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ROSENKRANZGEBET

WORTE VON PAPST FRANZISKUS

Papstbasilika Santa Maria Maggiore
Samstag, 4. Mai 2013

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Ich danke dem verehrten Erzpriester dieser Basilika für die zu Beginn gesprochenen Worte. Ich danke Ihnen, Bruder und Freund, eine Freundschaft, die in jenem Land am Ende der Welt entstanden ist. Vielen Dank. Ich danke dem Kardinalvikar, den Kardinälen, Bischöfen und Priestern für ihre Anwesenheit. Und ich danke euch, Brüder und Schwestern, dass ihr heute gekommen seid, um zur Muttergottes, zur Mutter, zur »Salus Populi Romani« zu beten. Denn heute Abend sind wir hier vor Maria. Wir haben unter ihrer mütterlichen Obhut gebetet, damit sie uns dazu führe, immer mehr mit ihrem Sohn Jesus vereint zu sein; wir haben ihr unsere Leiden, unsere Hoffnungen und unsere Schwierigkeiten gebracht; wir haben sie mit dem schönen Titel »Salus Populi Romani« angerufen und für uns alle, für Rom, für die Welt um die Gabe des Wohlergehens gebetet. Ja, denn Maria schenkt uns das Wohlergehen, sie ist unser Wohl. Jesus Christus schenkt uns durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung das Heil, er schenkt uns die Gnade und die Freude, Kinder Gottes zu sein, Gott wahrhaft Vater zu nennen. Maria ist Mutter, und eine Mutter sorgt sich vor allem um das Wohlergehen ihrer Kinder, sie weiß sie immer mit großer und zärtlicher Liebe zu pflegen. Die Muttergottes behütet unser Wohlergehen. Was heißt das, dass die Muttergottes unser Wohlsein behütet? Ich denke vor allem an drei Aspekte: sie hilft uns zu wachsen, das Leben in Angriff zu nehmen, frei zu sein; sie hilft uns zu wachsen, sie hilft uns das Leben in Angriff zu nehmen, sie hilft uns frei zu sein.

1. Eine Mutter hilft den Kinder zu wachsen und will, dass sie gut aufwachsen; deshalb erzieht sie sie dazu, nicht der Faulheit nachzugeben – die auch einem gewissen Wohlstand entspringt –, sich nicht einem bequemen Leben hinzugeben, das sich damit zufriedengibt, lediglich Dinge zu besitzen. Die Mutter kümmert sich um ihre Kinder, damit sie immer mehr wachsen, stark werden, fähig, Verantwortung zu übernehmen, sich im Leben zu engagieren, nach großen Idealen zu streben. Das Evangelium des heiligen Lukas sagt uns, dass Jesus in der Familie von Nazaret »heranwuchs und kräftig wurde, erfüllt von Weisheit, und die Gnade Gottes ruhte auf ihm« (vgl. Lk 2,40). Gerade dies tut die Muttergottes in uns, sie hilft uns, menschlich und im Glauben zu wachsen, stark zu sein und nicht der Versuchung nachzugeben, auf oberflächliche Weise Menschen und Christen zu sein, sondern mit Verantwortung zu leben und immer nach dem Höheren zu streben.

2. Eine Mutter denkt dann an das Wohlergehen der Kinder auch, indem sie sie dazu erzieht, den Schwierigkeiten des Lebens entgegenzutreten. Man erzieht nicht, man sorgt nicht für das Wohlergehen, indem man Probleme vermeidet, als wäre das Leben eine Autobahn ohne Hindernisse. Die Mutter hilft den Kindern, die Probleme des Lebens mit realistischem Blick zu betrachten und sich nicht in ihnen zu verlieren, sondern sie mutig in Angriff zu nehmen, nicht schwach zu sein und sie zu überwinden zu wissen in einem gesunden Gleichgewicht, das eine Mutter zwischen den Bereichen der Sicherheit und den Zonen der Gefahr »spürt«. Und das kann eine Mutter gut! Sie bringt das Kind nicht immer auf den Weg der Sicherheit, denn auf diese Weise kann das Kind nicht wachsen, aber sie lässt es auch nicht nur auf dem Weg der Gefahr, denn das ist gefährlich. Eine Mutter weiß die Dinge in das rechte Gleichgewicht zu bringen. Ein Leben ohne Herausforderungen gibt es nicht, und ein Junge oder Mädchen, die sie nicht anzunehmen und sich selbst dabei ins Spiel zu bringen wissen, haben kein Rückgrat! Erinnern wir uns an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Jesus stellt nicht den Priester und den Leviten als Beispiel vor Augen, die es vermeiden, dem von Räubern Überfallenen zur Hilfe zu kommen, sondern den Samariter, der die Situation jenes Mannes sieht und sie konkret angeht, auch unter Gefahren.

