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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DER KONFERENZ

"DER UMGANG MIT EINEM GEMEINSAMEN GUT: ZUGANG ZU TRINKWASSER FÜR ALLE"
[Päpstliche Universität Urbaniana, 8. November 2018]

 

Herr Kardinal,
sehr verehrter Herr Rektor,
Brüder und Schwestern!

Ich beglückwünsche Sie zur Organisation der Konferenz zum Thema »Der Umgang mit einem gemeinsamen Gut: Zugang zu Trinkwasser für alle«. Wasser ist grundlegend für das Leben. In vielen Regionen der Welt können unsere Brüder und Schwestern aufgrund des fehlenden Zugangs zu sauberem Wasser kein menschenwürdiges Leben führen. Die dramatischen Statistiken, die den Durst betreffen, und besonders die Situation jener Menschen, die durch ungesundes Wasser krank werden und oft auch sterben, ist eine entsetzliche Schande für die Menschheit des 21. Jahrhunderts.

Leider fehlt es in vielen Ländern, in denen die Bevölkerung keinen regelmäßigen Zugang zu Trinkwasser hat, nicht an der Lieferung von Waffen und Munition, die die Situation noch weiter verschlimmern! Die Korruption und die Interessen einer Wirtschaft, die ausgrenzt und tötet, siegen allzu oft über die Bemühungen, die in solidarischer Form den Zugang zum Wasser gewährleisten sollten. Die Statistiken, die den Durst betreffen, verlangen Willen und Entschlossenheit, und alle institutionellen, organisatorischen, pädagogischen, technologischen und finanziellen Bemühungen dürfen nicht nachlassen.

Ich habe bereits einige Überlegungen zu diesem Thema in der Enzyklika Laudato si’ sowie in der kürzlich veröffentlichten Botschaft zum Weltgebetstag für die Wahrung der Schöpfung dargelegt. Ich hoffe, dass jene, die auf dieser Konferenz sprechen und daran teilnehmen, in ihren beruflichen und politischen Bereichen die Dringlichkeit, den Willen und die Entschlossenheit, die notwendig sind, vermitteln können. Der Heilige Stuhl und die Kirche sind bemüht um den Zugang zu Trinkwasser für alle. Dieses Bemühen kommt in zahlreichen Initiativen zum Ausdruck – wie der Schaffung von Infrastrukturen, der Bildungstätigkeit, der Interessenvertretung, dem Beistand für gefährdete Bevölkerungsgruppen, deren Wasserversorgung nicht gewährleistet ist, darunter die Migranten – sowie in dem Verweis auf die Gesamtheit der ethischen Bezugspunkte und Prinzipien, die aus dem Evangelium und aus einer gesunden Anthropologie hervorgehen.

Denn eine angemessene Anthropologie ist unverzichtbar für verantwortungsvolle und solidarische Lebensstile, für eine wahre Ökologie (vgl.Laudato si’, 118; 122) sowie für die Anerkennung des Zugangs zu Trinkwasser als Recht, das der Würde des Menschen entspringt und daher unvereinbar ist mit der Auffassung vom Wasser als einer beliebigen Ware. Die Grundsätze und Werte des Evangeliums müssen zum konkreten Bemühen eines jeden um die Erlangung des Gemeinwohls der ganzen Menschheitsfamilie führen (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 179-183). Unter dem Gesichtspunkt des Glaubens erkennen wir in jedem dürstenden Menschen das Bild Gottes, wie wir im Evangelium nach Matthäus lesen: »Ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben« (Mt 25,42).

An dieser Konferenz sind zu Recht Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen und Kulturen beteiligt; die zweifache geistliche und kulturelle Dimension des Wassers darf nie vernachlässigt werden, denn sie ist entscheidend für die Bildung des Sozialgefüges, das Zusammenleben und die Organisation der Gemeinschaft. Ich lade euch ein, über die Symbolik des Wassers in den großen religiösen Traditionen nachzudenken und fordere euch ebenso auf zur Betrachtung dieser Ressource, die, wie der heilige Franz von Assisi schrieb, »gar nützlich ist und demütig und kostbar und keusch«.

Ich rufe den Segen des allerhöchsten Schöpfers auf einen jeden von euch und auf eure Familien herab, sowie auf die Initiativen, die auf einen besseren Umgang mit dem Wasser ausgerichtet sind. Ich wünsche euch alles Gute für eure Arbeiten, und ich bitte euch, für mich zu beten.

Aus dem Vatikan, am 7. November 2018

Franziskus

 

 



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