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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS NACH
SRI LANKA UND AUF DIE PHILIPPINEN

(12.-19. JANUAR 2015)

PRESSEKONFERENZ MIT DEM HEILIGEN VATER
AUF DEM FLUG VON COLOMBO NACH
MANILA


Donnerstag, 15. Januar 2015

[Multimedia]


 

(Pater Lombardi)

Auch auf diesem Flug zwischen den beiden Stationen der Reise sind wir, wie Sie sehen, alle bereit, auf Ihre Worte zu hören. Ich gratuliere zum ersten Teil der Reise, der glänzend verlaufen ist. Jetzt werden wir Ihnen, wie gewöhnlich, einige Fragen vorlegen. Wenn Sie müde sind und aufhören möchten, sagen Sie es uns und ziehen sich ruhig zurück…Sind Sie schon jetzt müde?... Nun, da ich weiß, dass es etwas gibt, das Ihnen sehr am Herzen liegt und das Sie uns zu dieser Reise sagen möchten, nämlich etwas über die Bedeutung dieser Heiligsprechung von Joseph Vaz, bitte ich Sie, es uns gleich zu Anfang zu sagen, sodass wir diese wichtige Mitteilung erhalten und danach zu den Fragen kommen. Einige Personen haben sich schon vormerken lassen.

(Papst Franziskus)

Zu allererst: Guten Tag. Und was den Zweifel von Carolina betrifft: Es stimmt, das Bild der Muttergottes von Lujan hat mich erreicht. Vielen Dank. Diese Heiligsprechungen sind nach einer im Kirchenrecht vorgesehenen Prozedur erfolgt, die man „equipollente“ nennt. Eine solche Heiligsprechung kommt zur Anwendung, wenn ein Mann oder eine Frau schon seit langem selig ist und die Verehrung des Gottesvolkes genießt, also faktisch als Heiliger bzw. Heilige verehrt wird. Dann wird der Prozess um das Wunder nicht durchgeführt. Es gibt Menschen, deren Situation seit Jahrhunderten so ist. Der Prozess für Angela von Foligno wurde so gehandhabt; sie war die Erste. Dann habe ich entschieden, im Fall von Menschen, die große Verkünder bzw. Verkünderinnen des Evangeliums waren, ebenso zu verfahren. Zuerst für Peter Faber, der ein Glaubensbote für Europa war: Er starb sozusagen unterwegs, während er verkündend umherreiste, im Alter von vierzig Jahren. Und dann die anderen, die Glaubensboten Kanadas, François de Laval und Marie de l’Incarnation Guyart: Diese beiden sind durch ihr dort durchgeführtes Apostolat praktisch die Gründer der Kirche in Kanada, er als Bischof und sie als Ordensschwester. Ein anderer ist José de Anchieta aus Brasilien, der Gründer von São Paulo, der seit langem selig war und nun heilig ist. Und hier ist Joseph Vaz der Glaubensbote Sri Lankas. Und im September werde ich – mit Gottes HilfeJunípero Serra in den Vereinigten Staaten heiligsprechen, weil er der Glaubensbote im Westen Nordamerikas war. Sie sind Gestalten, die eine kraftvolle Evangelisierung verwirklicht haben und im Einklang mit der Spiritualität und der Theologie des Apostolischen Schreibens Evangelii gaudium stehen. Und darum habe ich sie ausgewählt. Das war es.

(Pater Lombardi)

Danke, und nun gehen wir zu den Fragen über, für die unsere Kollegen sich eingeschrieben haben. Der Erste ist Jerry O’Connell vom American Magazine, den Sie gut kennen. Geben wir ihm das Wort.

(Jerry O’Connell)

Vor allem, Heiliger Vater, möchte ich Ihnen übereinstimmend mit Pater Lombardi für das gute Gelingen des Besuches in Sri Lanka gratulieren. Ich stelle eine Frage für die englische Gruppe. Wir sind übereingekommen, eine Frage zu stellen, die gleichsam als Brücke den Besuch in Sri Lanka mit dem auf den Philippinen verbindet. In Sri Lanka haben wir die Schönheit der Natur gesehen, aber auch die Verwundbarkeit der Insel: vom Klimawandel bis zum Meer usw. Jetzt sind wir unterwegs zu den Philippinen, und Sie werden die bereits heimgesuchte Zone besuchen. Seit über einem Jahr beschäftigen Sie sich mit der Frage der Ökologie und des sorgsamen Umgangs mit der Schöpfung. Meine Frage betrifft also drei Aspekte. Erstens: Ist der Klimawandel größtenteils durch das Werk des Menschen verursacht, durch seine mangelnde Sorge um die Natur? Zweitens: Wann wird Ihre Enzyklika erscheinen? Drittens: Wie wir in Sri Lanka gesehen haben, dringen Sie sehr auf die Zusammenarbeit unter den Religionen. Beabsichtigen Sie, die anderen Religionen einzuladen, sich zusammenzutun, um dieses Problem anzugehen? Danke.

