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BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN SEINE HEILIGKEIT BARTHOLOMAIOS I., ÖKUMENISCHER PATRIARCH,
 ZUM FEST DES HL. ANDREAS

 

An Seine Heiligkeit Bartholomaios,
Erzbischof von Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch

Mit besonderer Freude übermittle ich am Fest des heiligen Apostels Andreas, Schutzpatron des Ökumenischen Patriarchats, meine tief empfundene Zuneigung, zusammen mit der Versicherung meines Gebets für Sie, Heiligkeit, geliebter Bruder in Christus, und für die Kirche, die unser Herr Ihrer Hirtensorge anvertraut hat. Ebenso entbiete ich herzliche Grüße den Mitgliedern des Heiligen Synods des Ökumenischen Patriarchats, dem Klerus, den Mönchen und den Ordensschwestern sowie allen Gläubigen, die in der Patriarchalkirche Sankt Georg versammelt sind zur feierlichen Liturgie zu Ehren des heiligen Andreas, des Erstberufenen und Bruders des heiligen Petrus.

Der Austausch von Delegationen zwischen der Kirche von Rom und der Kirche von Konstantinopel anlässlich ihrer jeweiligen Feste ist im Laufe der Jahre zu einem freudigen Brauch geworden und bringt die tiefe Verbindung zum Ausdruck, die unsere beiden Sitze miteinander vereint. Während es scheinen könnte, dass Jahrhunderte gegenseitiger Missverständnisse, Differenzen und des Schweigens dieser Beziehung Schaden zugefügt hätten, so hat der Heilige Geist, der Geist der Einheit, uns wieder einen brüderlichen Dialog beginnen lassen. Dieser wurde von unseren ehrwürdigen Vorgängern, dem Patriarchen Athenagoras und dem heiligen Papst Paul VI., endgültig wieder aufgenommen und hat uns jene Bande der Gemeinschaft, die zwischen uns stets existiert haben, wiederentdecken lassen.

Unsere Kirchen haben die Apostolische Tradition sehr sorgfältig bewahrt, zusammen mit der Lehre der ersten Ökumenischen Konzilien und der Kirchenväter, trotz der Unterschiede, die sich in den örtlichen Traditionen und in den theologischen Formulierungen, die vertieft verstanden und geklärt werden müssen, entwickelt haben. Gleichzeitig haben beide Kirchen, mit Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Welt, den dringenden Ruf wahrgenommen, der an uns alle, die wir getauft worden sind, ergeht, allen Männern und Frauen das Evangelium zu verkündigen.

Aus diesem Grund können wir heute zusammenarbeiten in der Suche nach dem Frieden zwischen den Völkern, für die Abschaffung aller Formen der Sklaverei, für die Achtung und die Würde jedes Menschen und für die Bewahrung der Schöpfung. Mit Gottes Hilfe, durch die Begegnung und den Dialog auf dem Weg, den wir in den letzten 50 Jahren gemeinsam beschritten haben, erfahren wir bereits, dass wir in Gemeinschaft sind, wenngleich es noch nicht die volle und vollkommene Gemeinschaft ist. Das Streben nach Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft ist in erster Linie eine Antwort auf den Willen unseres Herrn Jesus Christus, der am Vorabend seines Leidens gebetet hat, dass seine Jünger »eins sein« sollen (Joh 17,21).

Vereint geben wir eine wirksamere Antwort auf die Nöte vieler Männer und Frauen unserer Zeit, besonders jener, die aufgrund von Armut, Hunger, Krankheit und Krieg leiden. Hier möchte ich Ihnen, Heiligkeit, meine tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für Ihre Anwesenheit auf dem Tag des Gebets und der Reflexion für den Frieden im Nahen Osten, der am vergangenen 7. Juli in Bari stattgefunden hat und an dem die Oberhirten der Kirchen, oder ihre Vertreter, jener zutiefst geplagten Region teilgenommen haben. Es ist eine Quelle großen Trostes, mit Ihnen, Heiligkeit, dieselbe Sorge um die tragische Situation unserer Brüder und Schwestern in der Region zu teilen.

In einer von Konflikten verwundeten Welt ist die Einheit der Christen ein Zeichen der Hoffnung, das immer sichtbarer ausstrahlen muss. Indem ich mir das vor Augen halte, versichere ich Sie, Heiligkeit, auch meines Gebets, auf dass Gott, der Quell der Versöhnung und des Friedens, uns Christen gewähren möge, »alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und Liebe zueinander« zu sein (1 Petr 3,8). Wir sind von Gott dazu berufen worden, damit wir Segen erben (vgl. 1 Petr 3,9). Im Vertrauen auf die Fürsprache unserer Schutzpatrone, des heiligen Petrus und des heiligen Andreas, versichere ich Sie und alle Gläubigen des Ökumenischen Patriarchats erneut meiner guten Wünsche, verbunden mit meinem Gebet, im Namen der ganzen katholischen Kirche.

Mit Empfindungen tiefer Wertschätzung und brüderlicher Zuneigung und im Vertrauen auch auf Ihr Gebet tausche ich mit Ihnen, Heiligkeit, eine Umarmung des Friedens aus in Christus, unserem Herrn.

Franziskus

 



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