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BEGEGNUNG VON PAPST FRANZISKUS
 MIT DEN TEILNEHMERN AM KONGRESS DER VERANTWORTLICHEN
FÜR DIE BERUFUNGSPASTORAL IN EUROPA
 

Konsistoriensaal
Donnerstag, 6. Juni 2019

[Multimedia]


Ansprache des Heiligen Vaters in freier Rede

Vorab vorbereitete Redes des Heiligen Vaters


ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS

Danke für diesen Besuch, dem Herrn Kardinal danke ich für seine Worte. Ich habe hier einige Überlegungen vorbereitet, die ich dem Kardinal geben werde, und ich erlaube mir, ein wenig aus dem Stegreif über das zu sprechen, was ich auf dem Herzen habe. Wenn von Berufung die Rede ist, dann fallen mir sehr viele, sehr viele Dinge ein, die zu sagen wären, die man denken oder tun kann, Pläne und Vorhaben im Bereich des Apostolats… Aber ich möchte zuallererst etwas klarstellen: dass die Arbeit für die Berufungen und mit den Berufungen kein Proselytismus sein darf oder ist. Sie besteht nicht darin, »neue Mitglieder für diesen Club zu gewinnen«. Nein. Sie muss sich auf der Linie des Wachstums bewegen, die Benedikt XVI. ganz klar aufgezeigt hat: das Wachstum der Kirche durch Anziehung, nicht durch Proselytismus. So. Das hat er auch in Aparecida zu uns [den lateinamerikanischen Bischöfen] gesagt. Es geht nicht darum, zu sehen, wo man die Leute hernimmt… wie diese Schwesterchen, die in den Jahren um 1990, 1991, 1992 auf die Philippinen gingen. Sie hatten keine Häuser auf den Philippinen, aber sie gingen dorthin und brachten die Mädchen her.

Und ich erinnere mich, dass bei der Synode 1994 in den Zeitungen stand: »der Novizinnenhandel«. Die philippinische Bischofskonferenz hat gesagt: »Nein. Erstens kommt niemand hierher, um Berufungen zu angeln. Das geht nicht.« Und dann sollen die Schwestern, die Häuser auf den Philippinen haben, den ersten Teil der Formung und Ausbildung auf den Philippinen machen. So vermeidet man eine mögliche De-Formierung. Das wollte ich klarstellen, weil der Geist des Proselytismus uns schadet.

Dann denke ich in Bezug auf die Berufungen an die Fähigkeit der Menschen, die unterstützend tätig sind. Einem jungen Mann oder einer jungen Frau bei der Wahl seiner oder ihrer Lebensberufung zu helfen, sei es als Laie, Laiin, als Priester, Ordensfrau, das bedeutet sie zu unterstützen, damit sie den Dialog mit dem Herrn finden. Dass sie lernen, den Herrn zu fragen: »Was willst du von mir?« Das ist wichtig, das ist keine intellektuelle Überzeugung, nein: Die Wahl der Berufung muss aus dem Dialog mit dem Herrn hervorgehen, was auch immer die Berufung sein mag. Der Herr inspiriert mich so, auf diesem Weg im Leben voranzugehen. Und das bedeutet eine ganz schöne Arbeit für euch: den Dialog unterstützen. Verständlicherweise wird es ziemlich schwierig sein, andere zu lehren, einen Dialog über diesen Aspekt zu führen, wenn ihr selbst keinen Dialog mit dem Herrn führt. Der Dialog mit dem Herrn. Dann unser Verhalten. Mit jungen Menschen zu arbeiten erfordert unendlich viel Geduld! Eine große Gabe des Zuhörens, denn zuweilen wiederholen sich die Jugendlichen immer und immer wieder… Geduld und die Gabe des Zuhörens.

Und dann sich verjüngen, das heißt sich in Bewegung zu setzen, gemeinsam mit ihnen in Bewegung zu sein. Heute geschieht die Arbeit mit den Jugendlichen im allgemeinen, jede Art von Arbeit, in Bewegung. Als ich jung war, bestand die Jugendarbeit aus Gesprächskreisen. Wir trafen uns, wir dachten über das ein oder andere Thema nach, jeder beschäftigte sich zuvor mit dem Thema… Wir waren zufrieden, wir taten einige Werke der Barmherzigkeit, Besuche in den Krankenhäusern, im Altenheim… Aber das Ganze geschah eher ohne viel Bewegung. Heute sind die Jugendlichen in Bewegung und man muss mit ihnen, in Bewegung, arbeiten und sich bemühen, ihnen in Bewegung zu helfen, die Berufung in ihrem Leben zu finden. Das ist ermüdend… Man muss müde werden! Man kann nicht für Berufungen arbeiten, ohne zu ermüden. Das ist es, was das Leben, die Realität, der Herr und alle von uns fordern.