(Papst Franziskus)

Zur ersten Frage: Sie haben ein Wort gebraucht, das mir eine Präzisierung erspart: „größtenteils“. Ich weiß nicht, ob die Verantwortung ganz und gar beim Menschen liegt, aber größtenteils, in weitem Umfang ist er es, der die Natur ohrfeigt, fortwährend. Wir haben uns der Natur, der Schwester Erde, der Mutter Erde etwas zu viel bemächtigt. Ich erinnere mich an das – Sie haben es schon gehört –, was ein alter Bauer einst zu mir sagte: „Gott verzeiht immer, wir, die Menschen, verzeihen einige Male, die Natur verzeiht nie.“ Wenn du sie ohrfeigst, dann zahlt sei es dir heim. Ich glaube, wir haben die Natur zu sehr ausgebeutet, zum Beispiel die Entwaldung. Ich erinnere mich an Aparecida: Damals verstand ich dieses Problem nicht recht, als ich die brasilianischen Bischöfe von der Entwaldung im Amazonas sprechen hörte, konnte ich das nicht recht verstehen. Das Amazonasgebiet ist eine Lunge der Welt. Später, vor fünf Jahren, habe ich mit einer Kommission für Menschenrechte eine Klage beim höchsten Gerichtshof Argentiniens eingereicht, um im Norden des Landes, in der Gegend von Nord-Salta / Tartagal eine schreckliche Entwaldung zumindest zeitweise zu unterbinden. Das ist ein Aspekt. Ein weiterer sind die Monokulturen. Die Bauern wissen zum Beispiel, dass du, wenn du drei Jahre lang Mais angebaut hast, damit aufhören und für zwei, drei Jahre einen anderen Anbau betreiben musst, um der Erde Stickstoff zuzuführen, damit der Boden sich anreichert. Bei uns wird beispielsweise nur Soja angebaut, und man tut das so lange, bis der Boden ausgelaugt ist. Nicht alle handeln so, doch es ist eines von vielen Beispielen. Ich glaube, der Mensch ist zu weit gegangen. Gottlob gibt es heute Stimmen, viele, viele Stimmen, die darüber sprechen; in diesem Moment möchte ich meinen geliebten Bruder Bartholomaios erwähnen, der seit vielen Jahren über dieses Thema predigt. Und ich habe vieles von ihm gelesen, um diese Enzyklika vorzubereiten. Ich kann darauf zurückkommen, aber ich möchte nicht zu ausführlich werden. Nur ein Wort von Guardini möchte ich erwähnen, das eine ziemlich gute Erklärung gibt. Er sagt: Die zweite Art der Wildnis ist die schlechte. Die erste ist die Wildnis, die wir mit der Schöpfung empfangen, um aus ihr Kultur zu machen. Wenn du dich ihrer aber zu sehr bemächtigst und zu weit gehst, richtet sich diese Kultur gegen dich. Denken wir an Hiroshima. Es entsteht eine „nicht-kulturelle Kultur“, die von der Art der zweiten Wildnis ist (vgl. Das Ende der Neuzeit, Würzburg 1950, S. 95-96).

Zur Enzyklika: Den ersten Entwurf hat Kardinal Turkson mit seiner Arbeitsgruppe gemacht. Dann habe ich diesen Entwurf zur Hand genommen und mit Hilfe von einigen Personen daran gearbeitet. Dann habe ich zusammen mit einigen Theologen einen dritten Entwurf angefertigt und eine Kopie davon an die Kongregation für die Glaubenslehre, an die Zweite Sektion des Staatssekretariats und an den Theologen des Päpstlichen Hauses gesandt, damit sie durch eine gründliche Untersuchung vermeiden, dass ich „Dummheiten“ sage. Vor drei Wochen habe ich die Antworten erhalten, einige recht umfangreich, aber alle konstruktiv. Und jetzt nehme ich mir im März eine ganze Woche Zeit, um die Arbeit zu Ende zu führen. Ich glaube, dass sie Ende März abgeschlossen sein wird und zu den Übersetzern geht. Ich denke, wenn die Übersetzungsarbeit gut läuft – Erzbischof Becciu hört auf mich: Er muss in diesem Sinn behilflich sein – kann die Enzyklika, wenn es klappt, im Juni/Juli erscheinen. Wichtig ist, dass zwischen ihrer Veröffentlichung und dem Treffen in Paris ein gewisser zeitlicher Abstand liegt, damit sie einen Beitrag leistet. Das Treffen in Peru war nichts Besonderes. Mich hat der Mangel an Mut enttäuscht: An einem gewissen Punkt haben sie aufgehört. Hoffen wir, dass in Paris die Vertreter mutiger sein werden, um in dieser Sache voranzukommen.

