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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER EINES KONGRESSES ZUM TAG
»PRO ORANTIBUS«

[St. Johann im Lateran, 21. November 2018]

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Am liturgischen Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem begehen wir heute den 65. Tag »Pro Orantibus«. In diesem Jahr wird der Tag in der Päpstlichen Lateranuniversität und der Päpstlichen Basilika St. Johann im Lateran begangen und ist der Vorstellung zweier Dokumente gewidmet, die das kontemplative Leben von Frauen direkt betreffen: die Apostolische Konstitution Vultum Dei quaerere und die Instruktion Cor orans.

Aus diesem Anlass möchte ich euch alle, die ihr an dem Kongress teilnehmt, herzlich grüßen und durch euch alle Ordensfrauen und -männer, die Christus im kontemplativen Leben nachfolgen, indem sie das Antlitz Gottes suchen und an der Sendung der Kirche teilhaben, in der sie das betende Herz sind. Danke, dass ihr der Einladung gefolgt seid, an dieser Begegnung und an dieser Liturgiefeier teilzunehmen, die seinerzeit der Kardinalpräfekt und der Sekretär mit meiner Ermutigung an euch gerichtet haben. Und ich danke auch dem Sekretariat Pro Monialibus, das diesen Tag stets sehr sorgfältig vorbereitet und sich in der »Villa della Meditazione« um Schwestern mit besonderen Bedürfnissen kümmert sowie Klöstern in Schwierigkeiten hilft.

Ich möchte diesen Tag erneut zum Anlass nehmen, um euch die hohe Wertschätzung der Kirche für eure Lebensform zum Ausdruck zu bringen. Was wäre die Kirche ohne das kontemplative Gebet? Was wäre mit den schwächsten Gliedern der Kirche, die in euch eine Stütze finden, um den Weg fortzusetzen? Was würde aus der Kirche und der Welt ohne jene Leuchttürme, die demjenigen, der sich auf dem offenen Meer verirrt hat, den Hafen anzeigen; ohne die Fackeln, die die dunkle Nacht erhellen, die wir durchmachen; ohne die Wächter, die den neuen Tag ankündigen, wenn es noch Nacht ist? Danke, kontemplative Schwestern und Brüder, weil ihr all dies für die Welt seid: Stütze für die Schwachen, Leuchttürme, Fackeln und Wächter (vgl. Apostolische Konstitution Vultum Dei quaerere I,6). Danke, denn ihr bereichert uns mit vielen Früchten der Heiligkeit, der Barmherzigkeit und der Gnade (vgl. ebd. I,5). Mit der ganzen Kirche bete auch ich, dass »der Herr in euren Herzen sein Werk vollbringen und euch ganz in ihn umgestalten möge; das ist das letzte Ziel des kontemplativen Lebens. Eure Gemeinschaften oder Schwesternschaften sollen echte Schulen der Kontemplation und des Gebets sein. Die Welt und die Kirche brauchen euch […]. Dies soll eure Prophetie sein« (ebd. I,36).

Bei dieser Gelegenheit möchte ich euch einladen, die Herausforderung der Ausbildung und Formung ernst zu nehmen, denn, wie ihr wisst, ist es ein »Weg der fortschreitenden Assimilierung der Gesinnung Christi an den Vater« (Hl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Vita consecrata, 65). Da die Ausbildung offensichtlich das ganze Leben lang dauert, muss man daher auch verantwortungsvoll akzeptieren, dass sie ein langsamer Prozess ist, bei dem man keine Eile haben darf. In diesem Zusammenhang möchte ich euch auch daran erinnern, wie wichtig die Unterscheidung sowie die geistliche und die Berufung betreffende Begleitung der Kandidatinnen sind, ohne sich je von der Sorge um Zahlen und Effizienz einnehmen zu lassen (vgl. Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens, Neubeginn in Christus, 19. Mai 2002, 18). Ebenso wichtig ist die Formung der Ausbilderinnen und der Schwestern, die den Dienst der Autorität zu leisten gerufen sind. Damit euer kontemplatives Leben für die Kirche und die Welt von heute aussagekräftig sein kann, ist es notwendig, auf eine den Anforderungen des gegenwärtigen Augenblicks entsprechende Ausbildung zu setzen: eine ganzheitliche, personalisierte und gut begleitete Ausbildung. Eine solche Ausbildung wird eure kreative Treue zum empfangenen Charisma nähren und bewahren, sowohl jeder einzelnen Schwester als auch der ganzen Gemeinschaft.

Liebe Brüder und Schwestern, dieser in Geschwisterlichkeit verbrachte Tag möge euren Gemeinschaften Licht und Leben schenken. Die Jungfrau Maria, Vorbild der Kontemplation, möge euch lehren, beständig das Antlitz Gottes zu suchen und eurer Sendung treu zu bleiben, das betende Herz der Kirche zu sein. Mit Zuneigung erteile ich euch den Apostolischen Segen und bitte euch, für mich zu beten.

Aus dem Vatikan, 21. November 2018

Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem und
Tag der in Klausur lebenden Ordensgemeinschaften »Pro Orantibus«

FRANZISKUS

 



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