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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE DELEGATION DER INTERNATIONALEN FÖDERATION
DES VERBANDS KATHOLISCHER ÄRZTE
(FIAMC)

Saal der Päpste
Montag, 28. Mai 2018

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Liebe Brüder und Schwestern!

Mit Freude empfange ich euch und begrüße euch alle, angefangen beim Präsidenten, Dr. John Lee, dem ich für seine Worte danke. Eure Qualifikation als »katholische Ärzte« verpflichtet euch zur geistlichen, moralischen und bioethischen Weiterbildung, um die Prinzipien des Evangeliums in die medizinische Praxis umzusetzen, von der Beziehung zwischen Arzt und Patient bis hin zur missionarischen Arbeit mit dem Ziel, die Gesundheit der Bevölkerung in den Peripherien der Welt zu verbessern. Eure Arbeit ist eine besondere Form menschlicher Solidarität und christlichen Zeugnisses: denn sie wird bereichert vom Geist des Glaubens. Und es ist wichtig, dass sich eure Vereinigungen dafür einsetzen, Medizinstudenten und junge Ärzte für diese Prinzipien zu sensibilisieren, indem ihr sie in die Aktivitäten der Vereinigungen einbezieht.

Die katholische Identität beeinträchtigt keineswegs eure Zusammenarbeit mit denjenigen, die aus anderer religiöser Perspektive oder ohne besonderes Credo die Würde und Vorrangstellung der menschlichen Person als Kriterium für ihre Arbeit anerkennen. Die Kirche ist für das Leben, und ihre Sorge ist, dass in der Wirklichkeit einer konkreten Existenz nichts gegen das Leben gerichtet ist, mag es noch so schwach oder schutzlos, nicht entwickelt oder wenig fortgeschritten sein. Katholische Ärzte zu sein bedeutet demnach, sich als Fachkräfte im Gesundheitswesen zu verstehen, die vom Glauben und von der Gemeinschaft mit der Kirche den Impuls empfangen, ihre christliche Formung und professionelle Ausbildung stets zu vervollständigen, ihren Einsatz unermüdlicher sowie die Notwendigkeit, die Gesetze der Natur zu durchdringen und zu kennen, unerschöpflicher werden zu lassen, um dem Leben besser zu dienen (vgl. Paul VI., Enzyklika Humanae vitae, 24).

Die Treue und Kohärenz, mit der die Vereinigungen eurer Föderation im Laufe der Jahre ihrer katholischen Ausrichtung entsprochen haben, sind bekannt, denn sie haben die Lehre der Kirche und die Weisungen ihres Lehramtes im medizinisch-ethischen Bereich umgesetzt. Dieses Kriterium für eure Identität und euer Handeln hat die Zusammenarbeit mit der Sendung der Kirche begünstigt, um das menschliche Leben von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende ebenso zu schützen und zu fördern wie die Lebensqualität, die Achtung der Schwächsten, die Humanisierung der Medizin und ihre volle Sozialisation.

Diese Treue hat Anstrengungen und Mühen erfordert – und sie tut dies immer noch –, die unter Umständen einen großen Mut verlangen können. Geht diesen Weg mit Zuversicht und Entschiedenheit weiter, indem ihr die Aussagen des Lehramtes im Bereich der Medizin mit einem entsprechenden Bewusstsein von deren moralischen Implikationen begleitet. Denn auch das Feld der Medizin und des Gesundheitswesens wurde vom Fortschreiten des technokratischen kulturellen Paradigmas ebensowenig verschont wie von der Verherrlichung der grenzenlosen menschlichen Macht und von einem praktischen Relativismus, bei dem alles irrelevant wird, wenn es nicht den unmittelbaren eigenen Interessen dient (vgl. Enzyklika Laudato si, 122).