Was die dritte Frage angeht, meine ich, dass der Dialog zwischen den Religionen über diesen Punkt wichtig ist. Die anderen Religionen haben eine gute Sichtweise. Auch zu diesem Punkt gibt es eine Abmachung, um die gleiche Sicht zu haben. Noch nicht in der Enzyklika. In der Tat habe ich mit einigen Vertretern anderer Religionen über das Thema gesprochen, und ich weiß, dass auch Kardinal Turkson das getan hat und wenigstens zwei Theologen ebenfalls. Das ist der Weg. Es wird keine gemeinsame Erklärung geben. Die Begegnungen werden später stattfinden.

(Pater Lombardi)

Danke, Heiliger Vater. Und jetzt erteilen wir Pia von der Gruppe der Philippinen das Wort.

(Pia)

Heiliger Vater, die Philippinen sind sehr, sehr glücklich, Sie in wenigen Stunden willkommen zu heißen. Meine Frage lautet: Welches ist Ihre Botschaft an jene Tausende von Menschen, die Sie nicht treffen konnten und die Ihnen nicht persönlich begegnen können, auch wenn sie es gewollt hätten? Es tut mir leid, ich spreche nicht Italienisch…

(Papst Franziskus)

Wenn ich darauf antworte, laufe ich Gefahr, es zu sehr zu vereinfachen, doch ein Wort will ich sagen. Der Mittelpunkt, das Wesentliche der Botschaft werden die Armen sein, die Armen, die weitermachen wollen, die Armen, die unter dem Taifun Yolanda gelitten haben und die immer noch unter den Folgen leiden; die Armen, die voller Glauben und Hoffnung diese Fünfhundertjahrfeier der Verkündigung des Evangeliums auf den Philippinen begehen; das Volk Gottes auf den Philippinen, die Armen – auch die ausgebeuteten Armen, ausgebeutet von denen, die so unendlich viele soziale, spirituelle und existentielle Ungerechtigkeiten begehen. An sie denke ich bei meiner Reise auf die Philippinen. Vor einigen Tagen, am 7. Januar, gab es in der Domus Sanctae Marthae das Weihnachtsfest der Ostkirchen, und dort arbeiten drei Personen äthiopischer Nationalität und auch einige Philippinen. Die Äthiopier haben ein Fest veranstaltet: Sie haben alle etwa fünfzig Angestellten zum Mittagessen eingeladen. Ich war bei ihnen und habe auf die philippinischen Angestellten geschaut, die auf der Suche nach einem besseren Auskommen ihre Heimat, ihren Vater, ihre Mutter, ihre Kinder verlassen haben, um fortzugehen… Die Armen – das wird die Hauptsache sein.

(Pater Lombardi)

Juan Vicente Boo stellt die Frage für die spanische Gruppe.

(Juan Vicente Boo)

Heiliger Vater, zunächst muss ich sagen, dass Sie dafür, dass Sie müde sind, gut aussehen. Für die spanische Gruppe möchte ich Sie etwas zur Geschichte Sri Lankas und zur aktuellen Geschichte fragen. In der Zeit des Bürgerkriegs hat es in Sri Lanka mehr als 300 Kamikaze-Attentate gegeben – Selbstmordattentate, die von Männern, von Frauen und von Jugendlichen beiderlei Geschlechts verübt wurden. Jetzt erleben wir Selbstmordattentate von Jugendlichen – Jungen und Mädchen – und sogar von Kindern. Was halten Sie von dieser Art, Krieg zu führen? Danke.