Dann noch etwas: die Sprache des Herrn. Heute hatte ich ein Treffen mit der Kommission COMECE. Der Präsident hat einige Überlegungen angestellt. Er hat mir gesagt: »Ich bin mit einer Gruppe von 30, 40 jungen Leuten nach Thailand gereist, um im Norden beim Wiederaufbau zu helfen, jenen Menschen dort zu helfen.« »Warum machen Sie das?«, habe ich ihn gefragt.

Und er hat mir gesagt: »Um die Sprache der Jugendlichen gut zu verstehen.« Zuweilen sprechen wir so zu den Jugendlichen, wie wir es bei den Erwachsenen gewohnt sind. Für sie ist unsere Sprechweise sehr oft »Esperanto«. Es ist genauso, als würden wir Esperanto sprechen, denn sie verstehen nichts. Ihr Sprache verstehen, die eine an Gemeinschaft arme Sprache ist, denn sie wissen sehr viel über Kontakte, aber sie kommunizieren nicht. Kommunizieren ist vielleicht die Herausforderung, der wir uns gegenüber den Jugendlichen zu stellen haben. Kommunikation, Gemeinschaft. Ihnen beizubringen, dass Informatik gut ist, ja, einige Kontakte zu haben, aber dass das nicht die Sprache ist: das ist eine »gasförmige« Sprache. Die wahre Sprache ist Kommunizieren. Kommunizieren, sprechen… Und das ist eine sehr filigrane Arbeit, »Spitzenklöppeln«, wie man hier sagt. Es ist eine Arbeit, die Schritt für Schritt getan werden muss. Und wir haben auch die Aufgabe, zu verstehen, was es für einen jungen Menschen bedeutet, beständig ans Netz angeschlossen zu leben, wo die Fähigkeit, sich in sich selbst zu sammeln, verlorengegangen ist: das ist eine Arbeit für die Jugendlichen. Das ist nicht leicht, es ist nicht leicht, aber man kann nicht mit Patentrezepten kommen oder mit rein lehrmäßigen Befehlen, im guten Sinn des Wortes: »Du musst das tun.« Nein.

Man muss begleiten, führen und helfen, damit die Begegnung mit dem Herrn sie sehen lässt, welches der Weg im Leben ist. Die Jugendlichen sind unterschiedlich, sie sind an jedem Ort anders, aber sie sind gleich in ihrer Unruhe, in ihrem Durst nach Größe, ihrem Wunsch, Gutes zu tun. Darin sind alle gleich. Es gibt Verschiedenheit und Gleichheit.

Vielleicht [kann euch] das [nützlich sein], was mir in den Sinn gekommen ist, um es euch zu sagen, anstatt die Ansprache vorzulesen, die ihr haben werdet, um darüber nachzudenken. Danke für eure Arbeit! Verliert nicht die Hoffnung und geht voller Freude voran! Und jetzt, wo ich diesen mutigen Kapuziner aus Island sehe, will ich zum Abschluss einen Witz erzählen: Im Norden seines Landes ist es im Winter minus 40 Grad. Und einer seiner Gläubigen ist hingegangen und hat einen Kühlschrank gekauft, und man fragte ihn: »Warum kaufst du denn einen Kühlschrank?« Antwort: »Um meinen Sohn zu wärmen!« Es ist zwölf Uhr, wir wollen gemeinsam das Regina Caeli beten.


[Der Papst betete gemeinsam mit den Anwesenden das Regina Caeli und erteilte ihnen anschließend den Segen.]

