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VIDEOBOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS
ZUM NATIONALEN JUGENDTREFFEN IN ARGENTINIEN

[ROSARIO (SANTA FE, ARGENTINIEN), 25.-27. MAI 2018]

 

Liebe Jungen und Mädchen!

Ich freue mich, durch diese Videobotschaft auf dem diesjährigen nationalen Jugendtreffen, das ihr in Rosario abhaltet, anwesend zu sein. Meine Brüder im Bischofsamt haben mich darum gebeten, und ich tue es gern. Ich weiß, dass ihr euch mit großer Mühe und auf vielerlei Weise darauf vorbereitet habt, hier sein zu können. Danke für all diese Arbeit und dafür, dass ihr euch mit Frohsinn, Glauben und Hoffnung, mit gemeinsamen Träumen auf den Weg gemacht habt. Wenn man zu einem Jugendtreffen geht, dann sind immer Glaube, Hoffnung und Träume vorhanden, die dort miteinander geteilt werden und wachsen. Danke für eure ansteckende Begeisterung – wo junge Menschen sind, herrscht fröhlicher Lärm –, für die Liebe zu Christus und den Geschwistern, die in diesen Tagen sicher zunehmen werden! Aber es darf nicht nur Schaum sein, es darf nicht nur Schaum sein. Es muss Seife sein, die Schaum erzeugt – aber es muss Seife sein. Als ich an euch gedacht habe und daran, was ich euch zu diesem Treffen sagen kann, kamen mir drei Worte in den Sinn: Gegenwart, Gemeinschaft und Sendung.

Das erste Wort ist »Gegenwart«. Jesus ist bei uns, er ist in unserer Geschichte gegenwärtig. Wenn wir nicht davon überzeugt sind, sind wir keine Christen. Er geht mit uns, auch wenn wir ihn nicht kennen. Denken wir an die Emmausjünger. Jesus hat sich zu unserem Bruder gemacht, er lädt auch uns ein, Mensch zu werden, die Zivilisation der Liebe – diesen so schönen Begriff – gemeinsam aufzubauen, als seine Jünger und Missionare, hier und jetzt: bei dir zuhause, mit deinen Freunden, in den Situationen, die wir täglich erleben. Daher ist es notwendig, bei ihm zu sein, ihm im Gebet, im Wort Gottes, in den Sakramenten zu begegnen. Ihm Zeit zu widmen, still zu sein, um seine Stimme zu hören. Kannst du in deinem Herzen still sein, um die Stimme Jesu zu hören? Das ist nicht einfach. Versuch es.

Er ist bei dir, auch wenn du dich in einigen Augenblicken fühlst wie die Emmausjünger vor ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus: Du fühlst dich traurig, enttäuscht, am Boden zerstört, ohne viel Hoffnung, dass die Dinge sich ändern könnten. Nun gut, im Leben sieht man so Einiges, und manchmal sind wir natürlich am Boden zerstört. Du wirst auf dem Weg verletzt, und es scheint, dass du nicht mehr kannst, dass die Widersprüche stärker sind als alles Positive, als alle Kraft, die du aufwenden willst, dass du das Licht am Ende des Tunnels nicht siehst. Wenn du jedoch Jesus begegnest – das ist eine Gnade – in dem barmherzigen Samariter, der zu dir kommt, um dir zu helfen, diesem Jesus, dann wird alles neu, dann wirst du neu und kannst mit Jesus die Geschichte erneuern. »Ach Vater, übertreiben Sie nicht, wie sollen wir denn die Geschichte erneuern? « Du kannst die Geschichte erneuern. Sie wurde von einem 16-jährigen Mädchen erneuert, das in Nazaret »Ja« gesagt hat. Du kannst die Geschichte erneuern.

Der barmherzige Samariter ist Christus, der sich dem Armen nähert, der ihn braucht. Der barmherzige Samariter bist auch du, wenn du dich wie Christus demjenigen näherst, der an deiner Seite ist und in dem du das Antlitz Christi erkennst. Es ist ein Weg der Liebe und der Barmherzigkeit: Jesus begegnet uns, heilt uns, sendet uns aus, um andere zu heilen. Er sendet uns aus, um andere zu heilen. Wir dürfen einen Menschen nur dann von oben herab betrachten, auf ihn herabschauen, wenn wir uns kleinmachen und ihm helfen, sich zu erheben. Wenn nicht, haben wir kein Recht, auf jemanden herabzuschauen. Nicht hochnäsig, etwa so – nicht wahr? Wenn ich von oben herabschaue, dann nur, um mich kleinzumachen und dem anderen zu helfen, sich zu erheben.