(Papst Franziskus)

Vielleicht ist die Antwort, die mir einfällt, ein Mangel an Respekt, doch sie fällt mir ein. Ich glaube, dass hinter jedem Selbstmordattentat eine Störung des Gleichgewichts steht; ich weiß nicht, ob es eine Störung des geistigen oder des menschlichen Gleichgewichts ist. Etwas, das in jenem Menschen nicht in Ordnung ist. Er besitzt nicht jenes Gleichgewicht in Bezug auf den Sinn des Lebens – des eigenen Lebens und des Lebens der anderen. Er kämpft, um… ja, er gibt sein Leben hin, aber nicht auf gute Weise. So viele, viele Menschen arbeiten – denken wir zum Beispiel an die Missionare – und geben dabei ihr Leben hin, aber um aufzubauen. Hier gibt man das Leben hin in der Selbstzerstörung und um zu zerstören. Das geht nicht, da ist etwas nicht in Ordnung. Ich habe die Examensarbeit – nicht für den Doktorgrad, sondern für die Lizenz – eines Piloten der Alitalia begleitet, der im Fach Soziologie über die japanischen Kamikaze-Flieger geschrieben hat. Etwas habe ich von ihm gehört, aber diese Sache ist schwer verständlich. Bei der Korrektur habe ich mich vor allem dem Aspekt der Methodologie gewidmet. Aber es ist schwer nachzuvollziehen… Es ist nicht allein ein Phänomen des Ostens. Es laufen zur Zeit Studien zu einem Vorhaben im Zweiten Weltkrieg in Italien – es geht da um einen an den Faschismus in Italien gerichteten Vorschlag. Beweise liegen nicht vor, aber man forscht über das Thema. Es gibt da etwas, das ist eng verknüpft mit den diktatorischen und totalitären Systemen. Das totalitäre System tötet; wenn nicht das Leben, so tötet es doch die Chancen, tötet die Zukunft, tötet viele Dinge. Und auch das Leben. Und das ist so. Aber es ist kein abgeschlossenes Problem: Es tritt nicht nur im Osten auf. Es ist bedeutsam. Weiteres kann ich dazu nicht sagen.

Zum Gebrauch der Kinder. Das, was ich im Allgemeinen gesagt habe, gilt für alle. Aber lassen wir das beiseite, befassen wir uns mit den Kindern. Kinder werden überall für alle möglichen Dinge benutzt: Sie werden bei der Arbeit ausgenutzt; sie werden als Sklaven ausgenutzt; sie werden auch sexuell ausgenutzt. Vor einigen Jahren haben wir mit einigen Mitgliedern des Senats in Argentinien eine Kampagne in den wichtigsten Hotels durchführen wollen, um öffentlich zu sagen, dass dort keine Kinder für die Touristen ausgenutzt werden. Es ist uns nicht gelungen, das zu verwirklichen. Da gibt es verborgene Widerstände. Ich weiß nicht, ob man sie ausnutzt oder nicht. Es war eine vorbeugende Maßnahme. Dann, als ich in Deutschland war, fielen mir einige Zeitungen in die Hände. Es betraf ein Touristengebiet, den Tourismus in jenem Gebiet in Südost-Asien und auch den erotischen Tourismus. Und da waren Kinder. Die Kinder werden ausgebeutet, aber die Sklavenarbeit der Kinder ist furchtbar. Sie werden auch dafür ausgenutzt. Aber mehr möchte ich nicht sagen.

(Pater Lombardi)

Danke, Heiligkeit. Jetzt geben wir das Wort an Ignazio Ingrao für die italienische Gruppe.

(Ignazio Ingrao)

Guten Tag, ich bin hier für die Wochenzeitschrift Panorama und für Il mio Papa. Heiligkeit, es gibt große Sorge in der Welt um Ihre Unversehrtheit. Nach den amerikanischen und israelitischen Geheimdiensten ist der Vatikan sogar im Visier der islamischen Terroristen. Auf fundamentalistischen Internet-Seiten sind Bilder von der Fahne des Islam aufgetaucht, wie sie auf dem Petersdom weht. Man fürchtet auch um Ihre Sicherheit bei den Reisen ins Ausland. Wir wissen natürlich, dass Sie nicht auf den direkten Kontakt mit den Menschen verzichten wollen. Aber meinen Sie nicht, dass es in dieser Lage nötig wäre, etwas an Ihrem Verhalten und in Ihren Programmen zu ändern? Es gibt auch die Furcht um die Unversehrtheit der Gläubigen, die an den Feiern teilnehmen, im Fall von Attentaten. Sind Sie darum besorgt? Und noch allgemeiner gefragt: Was ist Ihrer Meinung nach die beste Weise, um diesen Bedrohungen der islamischen Integralisten zu begegnen. Danke.

