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JOHANNES PAUL II.

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 1. August 200
1

 

Liebe Schwestern und Brüder! 
Liebe Jungen und Mädchen! 

1. Der Petersplatz ist heute ein Platz der Jugend. Fast genau vor einem Jahr, im Herzen des Großen Jubiläums 2000, haben hier die Jugendlichen aus aller Welt anläßlich des Weltjugendtages herzliche Aufnahme erfahren. Heute öffnet sich dieser Platz, der die tausendste Generalaudienz seit meiner Bestellung durch die göttliche Vorsehung zum Nachfolger des Apostels Petrus beherbergt, Tausenden von Jungen und Mädchen, die aus ganz Europa gekommen sind, um an das Grab des Apostelfürsten zu pilgern. 

Liebe Ministranten! Als ihr gestern in einer langen Prozession über den Petersplatz zur Confessio gezogen seid, habt ihr sozusagen den Weg fortgesetzt, den die Jugend der Welt im Heiligen Jahr eingeschlagen hat. Das Motto eures Pilgerweges in die Ewige Stadt lautet: »Unterwegs in die neue Welt.« Dies ist ein Zeichen dafür,daß ihr gewillt seid, eure christliche Berufung ernst zu nehmen.

2. Ich begrüße euch ganz herzlich, liebe Jungen und Mädchen, und freue mich, daß es zu dieser Begegnung gekommen ist. Besonders danke ich Herrn Weihbischof Martin Gächter, dem Präsidenten des Coetus Internationalis Ministrantium, der im Namen von euch allen so herzliche Worte an mich gerichtet hat.

Mit besonderer Freude wende ich mich an die Meßdiener aus den Ländern deutscher Sprache, die zahlenmäßig die weitaus größte Gruppe bilden. Es ist schön, daß so viele junge Christen aus Deutschland gekommen sind.

Euer Tun am Altar ist nicht nur eine Pflicht, sondern eine hohe Ehre, ein wahrhaft heiliger Dienst. Für diesen Dienst möchte ich euch einige Gedanken mit auf den Weg geben.

Der Ministrant hat ein besonderes Gewand. Es erinnert uns an ein Kleid, das jeder übergestreift bekommt, wenn er in die Gemeinschaft mit Jesus Christus aufgenommen wird. Ich meine das Taufkleid, dessen tiefere Bedeutung der heilige Paulus erklärt: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angezogen" (Gal 3,27).

Auch wenn ihr, liebe Ministranten, aus dem Taufkleid herausgewachsen seid, so habt ihr dafür gleichsam das Ministrantengewand angelegt. Ja, die Taufe ist der Ausgangspunkt eures "wahren liturgischen Dienstes", der euch zu Helfer eurer Bischöfe, Priester und Diakone macht (vgl. Sacrosanctum Concilium, Nr. 29).

3. Der Ministrant hat einen herausragenden Platz innerhalb der liturgischen Feiern. Wer ministriert, tritt an die Öffentlichkeit. Er erfährt aus nächster Nähe, daß in jeder liturgischen Handlung Jesus Christus gegenwärtig ist und wirkt. Jesus ist gegenwärtig, wenn die Gemeinde sich versammelt zum gemeinsamen Gebet und Gotteslob. Jesus ist anwesend im Wort der Heiligen Schrift. Vor allem ist Jesus zugegen in der Eucharistie unter den Gestalten von Brot und Wein. Jesus handelt durch den Priester, der an der Stelle Jesu Christi die heilige Messe feiert und die Sakramente spendet.

So seid ihr beim Gottesdienst mehr als nur "Helfer des Pfarrers". Vor allem seid ihr Diener Jesu Christi, des ewigen Hohenpriesters. So seid Ihr Ministranten in besonderer Weise berufen, Jesu junge Freunde zu sein. Bemüht euch, diese Freundschaft mit ihm zu vertiefen und zu pflegen. Ihr werdet entdecken, daß ihr in Jesus einen wahren Freund fürs Leben gefunden habt.

4. Der Ministrant trägt oft eine Kerze. Muß man da nicht unweigerlich an ein Wort denken, das Jesus in der Bergpredigt gesprochen hat: "Ihr seid das Licht der Welt" (Mt 5,14)? Euer Dienst darf sich nicht auf das Gotteshaus beschränken; er muß ausstrahlen auf die Umgebung, in der ihr täglich lebt: Schule, Familie und andere Bereiche der Gesellschaft. Denn wer Jesus Christus in der Kirche dienen darf, der muß auch überall in der Welt sein Zeuge sein.

Liebe Jugendliche! Eure Altersgenossen warten auf das "wahre Licht der Welt" (vgl Joh 1,9). Haltet nicht nur in der Kirche eure Leuchter hoch, sondern tragt die Fackel des Evangeliums zu allen, die im Dunkeln sitzen und eine schwere Zeit erleben müssen.

5. Ich habe von der Freundschaft mit Jesus erzählt. Wie würde ich mich freuen, wenn aus dieser Freundschaft noch mehr würde! Wie schön wäre es, wenn aus euren Reihen junge Männer sich zum Priestertum entscheiden könnten! Jesus braucht dringend junge Menschen, die sich ihm großmütig und vorbehaltlos zur Verfügung stellen. Könnte es sein, daß der Herr auch das eine oder andere Mädchen von euch ruft, um ein gottgeweihtes Leben zu führen und so der Kirche und den Menschen zu dienen? Auch für jene, die sich einmal in der Ehe binden werden, kann das Ministrieren eine gute Schule dafür sein, daß eine gelingende Partnerschaft stets die Bereitschaft zum gegenseitigen Dienen aus freien Stücken einschließen muß.

                                        



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