Um aber diesen Weg zu gehen – anderen zu helfen, sich zu erheben – brauchen wir, das dürfen wir nie vergessen, die persönlichen Begegnungen mit Jesus, Augenblicke des Gebets, der Anbetung und vor allem des Hörens auf das Wort Gottes. Ich frage euch nur: Wie viele von euch lesen zwei Minuten täglich im Evangelium? Zwei Minuten! Du kannst ein kleines Evangelium in deiner Handtasche, in deiner Schultasche tragen… Wenn du im Bus sitzt, wenn du in der U-Bahn, im Zug fährst oder du eine Pause machst und dich zuhause hinsetzt, dann öffnest du es und liest zwei Minuten. Versuch es! Und du wirst sehen, wie es dein Leben verändert. Warum? Weil du Jesus begegnest. Du begegnest dem Wort Gottes.

Das zweite Wort ist »Gemeinschaft«. Wir schreiben die Geschichte nicht allein; einige haben das geglaubt, sie meinen, dass sie allein mit ihren Plänen die Geschichte aufbauen. Wir sind ein Volk, und die Geschichte wird von den Völkern aufgebaut, nicht von den Ideologen. Die Völker sind die Protagonisten der Geschichte. Wir sind eine Gemeinschaft, wir sind eine Kirche. Und wenn du als Christ etwas aufbauen willst, dann musst du es mit dem Volk Gottes tun, in der Kirche, als Volk. Nicht in einer kleinen, schicken Gruppe von Snobs, die sich vom Leben des Gottesvolkes fernhält. Das Gottesvolk ist die Kirche, mit allen Menschen guten Willens, mit seinen Kleinen, seinen Großen, seinen Kranken, seinen Gesunden, seinen Sündern – das sind wir alle! Mit Jesus, der Jungfrau Maria, den Heiligen, die uns begleiten. Als Volk unterwegs sein. Eine Geschichte des Volkes aufbauen. Jesus zählt auf dich, und er zählt auch auf ihn, auf sie, auf uns alle, auf einen jeden.

Wir wissen, dass wir als Kirche in einer ganz besonderen Zeit leben, im Jahr der Bischofssynode, die sich mit dem Thema der Jugendlichen befassen wird. Ihr, die Jugendlichen, werdet der Gegenstand der Reflexionen dieser Synode sein. Und außerdem werden wir von euch Beiträge erhalten, wie bereits von der Vorversammlung der Synode, die in Rom stattgefunden hat, mit 350 Jungen und Mädchen aus aller Welt: Christen, Nichtchristen und Nichtgläubige. 15.000 Jugendliche haben außerdem durch die sozialen Netzwerke daran teilgenommen und mit ihnen kommuniziert. Sie haben einen Vorschlag gemacht, eine Woche lang haben sie studiert: Sie haben gestritten, diskutiert, miteinander gelacht. Und dieser Beitrag erreicht uns in der Synode. Und hier seid ihr. Mit diesem Beitrag gehen wir voran.

Ich lade euch ein, daran teilzunehmen, aus ganzem Herzen Protagonisten dieses so wichtigen kirchlichen Ereignisses zu sein. Bleibt nicht am Rande! Bringt euch ein und sagt, was ihr denkt! Seid nicht wählerisch: »Was mich angeht, was mich betrifft, ich denke nun mal anders darüber, ich bin nicht einverstanden mit dem, was du sagst.« Wie lebt ihr? Teil mit, was du erlebst! Der Papst möchte es hören. Der Papst möchte einen Dialog führen und gemeinsam nach neuen Wegen der Begegnung suchen, die unseren Glauben erneuern und unsere Evangelisierungssendung neu beleben.

Ihr wisst besser als ich, dass Computer und Handys aktualisiert werden müssen, um besser zu funktionieren. Auch unsere Pastoral muss aktualisiert, erneuert werden. Sie muss die Verbindung mit Christus überprüfen im Licht des Evangeliums – das du ab jetzt in der Tasche trägst und in dem du zwei Minuten täglich liest – im Hinblick auf die heutige Welt, indem wir Entscheidungen finden und der gemeinsamen Sendung neue Kraft schenken. Das vor allem ist eure Aufgabe in diesen Tagen, die ich mit meiner Nähe und meinem Gebet begleite. Und mit meiner Zuneigung.

 



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