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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DER 40. GENERALVERSAMMLUNG
DER ERNÄHRUNGS- UND LANDWIRTSCHAFTSORGANISATION
DER VEREINTEN NATIONEN [FAO]

 

Herr Präsident!

Ich freue mich, Ihnen und einem jeden von Ihnen, den Vertretern der Mitgliedsstaaten der FAO, die zur 40. Generalkonferenz der Organisation versammelt sind, meinen ehrerbietigen und herzlichen Gruß zu senden. Mein Gruß gilt auch dem Generaldirektor der FAO sowie den Verantwortlichen aller weiteren internationalen Körperschaften, die bei dieser Versammlung anwesend sind. Diese ist aufgerufen, dem Landwirtschafts- und Ernährungssektor konkrete Antworten zu geben, von denen die Perspektiven von Millionen von Menschen abhängen.

1. Da ich diesmal nicht bei Ihnen sein kann, wie es der langjährigen Tradition entspricht, die bis zur Errichtung der FAO in Rom zurückreicht, habe ich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gebeten, Ihnen mein Wort des Ansporns und der Unterstützung zu überbringen und meine ganze Wertschätzung und Anerkennung für Ihre schwierige Aufgabe zu bekunden.

Der Heilige Stuhl folgt mit großer Aufmerksamkeit der Arbeit der internationalen Gemeinschaft und will ihre Bemühungen unterstützen, nicht einen einfachen Fortschritt oder rein theoretische Entwicklungsziele zu fördern, sondern eine tatsächliche Überwindung von Hunger und Unterernährung. Wir alle sind uns bewusst, dass die Absicht, allen das tägliche Brot zuzusichern, nicht genügt, sondern dass anerkannt werden muss, dass alle ein Recht darauf haben und daher in dessen Genuss kommen sollten.

Wenn die fortlaufend gesteckten Ziele nach wie vor fern sind, dann hängt dies in großem Maße vom Fehlen einer Kultur der Solidarität ab, die in den internationalen Tätigkeiten nicht zum Durchbruch kommt: Oft bleiben diese nur an den Pragmatismus der Statistiken oder an den Wunsch nach Wirksamkeit ohne die Idee des Miteinander-Teilens gebunden. Das Bemühen eines jeden Landes, den eigenen Ernährungsstandard anzuheben und die landwirtschaftliche Tätigkeit sowie die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung zu verbessern, wird konkret umgesetzt, indem man der Landwirtschaft Impulse gibt, die Produktion steigert und eine effektive Verteilung der Nahrungsmittel in Gang setzt. Das genügt jedoch nicht. Denn diese Ziele erfordern, jeden Tag in Betracht zu ziehen, dass das Recht eines jeden Menschen, von Armut und Hunger befreit zu werden, abhängig ist von der Pflicht der gesamten Menschheitsfamilie, den Notleidenden konkret zu Hilfe zu kommen.

Wenn ein Land also nicht in der Lage ist, angemessene Antworten zu geben, weil sein Entwicklungsstandard, seine Armut, klimatische Veränderungen oder Situationen der Unsicherheit dies nicht zulassen, dann müssen die FAO und die anderen zwischenstaatlichen Institutionen in die Lage versetzt werden, gezielt einzugreifen, um eine angemessene solidarische Aktion zu unternehmen. Ausgehend von dem Bewusstsein, dass die Güter, die uns vom Schöpfer anvertraut sind, für alle da sind, muss die Solidarität unbedingt das Grundkriterium jeder Form der Zusammenarbeit in den internationalen Beziehungen sein.

2. Ein Blick auf die aktuelle Weltlage bietet uns keinen tröstlichen Anblick. Wir dürfen jedoch nicht nur besorgt und vielleicht resigniert bleiben. Dieser offensichtlich schwierige Augenblick muss uns auch stärker zu Bewusstsein führen, dass Hunger und Unterernährung nicht nur natürliche oder strukturelle Phänomene bestimmter geographischer Gebiete sind, sondern vielmehr das Ergebnis einer komplexeren Situation der Unterentwicklung, die von der Trägheit vieler und vom Egoismus einiger weniger verursacht wurde. Kriege, Terrorismus, erzwungene Migration von Menschen, die die Zusammenarbeit immer mehr behindern oder zumindest stark beeinträchtigen, sind keine Schicksalsschläge, sondern vielmehr das Ergebnis konkreter Entscheidungen.

Es handelt sich um einen komplexen Mechanismus, der vor allem die schwächsten Glieder der Gesellschaft trifft, die nicht nur von den Produktionsprozessen ausgeschlossen, sondern oft gezwungen sind, ihr Land zu verlassen auf der Suche nach Zuflucht und Lebenshoffnung. Von Entscheidungen bestimmt, die in voller Freiheit und bewusst getroffen wurden, sind auch die Daten bezüglich der Hilfen gegenüber den armen Ländern, die immer mehr reduziert werden, trotz der unablässigen Appelle angesichts von Krisensituationen, die immer zerstörerischer sind und in verschiedenen Teilen der Welt auftreten. Wir müssen uns bewusst sein, dass in diesen Fällen die Entscheidungsfreiheit eines jeden die Solidarität gegenüber allen in Rechnung stellen muss, den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, indem die übernommenen oder angekündigten Verpflichtungen aufrichtig umgesetzt werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich einen Beitrag zum Programm der FAO leisten, das den bäuerlichen Familien, die in Gebieten leben, wo zur Trockenheit die Auswirkungen der Konflikte hinzugekommen sind, Saatgut liefert. Diese Geste kommt hinzu zu der Tätigkeit, die die Kirche, gemäß ihrer Berufung, den Armen der Erde zur Seite zu stehen und den tätigen Einsatz aller zu ihrem Wohl zu begleiten, durchführt. Dieser Einsatz ist heute von uns gefordert durch die »Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung«.

Diese hebt hervor, dass das Konzept der Ernährungssicherheit ein Ziel ist, das keinen Aufschub mehr duldet. Nur ein Bemühen um echte Solidarität wird jedoch in der Lage sein, die Zahl der unterernährten Menschen, denen das Lebensnotwendige fehlt, zu reduzieren. Es ist eine sehr große Herausforderung für die FAO und für alle Institutionen der internationalen Gemeinschaft. Eine Herausforderung, in die auch die Kirche sich in erster Linie eingebunden fühlt.

Ich hoffe daher, dass die Sitzungen dieser Konferenz der Tätigkeit der Organisation einen neuen Impuls geben und jene Mittel an die Hand geben können, die ersehnt und erwartet werden von Millionen unserer Brüder, die in der Tätigkeit der FAO nicht nur einen technischen Beitrag zur Mehrung der Ressourcen und zur Verteilung der Früchte der Produktion sehen, sondern auch das konkrete, oft einzige, Zeichen einer Brüderlichkeit, die es ihnen gestattet, Vertrauen in die Zukunft zu haben.

Der Segen des allmächtigen Gottes, der reich ist an Barmherzigkeit, komme auf Sie und auf Ihre Arbeiten herab und schenke Ihnen die notwendige Kraft, zu einem wahren Fortschritt der Menschheitsfamilie beizutragen.

Aus dem Vatikan, am 3. Juli 2017

 



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