Maria hat viele nicht leichte Momente in ihrem Leben erlebt, von der Geburt Jesu, als »in der Herberge kein Platz für sie war« (Lk 2,7), bis hin zu Golgota (vgl. Joh 19,25). Und wie eine gute Mutter ist sie uns nahe, damit wir angesichts der Widrigkeiten des Lebens, angesichts unserer Schwäche, angesichts unserer Sünden nie den Mut verlieren: sie gibt uns Kraft, sie weist uns den Weg ihres Sohnes. Jesus sagt vom Kreuz herab zu Maria, indem er auf Johannes weist: »Frau, siehe, dein Sohn!« Und zu Johannes sagt er: »Siehe, deine Mutter!« (vgl. Joh 19,26–27). In diesem Jünger sind wir alle vertreten: der Herr vertraut uns den liebevollen und zärtlichen Händen der Mutter an, damit wir ihre Hilfe spüren, wenn wir die Schwierigkeiten unseres menschlichen und christlichen Weges annehmen und besiegen; keine Angst vor den Schwierigkeiten haben, sie mit der Hilfe der Mutter annehmen.

3. Ein letzter Aspekt: Eine gute Mutter begleitet die Kinder nicht nur bei ihrem Wachstum, indem sie den Problemen, den Herausforderungen des Lebens nicht ausweicht; eine gute Mutter hilft auch, endgültige Entscheidungen in Freiheit zu treffen. Das ist nicht leicht, aber eine Mutter weiß das zu tun. Aber was heißt Freiheit? Es bedeutet sicherlich nicht, alles zu tun, was man will, sich von den Leidenschaften beherrschen zu lassen, eine Erfahrung nach der anderen zu machen ohne Unterscheidung, den Moden der Zeit zu folgen; Freiheit bedeutet nicht, sozusagen all das, was uns nicht gefällt, aus dem Fenster zu werfen. Nein, das ist keine Freiheit! Die Freiheit ist uns gegeben, damit wir im Leben gute Entscheidungen zu treffen wissen! Maria erzieht uns als gute Mutter dazu, wie sie fähig zu sein, endgültige Entscheidungen zu treffen; endgültige Entscheidungen, in diesem Moment, in dem sozusagen die Philosophie des Vorläufigen herrscht. Es ist so schwer, sich im Leben endgültig zu verpflichten. Und sie hilft uns, endgültige Entscheidungen zu treffen in jener vollen Freiheit, in der sie »Ja« gesagt hat zum Plan Gottes für ihr Leben (vgl. Lk 1,38).

Liebe Brüder und Schwestern, wie schwer ist es in unserer Zeit, endgültige Entscheidungen zu treffen. Das Vorläufige verführt uns. Wir sind Opfer einer Tendenz, die uns zur Vorläufigkeit drängt… als wollten wir Heranwachsende bleiben. Es ist ein wenig die Faszination, Heranwachsende zu bleiben, und das das ganze Leben lang!

Haben wir keine Angst vor endgültigen Verpflichtungen, vor Verpflichtungen, die das ganze Leben betreffen und umfassen! So wird unser Leben fruchtbar werden! Und das ist Freiheit: den Mut zu haben, diese Entscheidungen mit Großherzigkeit zu treffen.

Das ganze Leben Mariens ist eine Hymne auf das Leben, eine Hymne der Liebe auf das Leben: sie hat Jesus im Fleisch geboren und hat die Geburt der Kirche auf Golgota und im Abendmahlssaal begleitet. Die »Salus Populi Romani« ist die Mutter, die uns das Wohlergehen im Wachstum schenkt, sie schenkt uns das Wohl beim Angehen und Überwinden der Probleme, sie schenkt uns Wohlergehen, indem sie uns frei macht für endgültige Entscheidungen; die Mutter lehrt uns, fruchtbar zu sein, für das Leben offen zu sein und immer Früchte des Guten zu bringen, Früchte der Freude, Früchte der Hoffnung, niemals die Hoffnung zu verlieren, den anderen das Leben zu schenken, physisch und geistlich.

Darum bitten wir dich, o Maria, Salus Populi Romani, heute Abend für das Volk von Rom, für uns alle: schenke uns das Wohlergehen, das nur du uns schenken kannst, um immer Zeichen und Werkzeuge des Lebens zu sein. Amen.

* * *

Vor der Basilika richtete der Heilige Vater die folgenden Worte an die zahlreich auf dem Platz  versammelten Menschen:

Brüder und Schwestern! Guten Abend! Vielen Dank für eure Anwesenheit im Haus der »Mutter von Rom«, unserer Mutter. Es lebe die Salus Populi Romani! Es lebe die Muttergottes! Sie ist unsere Mama. Vertrauen wir uns ihr an, damit sie uns wie eine gute Mutter behüte. Ich bete für euch, aber ich bitte euch auch, für mich zu beten, denn ich brauche es. Drei »Ave« für mich. Ich wünsche euch morgen einen schönen Sonntag. Auf Wiedersehen! Jetzt gebe ich euch den Segen – euch und eurer ganzen Familie… Es segne euch Gott, der Allmächtige Vater… Einen gesegneten Sonntag.

 

 


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