 


Vorab vorbereitete Rede des Heiligen Vaters, die Kardinal Bagnasco ausgehändigt wurde
 

Liebe Brüder und Schwestern! Herzlich heiße ich euch alle willkommen, die Teilnehmer an diesem Kongress, der die Umsetzung der Bischofssynode für die Jugendlichen unterstützen will. Ich danke euch für das, was ihr in den jeweiligen Arbeitsgebieten tut, und auch für das Bemühen, euch auszutauschen und die Erfahrungen miteinander zu teilen. Meinerseits möchte ich euch einige Leitlinien aufzeigen, die mir besonders am Herzen liegen. Im Apostolischen Schreiben Christus vivit habe ich dazu ermutigt, »in der Heiligkeit und im Engagement für die eigene Berufung zu wachsen« (Nr. 3). Ich ermutige auch euch, die ihr auf dem sogenannten »alten Kontinent« tätig seid, daran zu glauben, dass »alles, was Christus berührt, sich verjüngt und sich mit Leben füllt« (vgl. ebd., 1).

Die drei Leitlinien, auf die ich euch hinweisen möchte, sind: Heiligkeit als Berufung, die dem ganzen Lebensweg Sinn verleiht; Gemeinschaft als »Humus« der Berufungen in der Kirche: die Berufung selbst als Schlüsselwort, das bewahrt werden muss, indem es mit den Worten »Glück«, »Freiheit« und »Miteinander« verbunden wird, und das ich schließlich als besondere Weihe »konjugieren« möchte.

Heiligkeit

Beim Thema der Berufung denkt man unwillkürlich immer an Jugendliche, »weil die Jugend das Lebensalter ist, in dem am ehesten Lebensentscheidungen und Antworten auf den Ruf Gottes erfolgen« (Abschlussdokument der Bischofssynode über die Jugendlichen, 140). Das ist gut, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Berufung ein Weg ist, der das ganze Leben lang dauert. Denn die Berufung betrifft die Jugendzeit in Bezug auf die Orientierung und die als Antwort auf den Ruf Gottes einzuschlagende Richtung.

Und sie betrifft das Erwachsenenalter in Bezug auf die Perspektive der Fruchtbarkeit und die Unterscheidung hinsichtlich des Guten, das getan werden soll. Das Leben ist dazu geschaffen, Frucht zu bringen in der Liebe, und das betrifft die Berufung zur Heiligkeit, die der Herr an alle richtet, ein jeder auf seinem persönlichen Weg (vgl. Gaudete et exsultate, 10-11). Sehr oft haben wir die Berufung als ein individuelles Abenteuer betrachtet und geglaubt, dass es nur »mich« betrifft und nicht zuallererst »uns«. In Wirklichkeit »kann sich niemand allein retten, sondern man wird gemeinsam heilig« (vgl. ebd., 6). Das Leben des einen hängt am Leben des anderen (vgl. Gen 44,30), und es ist notwendig, dass wir für diese gemeinsame Heiligkeit als Volk Sorge tragen. Die Jugendpastoral kann nur synodal sein, das heißt sie muss in der Lage sein, einem »gemeinsamen Vorangehen« Gestalt zu geben (vgl. Christus vivit, 206). Und Synodalität ist Tochter des Miteinander.

Es geht darum, Kindschaft und Geschwisterlichkeit mehr zu leben, die gegenseitige Wertschätzung zu fördern, die reiche Begabung eines jeden zur Geltung bringen, glauben, dass der Auferstandene auch durch Wunden und Schwächen Wunder vollbringen kann, die Teil der Lebensgeschichte aller Menschen sind. Aus der Gemeinschaft der Kirche werden neue Berufungen wachsen. Oft haben wir in unseren Gemeinden, in den Familien, im Presbyterium mit weltlicher Logik gedacht und gearbeitet, die uns gespalten und getrennt hat. Das kennzeichnet auch einige Merkmale der heutigen Kultur, und die leidvolle politische Geschichte Europas ist zugleich Warnung und Ansporn. Nur wenn wir uns selbst wirklich als offene, lebendige und inklusive Gemeinschaften erkennen, werden wir zukunftsfähig. Danach dürsten die jungen Menschen.

