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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DES VON DER APOSTOLISCHEN
PÖNITENTIARIE VERANSTALTETEN KURSES

Aula delle Benedizioni
Freitag, 28. März 2014

 

 

Liebe Brüder!

Anlässlich des jährlich stattfindenden Kurses über das »Forum Internum« heiße ich euch willkommen. Ich danke Kardinal Mauro Piacenza für die Worte, mit denen er unsere Begegnung eingeleitet hat. Seit einem Vierteljahrhundert bietet die Apostolische Pönitentiarie vor allem den Neupriestern und Diakonen die Gelegenheit dieses Kurses an, um zur Ausbildung guter Beichtväter beizutragen, im Bewusstsein um die Bedeutung dieses Dienstes. Ich danke euch für diesen wertvollen Dienst, und ich ermutige euch, ihn mit erneuertem Einsatz fortzusetzen, indem ihr euch die erworbene Erfahrung zunutze macht und mit weiser Kreativität, um der Kirche und den Beichtvätern immer besser zu helfen, den Dienst der Barmherzigkeit durchzuführen, der so wichtig ist!

In diesem Zusammenhang möchte ich euch einige Reflexionen anbieten. Zunächst einmal ist die Hauptperson des Dienstes der Versöhnung der Heilige Geist. Die Vergebung, die das Sakrament vermittelt, ist das neue Leben, das vom auferstandenen Herrn durch seinen Geist weitergegeben wird: »Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert« (Joh 20,22-23). Ihr seid daher aufgerufen, stets »Männer des Heiligen Geistes« zu sein, frohe und starke Zeugen und Verkündiger der Auferstehung des Herrn. Dieses Zeugnis liest man im Gesicht, hört man in der Stimme des Priesters, der das Sakrament der Versöhnung mit Glauben und mit »Salbung« spendet. Er empfängt die Pönitenten nicht mit der Haltung eines Richters und auch nicht mit der eines einfachen Freundes, sondern mit der Liebe Gottes, mit der Liebe eines Vaters, der den Sohn zurückkehren sieht und ihm entgegengeht, des Hirten, der das verlorene Schaf wiedergefunden hat. Das Herz des Priesters ist ein einfühlsames Herz, nicht aus Sentimentalität oder reiner Gefühlsbetontheit, sondern vom »aufrichtigen Erbarmen« [lat. »viscera misericordiae«] des Herrn her! Wenn es wahr ist, dass die Überlieferung uns für die Beichtväter auf die zweifache Rolle des Arztes und des Richters verweist, dann dürfen wir nie vergessen, dass er als Arzt berufen ist zu heilen und als Richter loszusprechen.

Zweiter Aspekt: Da die Versöhnung das neue Leben des Auferstandenen vermittelt und die Taufgnade erneuert, ist es eure Aufgabe, sie den Brüdern großherzig zu schenken. Diese Gnade schenken. Ein Priester, der diesen Teil seines Dienstes nicht pflegt – sowohl in der Menge an Zeit, die er ihm widmet, als auch in der geistlichen Qualität – ist wie ein Hirte, der nicht für die verirrten Schafe Sorge trägt; er ist wie ein Vater, der den verlorenen Sohn vergisst und sich nicht um ihn kümmert. Aber die Barmherzigkeit ist das Herz des Evangeliums! Vergesst das nicht: Die Barmherzigkeit ist das Herz des Evangeliums! Sie ist die gute Nachricht, dass Gott uns liebt, dass er den sündigen Menschen immer liebt und ihn mit dieser Liebe anzieht und zur Umkehr einlädt. Vergessen wir nicht, dass die Gläubigen sich oft schwertun, das Sakrament zu empfangen, sowohl aus praktischen Gründen als auch aufgrund  der natürlichen Schwierigkeit, einem anderen Menschen die eigenen Sünden zu bekennen. Aus diesem Grund ist es notwendig, viel an uns selbst, an unserer Menschlichkeit zu arbeiten, um nie ein Hindernis zu sein, sondern die Annäherung an die Barmherzigkeit und an die Vergebung stets zu unterstützen. Oft passiert es jedoch, dass jemand kommt und sagt: »Ich habe seit Jahren nicht gebeichtet, ich hatte dieses und jenes Problem, ich habe nicht mehr gebeichtet, weil ein Priester mir dieses und jenes gesagt hat.« Und man sieht in dem, was die Person berichtet, die Unbesonnenheit, den Mangel an pastoraler Liebe. Und sie bleiben fern aufgrund einer schlechten Erfahrung in der Beichte. Wenn diese Haltung des Vaters da ist, die aus der Güte Gottes kommt, wird das nie passieren.

Und man muss sich vor zwei entgegengesetzten Extremen hüten: dem Rigorismus und dem Laxismus. Keiner von beiden tut gut, denn in Wirklichkeit nehmen sie sich nicht der Person des Pönitenten an. Die Barmherzigkeit dagegen hört wirklich mit dem Herzen Gottes zu und will die Seele auf dem Weg der Versöhnung begleiten. Die Beichte ist kein Strafgerichtshof, sondern Erfahrung der Vergebung und der Barmherzigkeit! Schließlich kennen wir alle die Schwierigkeiten, denen die Beichte oft begegnet. Dafür gibt es viele Gründe, sowohl geschichtliche als auch geistliche. Dennoch wissen wir, dass der Herr der Kirche dieses unendlich große Geschenk gemacht hat und den Getauften die Gewissheit der Vergebung des Vaters schenken will. Das ist es: Sie ist die Gewissheit der Vergebung des Vaters. Daher ist es sehr wichtig, dass in allen Diözesen und Pfarrgemeinden die Feier dieses Sakraments der Versöhnung und des Heils besonders gepflegt wird. Es ist gut, wenn in jeder Pfarrei die Gläubigen wissen, wann sie Priester finden können, die zur Verfügung stehen: Wenn Treue vorhanden ist, sieht man die Früchte. Das gilt insbesondere für die Kirchen, die den Ordensgemeinschaften anvertraut sind, wo eine ständige Anwesenheit von Beichtvätern gewährleistet werden kann.

Der allerseligsten Jungfrau, Mutter der Barmherzigkeit, vertrauen wir den Dienst der Priester und jede christliche Gemeinde an, auf dass sie den Wert des Sakraments der Buße immer besser verstehen möge. Ich vertraue euch alle unserer Mutter an und segne euch von Herzen.

 


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