(Papst Franziskus)

Was mich betrifft, ist immer der beste Weg, zu antworten, die Milde. Mild, demütig sein – wie das Brot – ohne aggressiv zu werden. Das ist meine Position; aber es gibt Menschen, die das nicht verstehen. Dann die Besorgnisse: Ich sorge mich um die Gläubigen, das ja, das macht mir Sorge. Darüber habe ich mit dem vatikanischen Sicherheitsdienst gesprochen. Hier im Flugzeug ist auch Dr. Giani dabei, der dafür verantwortlich ist. Er ist zu diesem Thema auf dem Laufenden. All das macht mir Sorge, macht mir ziemlich Sorge. Ob ich Angst habe? Sie wissen, dass ich einen Fehler habe: eine beträchtliche Dosis von Leichtsinn. Ich bin in diesen Dingen leichtsinnig. Einige Male habe ich mich gefragt: Wenn das mir zustoßen würde? Und ich habe zum Herrn gesagt: Herr, ich bitte dich nur um eine Gnade, dass es mir nicht wehtut. Denn gegenüber dem Schmerz bin ich nicht mutig – da bin ich wirklich sehr ängstlich – aber nicht gegenüber Gott. Doch ich weiß, dass kluge und verlässliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Alles Weitere werden wir sehen.

(Pater Lombardi)

Danke, Heiligkeit. Wünschen wir uns auch selbst immer diese Gelassenheit. Also, nun ist Christoph Schmidt für die deutsche Gruppe an der Reihe. Dann möchte ich Sébastien Maillard bitten, sich bereit zu machen. Danach werden wir den Papst fragen, ob er weitermachen oder lieber unterbrechen will.

(Christoph Schmidt)

Heiliger Vater, guten Tag. Könnten Sie uns etwas über Ihren Besuch gestern im buddhistischen Tempel erzählen? Das war eine große Überraschung. Was ist der Grund für diesen so spontanen Besuch gewesen? Inspiriert Sie diese Religion? Wir wissen, dass die christlichen Missionare bis ins 20. Jahrhundert davon überzeugt waren, der Buddhismus sei ein Schwindel, eine Religion des Teufels. Drittens, was könnte am Buddhismus bedeutsam sein für die Zukunft Asiens?

(Papst Franziskus)

Wie ist der Besuch gewesen, warum bin ich hingegangen? Dem Vorsteher dieses buddhistischen Tempels war es gelungen, von der Regierung eine Einladung zu erhalten, um zum Flughafen zu gehen. Dort – er ist ein guter Freund von Kardinal Ranjith – hat er mich begrüßt und hat mich gebeten, den Tempel zu besuchen – auch zu Ranjith hat er gesagt, er möge mich dorthin bringen. Ich habe dann darüber mit dem Kardinal gesprochen. Aber wir hatten keine Zeit; denn als ich ankam, musste ich das Treffen mit den Bischöfen ausfallen lassen, weil es mir nicht gut ging. Ich war müde. Nach jenem 29 km langen Weg, auf dem ich die Menschen begrüßt habe, war ich ganz erschöpft. Und daher war keine Zeit mehr. Gestern, nach der Rückkehr von Madhu ergab sich dann die Gelegenheit. Man hat telefoniert und wir sind dann hingegangen. In diesem Tempel gibt es Reliquien von Schülern Buddhas, von zweien von ihnen. Sie sind für diese Menschen sehr wichtig. Diese Reliquien waren in England, doch es ist gelungen, sie zurückzuerhalten. Gut. So hat er mich auf dem Flughafen besucht, und ich habe ihn bei sich zu Hause besucht. Das zum einen.

Zweitens. Gestern habe ich in Madhu etwas gesehen, was ich mir nie vorgestellt hätte: Es waren nicht alle Teilnehmer katholisch, nicht einmal die Mehrheit war katholisch! Da waren Buddhisten, Muslime und Hinduisten, und alle gehen dorthin, um zu beten. Sie gehen und sagen, dass sie Gnaden erhalten! Es gibt im Volk – und das Volk irrt sich nie – es gibt dort das Gespür des Volkes. Es gibt etwas, das sie eint. Und wenn sie so ganz selbstverständlich vereint sind, dass sie gemeinsam zum Beten in einen Tempel gehen – der christlich ist, aber nicht nur christlich, weil alle ihn wollen – warum sollte ich dann nicht in den buddhistischen Tempel gehen, um sie zu begrüßen? Dieses gestrige Zeugnis von Madhu ist sehr bedeutsam. Es lässt uns den Sinn der Interreligiosität verstehen, den man in Sri Lanka lebt. Sie haben Achtung voreinander. Es gibt kleine fundamentalistische Gruppen, aber sie haben nichts mit dem Volk gemeinsam. Sie sind eine ideologische Elite, aber sie sind dem Volk nicht verbunden.