Angesichts dieser Situation seid ihr aufgerufen, die Zentralität des Kranken als Person und seine mit unveräußerlichen Rechten verbundene Würde – an erster Stelle das Recht auf Leben – zu bekräftigen. Man muss der Tendenz entgegenwirken, den kranken Menschen auf eine zu reparierende Maschine herabzuwürdigen, ohne Achtung moralischer Prinzipien, und die Schwächsten auszubeuten, indem man aussortiert, was der Ideologie der Effizienz und des Profits nicht entspricht. Der Schutz der personalen Dimension des Kranken ist für eine Humanisierung der Medizin wesentlich, auch im Sinn der »Humanökologie«. Sorgt dafür, euch in den jeweiligen Ländern und auf internationaler Ebene zu engagieren, indem ihr euch in Fachkreisen äußert, aber ebenso in den Diskussionen hinsichtlich der Gesetzgebung in ethisch sensiblen Themenbereichen wie Schwangerschaftsabbruch, Lebensende und genetische Medizin. Eure aufmerksame Sorge soll auch bei der Verteidigung der Gewissensfreiheit der Ärzte und aller Mitarbeiter im Gesundheitswesen nicht fehlen. Es ist inakzeptabel, dass eure Rolle auf jene des bloßen Vollziehers des Patientenwillens reduziert oder auf jene des Vollstreckers der Notwendigkeiten des Gesundheitssystems, in dem ihr arbeitet, eingeschränkt wird.

Auf eurem nächsten Kongress, den ihr in einigen Tagen in Zagreb abhalten werdet, wollt ihr über das Thema nachdenken: »Die Heiligkeit des Lebens und der Arztberuf, von Humanae vitae zu Laudato si«. Auch dies ist ein Zeichen eurer konkreten Teilnahme am Leben und an der Sendung der Kirche. Diese Teilnahme ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil unterstrichen hat, »so notwendig, dass ohne dieses auch das Apostolat der Hirten meist nicht zu seiner vollen Wirkung kommen kann« (Dekret Apostolicam actuositatem, 10). Werdet euch immer mehr bewusst, wie dringend notwendig es heute ist, dass sich das Handeln des katholischen Arztes auf der Ebene des sowohl persönlichen als auch gemeinschaftlichen Zeugnisses mit unverwechselbarer Klarheit präsentiert.

In dieser Hinsicht ist es wünschenswert, dass die Aktivitäten der Vereinigungen katholischer Ärzte interdisziplinär sind und auch andere kirchliche Realitäten einbeziehen. Insbesondere sollt ihr eure Anstrengungen in Einklang zu bringen wissen mit denen der Priester, der Ordensmänner und Ordensfrauen sowie aller Mitarbeiter der Gesundheitspastoral, indem ihr euch gemeinsam mit ihnen auf die Seite der Leidenden stellt: Sie brauchen eure und ihre Unterstützung sehr. Seid über Behandlung und Pflege hinaus auch Ausspender brüderlicher Liebe, indem ihr denjenigen, mit denen ihr in Kontakt kommt, neben dem Beitrag eures Wissens den Reichtum der Menschlichkeit und des evangeliumsgemäßen Mit-Leidens vermittelt.

Liebe Brüder und Schwestern, viele blicken auf euch und eure Arbeit. Eure Worte, eure Gesten, eure Ratschläge, eure Entscheidungen haben ein Echo, das den professionellen Bereich überschreitet und zum Zeugnis eines gelebten Glaubens wird, wenn sie kohärent sind. Der Beruf wird so zur Würde eines wahren Apostolats erhoben. Ich ermutige euch, mit Freude und Großherzigkeit den Weg als Vereinigungen weiterzugehen, in Zusammenarbeit mit allen Menschen und Institutionen, die die Liebe zum Leben teilen und sich einsetzen, um ihm in seiner Würde und Unantastbarkeit zu dienen. Die Jungfrau Maria, Salus infirmorum, möge eure Vorhaben, die ich mit meinem Segen begleite, unterstützen. Und bitte betet auch für mich. Danke.

 


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