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FEST DER TAUFE DES HERRN
EUCHARISTIEFEIER MIT KINDERTAUFEN
 

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

Sixtinische Kapelle 
Sonntag, 13. Januar 2019

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Am Beginn der Feier ist euch die Frage gestellt worden: »Was erbittet ihr für eure Kinder?« Und ihr habt gesagt: »Den Glauben.« Ihr erbittet von der Kirche den Glauben für eure Kinder, und heute werden sie den Heiligen Geist empfangen und die Gabe des Glaubens, jeder in seinem eigenen Herzen, seiner Seele. Aber dieser Glaube muss sich dann entwickeln, muss wachsen. Ja, jemand mag mir sagen: »Ja, ja, sie müssen ihn lernen…« Ja, wenn sie den Katechismusunterricht besuchen, werden sie ihn gut kennenlernen, werden sie die Katechese lernen.

Aber bevor der Glaube gelernt wird, muss er weitergegeben werden, und das ist eine Arbeit, die euch betrifft. Es ist eine Aufgabe, die ihr  heute empfangt: den Glauben weitergeben, die Glaubensweitergabe. Und das geschieht zu Hause. Denn der Glaube muss immer im »Dialekt « weitergegeben werden: im Dialekt der Familie, im Dialekt des Hauses, in der Atmosphäre zu Hause. Das ist eure Aufgabe: den Glauben mit dem Beispiel, mit Worten weiterzugeben, das Kreuzzeichen lehren. Das ist wichtig. Denn schaut, es gibt Kinder, die das Kreuzzeichen nicht machen können. »Mach das Kreuzzeichen«: und sie machen so ungefähr irgendetwas, von dem man nicht versteht, was es sein soll. Lehrt sie das zuallererst!

Aber wichtig ist, den Glauben mit eurem Glaubensleben weiterzugeben: Sie sollen die Liebe der Eheleute sehen, sie sollen den Frieden zu Hause sehen, sie sollen Jesus dort sehen. Und ich erlaube mir einen Rat zu geben. Entschuldigt, aber ich rate euch folgendes: Streitet niemals vor den Kindern, niemals. Es ist normal, dass das Ehepaar streitet, das ist normal. Das Gegenteil wäre seltsam. Tut es, aber so dass sie es nicht hören, dass sie es nicht sehen. Ihr wisst nicht, was für eine Angst ein Kind bekommt, das seine Eltern streiten sieht. Das ist ein Rat, den ich mir erlaube und der euch helfen wird, den Glauben weiterzugeben.

Ist Streiten schlimm? Nicht immer, doch es ist normal. Es ist normal. Aber die Kinder sollen es nicht sehen, nicht hören, wegen der Angst. Und jetzt werden wir die Taufzeremonie fortsetzen, aber behaltet dies im Gedächtnis: Eure Aufgabe ist es, ihnen den Glauben weiterzugeben. Ihn zu Hause weitergeben, denn dort lernt man den Glauben; dann wird man ihn in der Katechese lernen, aber zu Hause [empfängt] man den Glauben. Und bevor wir fortfahren, möchte ich euch noch etwas sagen: Ihr wisst, dass die Kinder spüren, dass sie heute in einer seltsamen Umgebung sind: Ihnen ist etwas zu warm, sie sind eingewickelt… Und sie spüren die stickige Luft… Dann weinen sie, weil sie Hunger haben. Sie haben Hunger. Und ein dritter Grund für das Weinen ist das »vorbeugende Weinen«. Es ist etwas Seltsames: Sie wissen nicht, was geschehen wird. Und sie denken: »Ich weine zuerst, dann werden wir mal sehen…« Es ist eine Verteidigung.

Ich sage euch: Sie sollen es bequem haben. Passt auf, dass ihr sie nicht zu sehr zudeckt! Und wenn sie vor Hunger weinen, dann stillt sie. Den Müttern sage ich: Stillt ruhig die Kinder, der Herr will dies. Denn welche Gefahr besteht? Dass sie eine »polyphone« Berufung haben: Einer fängt an zu weinen, der nächste gibt ihm den Kontrapunkt, dann noch einer und am Schluss ist es ein ganzes Weinkonzert! So wollen wir mit diesem Gottesdienst fortfahren, in Frieden, mit dem Bewusstsein, dass die Weitergabe des Glaubens eure Aufgabe ist.

 



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