Berufung

Das Wort »Berufung« ist nicht veraltet. Wir haben es bei allen Phasen der letzten Synode wieder aufgenommen. Aber das Ziel der Berufung bleibt das Volk Gottes, die Predigt, die Katechese und vor allem die persönliche Begegnung, die der erste Schritt der Verkündigung des Evangeliums ist (vgl. Evangelii gaudium, 127-129). Ich kenne einige Gemeinschaften, die beschlossen haben, in ihren Angeboten für Jugendliche das Wort »Berufung « nicht mehr zu benutzen, weil sie glauben, dass die jungen Menschen Angst davor haben und nicht an ihren Aktivitäten teilnehmen würden. Das ist eine Strategie, die zum Scheitern verurteilt ist: Das Wort »Berufung« aus dem Vokabular des Glaubens zu streichen bedeutet, den Wortschatz zu verstümmeln und dabei früher oder später das Risiko einzugehen, einander nicht mehr zu verstehen. Vielmehr brauchen wir leidenschaftliche Männer und Frauen, Laien und Personen des geweihten Lebens, die durch ihre Begegnung mit Gott brennen, in ihrer Menschlichkeit verwandelt sind und die mit ihrem Leben das Glück verkünden können, das aus ihrer Berufung kommt.

Glück

Dies – ein freudiges Zeichen sein – ist keineswegs selbstverständlich, und doch ist es die wichtigste Frage für unsere Zeit, in der die »Göttin des Jammerns« viele Anhänger hat und man sich mit flüchtigen Freuden begnügt. Glück ist dagegen etwas Tieferes. Es bleibt auch dann, wenn die Freude oder Begeisterung des Augenblicks vergehen oder Schwierigkeiten, Leid, Entmutigung und Enttäuschung auftreten. Das Glück bleibt, weil es Jesus selbst ist, dessen Freundschaft unverbrüchlich ist (vgl. Christus vivit, 154). »Eigentlich wollen wir doch nur eines – ›das glückliche Leben‹, das Leben, das einfach Leben, einfach ›Glück‹ ist«, hat Papst Benedikt gesagt (Enzyklika Spe salvi, 11). Es gibt einige Beispiele der Jugend- und Berufungspastoral, die das Glück, das Jesus ist, mit emotionaler Freude verwechseln und die Berufung als etwas vollkommen Lichtvolles verkünden. Das ist nicht gut, denn wenn man mit dem leidenden Fleisch der menschlichen Natur – dem eigenen oder dem der anderen – in Berührung kommt, schwindet diese Freude. Andere vermitteln die Vorstellung, als wäre die Unterscheidung der eigenen Berufung oder das Vorangehen im geistlichen Leben eine Frage von Techniken, detaillierten Übungen oder zu befolgenden Regeln; in Wirklichkeit ist »das Leben, das Jesus uns schenkt […], eine Einladung zur Teilnahme an einer Liebesgeschichte, die sich mit unseren Geschichten verknüpft« (Christus vivit, 252).

Freiheit

Es ist wahr, dass das Wort »Berufung« den Jugendlichen Angst machen kann, weil Berufung irrtümlich oft als Plan gesehen wurde, der die Freiheit wegnimmt. Gott dagegen respektiert stets ganz und gar die Freiheit eines jeden (vgl. ebd., 113). Es ist gut, daran zu erinnern, besonders wenn die persönliche oder gemeinschaftliche Begleitung Dynamiken der Abhängigkeit oder, schlimmer noch, des Plagiats auslöst. Das ist gravierend, denn es verhindert das Wachstum und die Festigung der Freiheit und erstickt das Leben, indem es dieses kindisch werden lässt. Die Berufung erkennt man ausgehend von der Realität, im Hören auf das Wort Gottes und die Geschichte, im Hören auf die Träume, die die Entscheidungen inspirieren, im Staunen über die Erkenntnis – an einem gewissen Punkt –, dass das, was wir wirklich wollen, auch das ist, was Gott von uns will. Aus dem Staunen über dieses Zusammentreffen heraus richtet sich der Wille auf eine vor Liebe überbordende Entscheidung und der Wille erweitert die Dämme, die in der Lage sind die eigene Lebensenergie ganz zu fassen und sie in eine einzige Richtung zu lenken.

