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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER EINES VOM PÄPSTLICHEN RAT FÜR DIE LAIEN VERANSTALTETEN SEMINARS ZUM 25. JAHRESTAG DES APOSTOLISCHEN SCHREIBENS "MULIERIS DIGNITATEM"

Clementina-Saal
Samstag, 12. Oktober 2013

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Ich teile mit euch die Gedanken, wenn auch nur kurz, über das wichtige Thema, das ihr in diesen Tagen behandelt: die Berufung und Sendung der Frau in unserer Zeit. Ich danke euch für euren Beitrag. Anlass war der 25. Jahrestag des Apostolischen Schreibens Mulieris dignitatem von Papst Johannes Paul II.: ein historisches Dokument, das erste des päpstlichen Lehramtes, das gänzlich dem Thema der Frau gewidmet war. Ihr habt insbesondere jenen Punkt vertieft, wo es heißt, dass Gott der Frau in einer besonderen Weise den Menschen anvertraut (vgl. Nr. 30).

Was bedeutet dieses »in besonderer Weise anvertrauen«, das besondere Anvertraut-Sein des Menschen an die Frau? Es scheint mir offensichtlich, dass mein Vorgänger sich hier auf die Mutterschaft bezieht. Viele Dinge können sich ändern und haben sich mit der kulturellen und sozialen Entwicklung geändert, aber es bleibt die Tatsache bestehen, dass es die Frau ist, die die Menschenkinder empfängt, in ihrem Schoß trägt und gebiert. Und das ist nicht nur ein rein biologisches Faktum, sondern es beinhaltet eine Fülle von Implikationen sowohl für die Frau selbst, für ihre Art des Seins, als auch für ihre Beziehungen, für ihre Art, sich zum menschlichen Leben und zum Leben allgemein in Beziehung zu setzen. Indem Gott die Frau zur Mutterschaft berufen hat, hat er ihr in ganz besonderer Weise den Menschen anvertraut.

Hier aber gibt es stets zwei Gefahren, zwei gegensätzliche Extreme, die der Frau und ihrer Berufung die Lebenskraft nehmen. Die erste Gefahr besteht darin, die Mutterschaft auf eine gesellschaftliche Rolle zu reduzieren, auf eine wenn auch edle Aufgabe, die aber die Frau mit ihren Potentialitäten abseits stehen und sie beim Aufbau der Gemeinschaft nicht voll zur Geltung kommen lässt – sowohl im zivilen als auch im kirchlichen Bereich.

Und als Reaktion darauf gibt es die andere Gefahr, in gegensätzlicher Richtung, das heißt eine Art von Emanzipation zu fördern, die – um die dem Männlichen entzogenen Räume zu besetzen –, das Weibliche mit seinen wertvollen charakteristischen Zügen aufgibt. Und hier möchte ich betonen, dass die Frau eine besondere Sensibilität für »die Dinge Gottes« hat, vor allem um uns zu helfen, die Barmherzigkeit, die Zärtlichkeit und die Liebe zu verstehen, die Gott für uns hat. Ich denke auch gerne daran, dass es nicht heißt »der« Kirche, sondern »die« Kirche. Die Kirche ist Frau, ist Mutter, und das ist schön. Darüber solltet ihr nachdenken und es vertiefen.

Das Apostolische Schreiben Mulieris dignitatem steht in diesem Kontext und bietet eine tiefgehende, systematische Reflexion auf einer soliden anthropologischen Basis, die von der Offenbarung erhellt wird. Von hier müssen wir erneut ausgehen im Hinblick auf jene Arbeit der Vertiefung und Förderung, die ich schon bei mehreren Anlässen gewünscht habe. Auch in der Kirche ist es wichtig, sich zu fragen: Wie ist die Präsenz der Frau? Ich leide – ich sage die Wahrheit –, wenn ich in der Kirche oder in einigen kirchlichen Organisationen sehe, dass die Rolle des Dienens – die wir alle haben und haben müssen –, dass die Rolle des Dienens der Frau in Richtung einer Rolle des »servidumbre« [Fronarbeit] abgleitet. Ich weiß nicht, ob man auf Italienisch so sagt.

Versteht ihr mich? Dienst. Wenn ich Frauen sehe, die Dinge des »servidumbre« tun, das bedeutet, dass man nicht recht versteht, was eine Frau tun soll. Welche Präsenz hat die Frau in der Kirche? Kann sie stärker gewürdigt werden? Das ist eine Realität, die mir sehr am Herzen liegt und deshalb wollte ich euch begegnen – im Widerspruch zum Reglement, denn eine Begegnung dieser Art ist nicht vorgesehen – und euch und euren Einsatz segnen. Danke, tragen wir ihn gemeinsam weiter! Maria, eine große Frau, die Mutter Jesu und aller Kinder Gottes, möge uns begleiten. Danke.




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