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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
A
N EINE GRUPPE NEUER BOTSCHAFTER
BEIM HEILIGEN STUHL
 

Clementina-Saal
Donnerstag, 12. Dezember 2013

 

Frau Botschafterin,
meine Herren Botschafter!

Mit Freude heiße ich Sie willkommen aus Anlass der Überreichung Ihrer Beglaubigungsschreiben, mit denen Sie als außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter Ihrer jeweiligen Länder beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden: Algerien, Island, Dänemark, Lesotho, Palästina, Sierra Leone, Cap Verde, Burundi, Malta, Schweden, Pakistan, Sambia, Norwegen, Kuwait, Burkina Faso, Uganda und Jordanien.

Ich danke Ihnen für die herzlichen Worte, die Sie an mich gerichtet haben, wie auch für die Grüße, die jeder von Ihnen mir seitens seines jeweiligen Staatsoberhauptes übermittelt hat. Ich bitte Sie Ihnen zu versichern, dass ich diese erwidere mit den besten Wünschen für sie selbst und für die Ausübung ihres hohen Amtes. Durch Ihre Vermittlung möchte ich ebenso die zivilen und religiösen Führungspersönlichkeiten Ihrer Länder grüßen, wie auch all Ihre Mitbürger, mit einem besonderen Gedanken an die katholischen Gemeinschaften.

Bei der Begegnung mit Ihnen denke ich zuallererst an die internationale Gemeinschaft, an die vielfältigen Initiativen, die unternommen werden, um den Frieden, den Dialog, die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu fördern und um der Bevölkerung beizustehen, die von unterschiedlichen Problemen bedrängt wird. Heute möchte ich mit Ihnen gemeinsam eine Frage behandeln, die mich sehr beunruhigt und die augenblicklich die Würde der Menschen bedroht: es handelt sich um den Menschenhandel. Er ist eine echte Form der Sklaverei, die sich leider immer mehr ausbreitet und die jedes einzelne Land betrifft, selbst die am weitesten entwickelten Länder, und dessen Opfer die verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft sind: Frauen und Mädchen, Kinder, Behinderte, die Ärmsten der Armen, Menschen, die aus zerrütteten familiären oder gesellschaftlichen Situationen stammen.

Wir Christen erkennen gerade in ihnen das Antlitz Jesu Christi, der sich gerade mit den Kleinsten und Bedürftigsten identifiziert hat. Andere Menschen, die sich auf keine Religion berufen, teilen dieses Mitleid mit ihrem Leiden im Namen der uns allen gemeinsamen Menschlichkeit und setzen sich dafür ein, diese Menschen zu befreien und ihr Leiden zu lindern. Gemeinsam können und müssen wir uns dafür einsetzen, dass diese Menschen wieder befreit werden und dass diesem schrecklichen Handel ein Ende gesetzt wird. Es ist die Rede von Millionen von Opfern der Zwangsarbeit, Sklavenarbeit, des Menschenhandels zum Zwecke billiger Arbeitskraft und sexueller Ausbeutung. All das kann so nicht weitergehen: Es stellt eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte der Opfer und ihrer Würde dar, während es zugleich eine Niederlage der Weltgemeinschaft ist. Die Menschen guten Willens, ob sie sich nun zu einer Religion bekennen oder nicht, können es nicht zulassen, dass diese Frauen, diese Männer, diese Kinder als Objekte behandelt, betrogen, vergewaltigt, oft zu den unterschiedlichsten Zwecken verkauft und schließlich getötet oder in jedem Fall physisch und geistig zugrunde gerichtet werden, um schließlich weggeworfen und fallen gelassen zu werden. Es ist eine Schande.

Der Menschenhandel ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir müssen unsere Kräfte vereinen, um dessen Opfer zu befreien und um diesem immer aggressiveren Verbrechen Einhalt zu gebieten, das neben den einzelnen Menschen die Grundwerte der Gesellschaft wie auch die internationale Sicherheit und Gerechtigkeit, die Wirtschaft, die familiären Strukturen und das Zusammenleben in der Gesellschaft schlechthin bedroht.

Gleichwohl bedarf es einer gemeinsamen Übernahme von Verantwortung sowie eines entschiedeneren politischen Willens, um in diesem Bereich den Sieg davonzutragen. Der Verantwortlichkeit gegenüber den Opfern des Menschenhandels, um ihre Rechte zu schützen, um ihre Unversehrtheit wie auch die ihrer Angehörigen zu gewährleisten, um zu verhindern, dass korrupte Menschen und Kriminelle sich der Gerechtigkeit entziehen und diesen Menschen gegenüber das letzte Wort behalten. Eine entsprechende Gesetzesvorlage in den Herkunftsländern, in den Transitländern und in den Zielländern kann das Problem reduzieren, auch im Hinblick auf eine erleichterte Rechtmäßigkeit der Migration.

Die Regierungen und die internationale Gemeinschaft, denen es als erste obliegt, diesem Phänomen vorzubeugen und es zu verhindern, haben nicht verabsäumt, auf den verschiedensten Ebenen Maßnahmen zu ergreifen, um es zu stoppen und um die Opfer dieses Verbrechens, das nicht selten mit dem Drogen- und Waffenhandel, mit dem Transport illegaler Einwanderer und mit der Mafia verbunden ist, zu schützen und ihnen beizustehen. Wir können leider nicht leugnen, dass mitunter selbst öffentliche Amtsträger und Mitglieder von Friedenstruppen davon angesteckt wurden. Um aber gute Ergebnisse zu erzielen, ist es erforderlich, dass die Bekämpfung dieses Phänomens auch auf der Ebene der Kultur und der Kommunikation erfolgt. Und auf dieser Ebene bedarf es einer gründlichen Gewissensprüfung: Wie oft dulden wir, dass ein Mensch als Objekt betrachtet wird, zur Schau gestellt wird, um ein Produkt zu verkaufen oder um unmoralische Wünsche zu befriedigen? Der Mensch darf nie wie eine Ware verkauft oder gekauft werden. Wer einen Menschen ausnutzt und ausbeutet, wenn auch nur auf indirekte Weise, macht sich zum Mittäter bei dieser Art von Übergriffen. Meine Dame und meine Herren, ich wollte diese Überlegungen zu einer sozialen Geißel unserer Zeit mit Ihnen teilen, da ich an den Wert und die Kraft einer gemeinsamen Verpflichtung zu ihrer Bekämpfung glaube. Ich appelliere daher an die internationale Gemeinschaft, die Strategie gegen den Menschenhandel noch übereinstimmender und wirksamer zu machen, damit die Männer und Frauen in aller Welt nie als Mittel gebraucht, sondern stets in ihrer unantastbaren Würde respektiert werden.

Einem jeden von Ihnen, Frau Botschafterin und meine Herren Botschafter, bringe ich in diesem Augenblick, in dem Sie Ihre Mission beim Heiligen Stuhl antreten, meine besten Wünsche zum Ausdruck und versichere Sie der Unterstützung der verschiedenen Dikasterien der Römischen Kurie bei der Erfüllung Ihrer Funktion. So rufe ich von Herzen auf Sie und Ihre Familienangehörigen wie auch auf Ihre Mitarbeiter die Fülle des göttlichen Segens herab.



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