Miteinander

Die Berufung – wir haben dies bereits angedeutet – ist niemals nur »meine« Berufung. »Die wahren Träume sind die Träume vom ›Wir‹« (Gebetsvigil mit Jugendlichen aus Italien, 11. August 2018). Niemand kann eine Lebensentscheidung nur für sich selbst treffen. Die Berufung ist immer für die anderen und mit den anderen. Ich denke, wir sollten gründlich nachdenken über diese »Träume vom ›Wir‹«, denn sie betreffen die Berufung unserer Gemeinschaften gottgeweihten Lebens, unsere Priester, unsere Gemeinden, unsere kirchlichen Gruppen. Der Herr beruft niemals nur als Einzelperson, sondern immer innerhalb einer Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, um seinen Liebesplan zu teilen, der von Anfang an in der Mehrzahl steht, denn Er selbst ist es, barmherzige Dreifaltigkeit. Ich bin der Meinung, dass es sehr fruchtbar ist, die Berufung aus dieser Perspektive zu denken. Vor allem weil dies einen gemeinsamen missionarischen Blick anbietet und zudem auch das Bewusstsein erneuert, dass man in der Kirche nichts allein vollbringt; dass wir uns innerhalb einer langen Geschichte befinden und auf eine Zukunft ausgerichtet sind, die Teilnahme aller ist. Die Berufungspastoral darf nicht nur Aufgabe einiger Führungspersönlichkeiten sein, sondern sie muss Aufgabe der Gemeinschaft sein: »Jede Pastoral ist Berufungspastoral, jede Ausbildung gilt der Berufung und jede Spiritualität hat mit Berufung zu tun« (Christus vivit, 254).

Berufen zu einer besonderen Weihe

»Wenn wir von der Überzeugung ausgehen, dass der Heilige Geist weiter Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben weckt, können wir im Namen des Herrn voll Vertrauen ›wieder die Netze auswerfen‹« (ebd., 274). Ich möchte diese meine sichere Überzeugung nachdrücklich unterstreichen und euch ermutigen, noch mehr Energie einzusetzen, um Prozesse einzuleiten und Räume der Geschwisterlichkeit zu erweitern, die fasziniert (vgl. ebd., 38), weil sie aus dem Evangelium lebt.

Ich denke an die vielen Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens, die flächendeckend in karitativen Werken und in der Mission tätig sind. Ich denke an das monastische Leben, in dem die Wurzeln Europas gründen und das weiterhin viele Berufungen anzuziehen vermag, vor allem von Frauen: Es muss bewahrt, geschätzt und unterstützt werden, damit es sich als das ausdrücken kann, was es wirklich ist: Schule des Gebets und der Gemeinschaft. Ich denke an die im Territorium verwurzelten Pfarreien und ihre Kraft, die heutige Zeit zu evangelisieren. Ich denke an den aufrichtigen Einsatz unzähliger Priester, Diakone, gottgeweihter Frauen und Männer sowie der Bischöfe, »die sich tagtäglich aufrichtig und hingebungsvoll im Dienst für die Jugend einsetzen[…]. Ihre Arbeit ist ein lautlos wachsender Wald« (ebd., 99).

Habt keine Angst, die Herausforderung anzunehmen, heute die Berufung zum gottgeweihten Leben und zum Amtspriestertum zu verkünden! Die Kirche braucht dies! Wenn Jugendliche glaubwürdigen gottgeweihten Männern und Frauen begegnen – nicht weil sie vollkommen wären, sondern weil sie geprägt sind von der Begegnung mit dem Herrn –, dann wissen sie ein anderes Leben zu schätzen und sich die Frage nach ihrer Berufung zu stellen. »Die Kirche zieht die Aufmerksamkeit junger Menschen auf sich, wenn sie in Jesus Christus verwurzelt ist. Christus ist die Wahrheit, die die Kirche von jeder anderen weltlichen Gruppe, mit der wir uns identifizieren könnten, unterscheidet« (Abschlussdokument des Vorbereitungstreffens der Bischofssynode, 11).

Heute ist das Leben aller zersplittert und manchmal verwundet, das gilt für das Leben der Kirche nicht weniger. In Christus verwurzelt zu sein ist der Königsweg, um zuzulassen, dass sein Wirken uns neu aufbaut und eint. Eine Berufung zu begleiten und zu formen bedeutet, das handwerkliche Tun Christi zuzulassen, der gekommen ist, um den Armen eine frohe Botschaft zu bringen, um die Wunden gebrochener Herzen zu verbinden, um die Freiheit der Sklaven zu verkünden und den Blinden das Augenlicht zu geben (vgl. Lk 4,18). Nur Mut! Christus will, dass wir lebendig sind!

 



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