Dann die Vorstellung, dass sie in die Hölle kommen… aber auch die Protestanten!… Als ich Kind war – damals vor siebzig Jahren – kamen alle Protestanten in die Hölle, alle. So sagte man uns. Ich erinnere mich an meine erste ökumenische Erfahrung – das habe ich vor kurzem den Verantwortlichen der Heilsarmee erzählt: Ich war vier oder fünf Jahre alt – doch ich erinnere mich gut daran, ich habe es noch vor Augen – und ging an der Hand meiner Großmutter durch eine Straße. Auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig kamen zwei Frauen der Heilsarmee vorbei. Sie trugen jene Hüte, die sie damals trugen, mit einer Schleife, etwas dieser Art; jetzt tragen sie es nicht mehr. Ich fragte meine Großmutter: „Sag mir, Oma, sind das Nonnen?“ Und sie antwortete mir: „Nein, das sind Protestanten, aber gute“. Da habe ich zum ersten Mal gehört, dass jemand gut über einen Menschen anderer Religion gesprochen hat: über einen Protestanten. Damals sagte man in der Katechese, das sie alle in die Hölle kommen. Doch ich glaube, dass das Bewusstsein der Kirche für die Achtung der Werte [der anderen Religionen] sehr zugenommen hat – wie ich ihnen beim interreligiösen Treffen in Colombo gesagt habe. Wenn wir das lesen, was uns das Zweite Vatikanische Konzil über die Werte der anderen Religionen – den Respekt – sagt, ist die Kirche in dieser Hinsicht sehr gewachsen. Sicher gab es dunkle Zeiten in der Kirchengeschichte, das müssen wir unumwunden zugeben. Denn auch wir sind auf dem Weg einer ständigen Umkehr: immer von der Sünde zur Gnade. Und diese Interreligiosität, sich immer wie Brüder zu respektieren, ist eine Gnade. Ich weiß nicht, ob da noch etwas anderes war, was ich vergessen habe … War das alles? [auf Deutsch:] Vielen Dank.

(Pater Lombardi)

Sébasten Maillard für die französische Gruppe.

(Sébastien Maillard)

Heiliger Vater, gestern Morgen haben Sie während der Messe über die Religionsfreiheit als grundlegendes Menschenrecht gesprochen. Wie weit kann man aber in der Achtung gegenüber den verschiedenen Religionen in der Freiheit der Meinungsäußerung gehen, die ja auch ein grundlegendes Menschenrecht ist? Danke.

(Papst Franziskus)

Danke für diese intelligente Frage. Ich meine, dass alle beide grundlegende Menschenrechte sind: die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit. Man kann nicht … wir meinen … Sie sind Franzose, schauen wir also nach Paris! Sprechen wir Klartext! Man kann die Wahrheit nicht ausblenden, dass jeder ein Recht hat, die eigene Religion zu praktizieren, frei und ohne zu beleidigen. So halten wir es; so wollen wir es alle machen. Zweitens darf man im Namen der eigenen Religion, also im Namen Gottes, nicht beleidigen, keinen Krieg führen, nicht töten. Das, was zur Zeit geschieht, macht uns ein wenig…, es verwundert uns. Doch denken wir immer an unsere Geschichte: Wie viele Religionskriege haben wir gehabt! Denken Sie an die „Bartholomäusnacht“… wie kann man so etwas verstehen? Auch wir sind diesbezüglich Sünder gewesen. Man darf doch nicht im Namen Gottes töten. Das ist eine Verirrung. Töten im Namen Gottes ist eine Verirrung. Ich glaube, das ist das Grundlegende an der Religionsfreiheit, dass man sie in Freiheit praktiziert, aber ohne zu beleidigen, ohne Zwang auszuüben oder gar zu töten.

