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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER EINER VON DER “GRUPO SANTA MARTA”
ORGANISIERTEN KONFERENZ ÜBER MENSCHENHANDEL

[MADRID, 30.-31. OKTOBER 2015]

 

Königliche Hoheit,
meine Herren Bischöfe,
verehrte Obrigkeiten,
meine Damen und Herren!

Die Tatsache, dass sich die »Gruppe Santa Marta« erneut im symbolträchtigen Kloster des heiligen Laurentius von »El Escorial« in Spanien versammelt, bereitet mir große Freude und Genugtuung. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat diese verdienstvolle Gruppe sehr viel verwirklichen können und ist bei der Beseitigung der neuen Formen der Sklaverei zu einer entscheidenden Arbeit aufgerufen. Im Laufe dieses Jahres hat es einige bedeutsame institutionelle Neuerungen gegeben, die zweifellos Ihre Tätigkeit stützen und zum wohltätigen Wirken der »Gruppe Santa Marta« beitragen können. Ich beziehe mich zum einen auf die Begegnung der Bürgermeister am 21. Juli in der Vatikanstadt, zu denen ich gesprochen habe. Bei diesem Treffen haben jene wichtigen Persönlichkeiten eine Erklärung unterzeichnet, mit der sie sich persönlich zur Beseitigung der neuen Formen der Sklaverei verpflichten, die sie als Verbrechen gegen die Menschheit verurteilen.

Zum anderen möchte ich auch die kürzlich erfolgte Annahme der Agenda 2030 mit den neuen nachhaltigen Entwicklungszielen der Organisation der Vereinten Nationen erwähnen, wo es zum Ziel 8.7 heißt: »Sofortige und wirksame Maßnahmen ergreifen, um Zwangsarbeit abzuschaffen, moderne Sklaverei und Menschenhandel zu beenden; das Verbot und die Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit sicherstellen – einschließlich der Einziehung und des Einsatzes von Kindersoldaten – und bis 2025 jeder Form von Kinderarbeit ein Ende setzen.« So habe ich auch – ganz kurz vor der einstimmigen Annahme dieser Agenda – in meiner Ansprache an die Organisation der Vereinten Nationen in New York am vergangenen 25. September gesagt: »Die Welt verlangt von allen Regierenden einen wirklichen, praktischen, beständigen Willen zu konkreten Schritten und unverzüglichen Maßnahmen, um die natürliche Umwelt zu bewahren und zu verbessern und das Phänomen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausschließung mit seinen traurigen Folgen wie Menschenhandel, Handel von menschlichen Organen und Geweben, sexuelle Ausbeutung von Knaben und Mädchen, Sklavenarbeit einschließlich Prostitution, Drogen- und Waffenhandel, Terrorismus und internationale organisierte Kriminalität so schnell wie möglich zu überwinden.

Diese Situationen und die Anzahl der unschuldigen Leben, die sie fordern, sind von solchem Ausmaß, dass wir jede Versuchung meiden müssen, einem Nominalismus zu verfallen, der sich in Deklarationen erschöpft und einen Beruhigungseffekt auf das Gewissen ausübt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind im Kampf gegen all diese Plagen.« Heute haben die 193 Mitgliedstaaten der UNO einen neuen moralischen Imperativ, um  den Menschenhandel zu bekämpfen, der ein wahres Verbrechen gegen die Menschheit ist. Die Zusammenarbeit zwischen Bischöfen und zivilen Behörden, jeder seiner Aufgabe und seinem Wesen entsprechend, um in der Praxis die besten Wege zur Erfüllung dieser schwierigen Aufgabe zu finden, ist ein entscheidender Schritt, damit sichergestellt werden kann, dass die Absicht der Regierungen direkt und unmittelbar, beständig, wirksam und konkret die Opfer erreicht. Als kirchliche und zivile Repräsentanten sind Sie aufgerufen, an der Seite der Opfer zu sein und sie auf ihrem Weg der Würde und Freiheit zu begleiten. Dies müssen die vielen Brüder und Schwestern spüren, die Opfer des Menschenhandels sind.

Heute, liebe Mitglieder der »Gruppe Santa Marta«, seid ihr bei diesem schwierigen Unterfangen nicht allein: Ihr könnt auf die Unterstützung der weitsichtigsten Bürgermeister und der internationalen Gemeinschaft zählen, dank der jeweiligen Verpflichtung, die sie übernommen und unterzeichnet haben. Gott sei Dank. Meinerseits bitte ich den allmächtigen Gott, dass er Ihnen die Gnade schenken möge, diese so schwierige, sehr humanitäre und so christliche Mission weiterzuführen, um die offenen und schmerzenden Wunden der Menschheit zu heilen, die auch die Wunden Christi sind. Ich versichere Sie meiner vollen Unterstützung und meines Gebetes und auch der Unterstützung und des Gebets der Gläubigen der katholischen Kirche.

Mit der Hilfe Gottes und Ihrer Mitarbeit wird dieser unerlässliche Dienst der »Gruppe Santa Marta« die Opfer der modernen Sklaverei befreien, sie und die Gefangenen und Ausgegrenzten rehabilitieren; die Händler und alle, die diesen Markt fördern, demaskieren sowie den Städten und Nationen wirksame Unterstützung anbieten; einen Dienst für das Gemeinwohl und die Förderung der Menschenwürde, die das Beste in jedem Menschen und Bürger zu aktivieren weiß. Gott segne euch alle!

Aus dem Vatikan, am 28. Oktober 2015

Franziskus

 

 



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