sie Dienst an den anderen? Kümmere ich mich um die anderen? Ich war dort oben – sie nennen es das »Haus des Glücks« –, aber es könnte auch gut »Haus der Liebe« heißen, denn diese Pfarrei hat Sorge getragen für viele, die jemanden brauchen, der sich um sie kümmert, der über sie wacht. Und das ist Liebe.

Liebe ist Arbeit, Arbeit für die anderen. Liebe liegt in den Taten, nicht in den Worten. »Ich liebe dich.« »Und was tust du für mich, wenn du mich liebst?« Jeder Kranke des Stadtviertels fragt sich: »Was tust du für mich?« In der Familie, wenn du deine Kinder liebst, seien sie nun groß oder klein, die Eltern, die alten Menschen: Was tust du für sie? Um zu sehen, wie es um die Liebe steht, muss man immer sagen: Was tue ich? »Aber, Pater, wo lernen wir das?« Von Jesus. In der zweiten Lesung gibt es einen Satz, der uns die Augen öffnen kann. »Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat.« Darin besteht die Liebe. Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns zuerst geliebt. Der Herr liebt immer zuerst. Er wartet voller Liebe auf uns.

Und auch wir können uns fragen: Warte ich voller Liebe auf die anderen? Und dann die Fragen aufzählen. Zum Beispiel: Ist das Klatschen und Tratschen Liebe? Das, was ich über die anderen klatsche… Nein, das ist keine Liebe. Schlecht über die Leute zu reden ist keine Liebe. »Oh, ich liebe Gott. Ich bete neun Novenen im Monat. Ich tue dies und jenes…« »Ja, aber wie ist deine Zunge? Wie geht es deiner Zunge? Das gerade ist der Prüfstein, um die Liebe zu sehen. Liebe ich die anderen? Frage dich: Wie ist es um meine Zunge bestellt? Sie wird dir sagen, ob die Liebe wahrhaftig ist. Gott hat uns zuerst geliebt. Er wartet immer mit Liebe auf uns. Liebe ich zuerst oder warte ich, dass man mir etwas gibt, um zu lieben? Wie die Hündchen, die ein Geschenk erwarten, etwas zu fressen und dann ihr Herrchen feiern. Erstens ist Liebe unentgeltlich. Aber das Thermometer, um die Temperatur meiner Liebe zu kennen, ist die Zunge. Vergesst das nicht. Wenn ihr Gewissenserforschung haltet, vor der Beichte oder zuhause, dann fragt euch: Habe ich getan, was Jesus mir gesagt hat: »Bleibt in meiner Liebe«? Und wie kann ich das wissen? Daher, wie es um meine Zunge bestellt war. Wenn ich schlecht über die anderen geredet habe, dann habe ich nicht geliebt.

Wenn es dieser Pfarrei gelingen würde, niemals schlecht über die anderen zu reden, dann könnte man sie heiligsprechen! Aber, wie ich anderswo gesagt habe, bemüht euch wenigstens, nicht schlecht über die anderen zu reden. »Aber Pater, geben sie uns ein Heilmittel, um nicht schlecht über die anderen zu reden.« Das ist leicht. Das ist für jeden machbar. Wenn du Lust bekommst, über andere schlecht zu reden, dann beiß dir auf die Zunge! Sie wird anschwellen, aber sicher wirst du nicht mehr schlecht reden. Bitten wir den Herrn, »in der Liebe zu bleiben «, und zu verstehen, dass Liebe bedeutet zu dienen, sich um andere zu kümmern. Und die Gnade, zu verstehen, dass die Zunge das Thermometer ist, um zu sehen, wie es um die Liebe steht. Alle werden wir Maria begleiten, die nun die Firmung empfangen wird.

 



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