Die freie Meinungsäußerung. Jeder hat nicht nur die Freiheit, das Recht, sondern auch die Pflicht zu sagen, was er denkt, um das Gemeinwohl zu unterstützen. Die Pflicht. Denken wir an einen Abgeordneten, einen Senator: Wenn dieser nicht sagt, was seiner Meinung nach der richtige Weg ist, trägt er nicht zum Gemeinwohl bei. Und nicht nur diese, sondern auch viele andere. Wir haben die Pflicht, offen zu sprechen, diese Freiheit, aber ohne zu beleidigen. Es ist natürlich wahr, dass man nicht aggressiv reagieren soll, aber wenn Dr. Gasbarri [, der hier neben mir steht], mein guter Freund, mir ein Schimpfwort gegen meine Mutter sagt, bekommt er eins drauf! Das ist normal! Das ist normal. Man darf nicht provozieren, man darf nicht den Glauben der anderen beleidigen, man darf sich nicht über den Glauben lustig machen. Papst Benedikt XVI. hat in einer Ansprache – ich erinnere mich nicht genau wo – diese post-positivistische Mentalität angesprochen, die post-positivistische Metaphysik, die schließlich dazu führte zu glauben, dass die Religionen und die religiösen Ausdrucksformen eine Art von Subkultur bilden; dass sie toleriert werden, aber nur geringe Bedeutung haben und nicht Teil der aufgeklärten Kultur sind. Dies ist das Erbe der Aufklärung. Viele Leute, die abfällig über die Religionen reden, sich über sie lustig machen, sagen wir: die Religionen der anderen zum „Kasperle“ machen – diese Leute provozieren, und dann kann das passieren, was geschieht, wenn Dr. Gasparri etwas gegen meine Mutter sagt. Es gibt eine Grenze. Jede Religion hat ihre Würde, jede Religion, die das menschliche Leben und die menschliche Person achtet. Und ich darf sie nicht bespötteln. Da gibt es eine Grenze. Ich habe dieses Beispiel der Grenze gewählt, um zu sagen, dass es bei der Meinungsfreiheit Grenzen gibt wie jene bezüglich meiner Mutter. Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, die Frage zu beantworten. Danke.

(Pater Lombardi)

Danke, Heiligkeit. Wir sind jetzt schon über eine halbe Stunde hier und haben eine erste Runde mit allen Sprachgruppen gemacht. Sie haben uns auch gesagt, dass Sie etwas müde sind. Wir lassen Ihnen die Freiheit. Wollen Sie noch weitermachen? Sagen Sie uns doch bitte wirklich, wann Sie aufhören wollen. Jetzt haben wir auf der Liste Joshua McElwee vom National Catholic Report.

(Joshua McElwee)

Heiliger Vater, nochmals danke für die Zeit[, die Sie sich für uns nehmen]. Sie haben viele Male gegen den religiösen Extremismus gesprochen. Haben Sie eine konkrete Idee, wie Sie andere Religions-Leader einbeziehen wollen, um dieses Problem zu bekämpfen? Vielleicht ein Assisi-Treffen, wie es Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. gehabt haben?

(Papst Franziskus)

Danke. Auch dieser Vorschlag ist schon gemacht worden. Ich weiß, dass einige daran arbeiten. Ich habe mit Kardinal Tauran gesprochen, der mit dem interreligiösen Dialog befasst ist. Er hat das gehört. Ich weiß, dass der Wunsch nicht nur von uns ausging, sondern sogar noch mehr von den anderen. Er kam von den anderen Religionen und liegt in der Luft. Ich weiß nicht, ob schon etwas im Gange ist, was seine Verwirklichung betrifft, aber es liegt der Wunsch in der Luft. Danke.

(Pater Lombardi)

Nun haben wir eine letzte Frage, wiederum von der philippinischen Gruppe. Hier haben wir Lynda Jumilla Abalos, die noch eine Frage stellen wird, und dann lassen wir den Papst in Ruhe.

(Lynda Jumilla Abalos)

Guten Tag, Heiliger Vater. Entschuldigen Sie, mein Italienisch ist nicht besonders gut. Heiligkeit, Sie haben zur Wahrheit und zur Versöhnung in Sri Lanka aufgerufen. Ich möchte fragen, ob Sie sich auf die Wahrheitskommission in Sri Lanka und in anderen Ländern hinsichtlich ihrer internen Konflikte stützen werden…

(Papst Franziskus)

Ich weiß nicht genau, wie diese Kommissionen sind. Ich war darüber im Bilde, wie jene in Argentinien seinerzeit nach der Militärdiktatur arbeitete. Jene habe ich gestützt, weil sie auf einem guten Weg war. Zu den anderen kann ich nichts Konkretes sagen, weil ich sie nicht genau kenne. Ich stütze sicherlich alle Bemühungen, um die Wahrheit zu finden, und auch die gemäßigten Initiativen, die nicht aus Rache geschehen, sondern ausgewogen sind, um dabei behilflich zu sein, sich zu einigen. Ich habe eine Sache vom Präsidenten von Sri Lanka gehört – ich möchte nicht, dass dies als politischer Kommentar verstanden wird –, ich wiederhole das, was ich gehört habe und dem ich beipflichte. Er hat mir Folgendes gesagt: Er möchte vor allem mit der Arbeit für Frieden und  Versöhnung – erstes Wort – vorankommen. Dann ist er mit einem zweiten Wort einen Schritt weiter gegangen und hat gesagt: Man muss nämlich eine Harmonie im Volk schaffen. Die Harmonie ist mehr als Friede und Versöhnung. Sie ist mehr. Zudem ist sie schöner. Sie ist auch musikalisch, die Harmonie. Und dann hat er den Gedanken mit noch einem Wort weiterentwickelt: Denn diese Harmonie wird uns Glück und Freude geben. Friede, Versöhnung, Harmonie, Glück und Freude. Ich war erstaunt und habe gesagt: „Das freut mich zu hören, aber es wird nicht einfach sein“. Fünftes Wort: Ja, wir werden das Herz des Volkes erreichen müssen. Und dieses letzte, sehr tiefe Wort gibt mir den Gedanken zur Beantwortung Ihrer Frage ein. Nur wenn wir an das Herz des Volkes herankommen, das weiß, was Leiden ist, das erfahren hat, was Ungerechtigkeiten bedeuten, das so viele Dinge in den Kriegen und auch in den Diktaturen erlitten hat, so viele Dinge! … nur wenn wir da herankommen – auch das Volk weiß von Vergebung –, können wir gerechte, kompromisslose Wege finden, die geeignet sind um mit dem voranzukommen, was Sie ansprechen. Die Untersuchungskommissionen zur Wahrheitsfindung bilden eines der Elemente, die helfen können, zumindest wenn ich an jene in Argentinien denke. Es war ein Element, das Hilfe gebracht hat. Es war eines. Aber es gibt andere Elemente, die zu verwirklichen sind, damit wir zu Frieden, Versöhnung, Harmonie und Glück gelangen und das Herz des Volkes erreichen können. Das kommt mir in den Sinn, und ich beziehe mich auf die Worte des Präsidenten, die mir diesen Sachverhalt gut zum Ausdruck zu bringen scheinen.

(Pater Lombardi)

Danke, Heiliger Vater. Ich glaube, Sie haben uns mehr als genug Material gegeben, mit dem wir nun in den nächsten Stunden dieser Reise arbeiten können.

Eine letzte kleine Sache noch. Gerade heute feiert die Agentur ANSA, welche die bedeutendste italienische Presseagentur ist, ihren siebzigsten Geburtstag. Wir haben hier immer jemanden von der ANSA, der treu mitkommt. Heute ist es Giovanna Chirri. Wenn Sie einen Glückwunsch an die ANSA für ihre siebzig Jahre aussprechen wollen …

(Papst Franziskus)

Ich bin der ANSA zum ersten Mal begegnet, als ich Francesca Ambrogetti in Buenos Aires kennenlernte. Francesca war die Leiterin der Gruppe, der Équipe der ausländischen Journalisten in Buenos Aires. Durch sie habe ich die ANSA kennengelernt, und diese Frau hat die ANSA in Buenos Aires gut vertreten. Ich wünsche Euch das Beste. Siebzig Jahre sind kein Pappenstiel! Über siebzig Jahre im Geschäft durchzuhalten ist ein großes Verdienst. Ich wünsche Euch das Beste. Ich wünsche Euch immer das Beste.

Ich habe die Angewohnheit, dass ich mich, wenn ich nicht weiß, wie die Dinge ausgehen, an die heilige Thérèse vom Kinde Jesu wende. Und ich bitte sie, dass sie, wenn sie ein Problem, eine Angelegenheit in die Hand nimmt, mir eine Rose schickt. Und das tut sie ab und zu, aber auf eine merkwürdige Weise. So habe ich auch für diese Reise gebeten, sie möge sie in die Hand nehmen und mir eine Rose schicken. Aber anstelle einer Rose ist sie selbst gekommen, um mich zu begrüßen… Danke an Carolina, vielen Dank an Thérèse und an Euch. Danke. Und einen schönen Tag noch.

(Pater Lombardi)

Danke an Sie, Heiligkeit, und gute Reise. Ruhen Sie sich jetzt ein wenig aus, damit Sie für die nächsten drei Tage gut vorbereitet sind. Danke an alle.

 



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